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Giftpflanzen

I. Allgemeine Toxikologie

1. Prinzipien

-Pflanzen besitzen eine grosse Vielfalt von verschiedenen toxischen Inhaltsstoffen.
-Immer mehr exotische Pflanzen halten Einzug in unsere Häuser und Gärten, womit die Haustiere mit ungewohnten Gefahrenquellen konfrontiert werden. Daneben nimmt die biologisch ausgerichtete Landwirtschaft wieder grössere Ausmasse an, was eine vermehrte Artenvielfalt und auch ein häufigeres Auftreten von Giftpflanzen zur Folge hat. Im weiteren geht die fortschreitende Besiedlung freier Landflächen mit einer steigenden Vermischung von Landwirtschafts- und Wohnzonen einher und kann dazu führen, dass giftige Garten oder Heckenpflanzen unmittelbar neben einer Pferde-, Rinder- oder Schafweide angelegt werden.
-Viele der traditionell überlieferten Kenntnisse über Giftpflanzen sind heute nicht mehr vorhanden: zum Beispiel wird oft vergessen, dass toxische Inhaltsstoffe über längere Zeit im Dürrfutter aktiv bleiben können bzw. gar nicht verloren gehen, ihr bitterer Geschmack hingegen schon.
-Im allgemeinen ist die Toxizität von Pflanzen eine schwierig einzuschätzende Eigenschaft, denn der Wirkstoffgehalt unterliegt in qualitativer wie auch in quantitativer Hinsicht beträchtlichen Schwankungen. So ist der Giftgehalt abhängig von der Vegetationsperiode, Witterung und Sonneneinstrahlung, sowie von Düngung, Bodenbeschaffenheit, Herbizideinsatz, Parasitenbefall oder weiteren Stressfaktoren.
 

2. Beispiele toxischer Stoffgruppen

2.1Alkaloide
 
Atropin, Scopolamin:Tollkirsche, Stechapfel, Engelstrompete, Krainer Tollkraut und andere Pflanzen enthalten ein Gemisch aus Atropin und Scopolamin. Bei Vergiftungen richtet sich die Symptomatik nach der hauptsächlichen Giftkomponente. In Tollkirsche und Krainer Tollkraut überwiegt die zentral erregende Wirkung von Atropin (Tobsucht, Krämpfe gefolgt von Koma). Die übrigen Species enthalten mehr Scopolamin, das sich zentral dämpfend auswirken kann (Atemlähmung).
  
Colchicin:Colchicin ist das Hauptalkaloid der Herbstzeitlose und ist besonders reichlich in den Samen und Blüten enthalten. Das Vergiftungsbild ist von einer hämorrhagischen Enteritis mit Erbrechen, Kolik und Durchfall geprägt. Ferner treten Schluckbeschwerden und Atemlähmung auf.
  
Pyrrolizidine:Folgende Pflanzen enthalten Pyrrolizidinalkaloide: Jakobskreuzkraut, Alpenkreuzkraut, Echte Hundszunge und tropische Heliotropiumarten. Das Weidevieh meidet pyrrolizidinhaltige Pflanzen: bei wiederholter Verfütterung von Heu oder Silage mit hohem Kreuzkrautanteil treten Rektumprolaps, Leberzirrhosen und Ascites auf. Pyrrolizidinrückstände in der Milch laktierender Kühe gefährden den Verbraucher.
  
Solanin:Solanin schädigt lokal die Schleimhäute und führt zu Durchfall, Krämpfen, Paresen und Atemlähmung. Dieses Alkaloid ist in Nachtschattengewächsen (auch Kartoffel) enthalten. Besonders hoch ist die Konzentration in den Beeren. Nur bei wenigen Arten, wie Tomate und Aubergine, werden die Alkaloide während der Fruchtreifung so weitgehend entgiftet, dass die Früchte essbar werden. Gefährlich sind auch die unreifen, grün gewordenen oder auskeimenden Kartoffelknollen, hier besonders in der Rinde. Solanin ist hitzestabil, wird also beim Kochen nicht zerstört.
  
Strychnin:Das Krampfgift Strychnin ist ein Alkaloid aus der Brechnuss. Strychnin ist sehr stabil und konnte in exhumierten Leichen noch mehrere Jahre nach dem Tode nachgewiesen werden. Vergiftungssymptome: Unruhe, Krämpfe, Hyperthermie.
  
Taxin:Taxin ist für die Toxizität der Eibe verantwortlich und besteht aus einem komplizierten Gemisch von verschiedenen Alkaloiden. Alle Pflanzenteile ausser das Fleisch der Beeren sind toxisch. Die Hauptwirkung geht in erster Linie auf eine kardiotoxische Komponente zurück: diese führt zu Bradykardie und Herzstillstand.
 
2.2Cyanogene Glycoside
 
Viele Pflanzen enthalten Cyanid in gebundener Form als cyanogene Glycoside, so beispielsweise der Kirschlorbeer, die Keime anderer Prunusarten (Bittermandeln, Aprikosen-, Pfirsich-, Pflaumen-, Kirschkerne) sowie der Flachs. Die cyanogene Glycoside werden durch pflanzliche Enzyme - im Pansen der Wiederkäuer auch durch mikrobielle Enzyme - unter Freisetzung von Cyanid gespalten. Symptome: Dyspnoe, Krämpfe, hellrotes Blut. Die Fruchtkerne sind nur toxisch, wenn diese aufgebissen werden. So können zum Beispiel Schweine nach dem Verzehr von grossen Mengen an Kirschen sterben, weil sie fähig sind, die Kerne zu knacken.
 
2.3Enzyme
 
Farngewächse (zum Beispiel Adlerfarn) und Schachtelhalmgewächse (vor allem Vertreter der Gattung Equisetum: Equisetum palustre und Equisetum arvense) enthalten hohe Mengen an Thiaminase. Wegen der Zerstörung von Vitamin B1 führt die Aufnahme dieser Pflanzen zur "Taumelkrankheit". Symptome: Erregbarkeit, Ataxie, Lähmung der Hinterextremitäten. Bei Wiederkäuern, die Vitamin B1 selbst synthetisieren, kommen andere - weniger gut erforschte - Giftstoffe des Adlerfarns zum Vorschein. Diese manifestieren sich mit Hämaturie, Gastroenteritis und Schleimhautblutungen ("Blutschwitzen").
 
2.4Furocumarine
 
Psoralen und andere Furocumarine (Synonym Furanocumarine) sind phototoxische Stoffe, die die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht steigern. Diese Giftstoffe lagern sich zuerst in die DNS ein und sind dann fähig, unter Einwirkung von langwelligem UV-Licht kovalente Basenaddukte zu bilden. Die Schwere der cytotoxischen Reaktion hängt demnach nicht nur von der Konzentration und der Einwirkungszeit der phototoxischen Substanz, sondern auch von der Intensität der Sonnenbestrahlung ab. Furocumarine sind in besonders hoher Konzentration im Riesenbärenklau zu finden.
 
2.5Herzglycoside
 
Die Herzglycoside der Digitalis- und Strophantusarten (Fingerhut) werden therapeutisch genutzt. Gleichartig wirkende Glycoside kommen auch in anderen Pflanzen vor. Dazu gehören die Meerzwiebel, der Oleander, das Maiglöckchen oder das Pfaffenhütchen. Symptome: Gastroenteritis, Erbrechen, Durchfall, Herzfunktionsstörungen, Arrhythmien, Herzstillstand.
 
2.6Hormone
 
Bei Herbivoren führt der hohe Vitamin D-Gehalt von gewissen Pflanzen - zum Beispiel dem Goldhafer - zu Vergiftungen (enzootische Kalzinose). Eine einzelne toxische Dosis kann den Calciumstoffwechsel so fehlleiten, dass multiple Mineralisationsherde (Calciumphosphatablagerungen) im Weichgewebe entstehen. Es folgen schwerwiegende Organstörungen. Symptome: Lethargie, Anorexie, Erbrechen, Durst, Polyurie, Paresen und Depression. Daneben sind auch Östrogenwirksame Substanzen (zum Beispiel im Rotklee, auch in Silage) bekannt, die zu Fruchtbarkeitsstörungen führen können.
 
2.7Nitrat
 
Es gibt über 100 Pflanzenarten, die Nitrat speichern. Einige Beispiele: Hafer, Zuckerrübe, Raps, Weisse Zaunrübe, Kürbisse, Rübe, Sonnenblumen, Gerste, Salat, Steinklee, Rettich, Roggen, Kartoffel, Weizen, Mais. Die Nitratmenge ist dabei stark abhängig von der Düngung. Insbesondere führt die intensive Stickstoffdüngung in der modernen Landwirtschaft zu Nitratbelastungen des Bodens, des Grundwassers und der Kulturpflanzen. Leitsymptom: Methämoglobinbildung, schokoladenbraun gefärbtes Blut.
 
2.8Oxalsäure
 
Oxalate sind in Ampferarten (zum Beispiel Sauerampfer), sowie in Aronstab- und Gänsefussgewächsen enthalten. Oxalsäure wirkt lokal reizend (Salivation, Durchfall) und bei massiver Exposition kommt es zu Anzeichen eines Calciummangels (Bradykardie, Rhythmusstörungen), weil Calcium in Form von unlöslichen Oxalatkomplexen ausgefällt wird. Durch Verstopfung der Tubuli mit Calciumoxalatkristallen kommt es zu Nierenschäden. Gefährlich für Kleintiere ist die als Zimmerpflanze beliebte Dieffenbachia. Diese Pflanze enthält Ansammlungen von Calciumoxalatnadeln, die dichtgepackt in sogenannten Schiesszellen liegen. Auf Druck werden die Nadeln herausgeschleudert, dringen in Haut und Schleimhäute ein und schädigen sie mechanisch. Gleichzeitig wirken die Calciumoxalatkristalle als Injektionsnadeln für gewebsschädigende Enzyme.
 
2.9Toxische Proteine
 
Toxische Proteine sind in den Samen der Ricinusstaude, in den Samen der Paternostererbse, aber auch in den Kernen und Schoten der Gartenbohne enthalten. Ricinusöl ist hingegen ungiftig. Ein toxisches Protein ist auch in der Falschen Akazie zu finden, wobei die Rinde besonders hohe Konzentrationen aufweist. Bei diesen Giftstoffen handelt es sich um hitzelabile aber gegen Verdauungsenzyme resistente Proteine. Ricin aus der Ricinusstaude und Abrin aus der Paternostererbse hemmen die ribosomale Proteinsynthese und rufen grossflächige Nekrosen in der Magen-Darm-Schleimhaut sowie in Leber, Nieren und Milz hervor. Phasin aus der Gartenbohne sowie Robin aus der falschen Akazie besitzen agglutinierende Eigenschaften, die zu Gastroenteritis, Kolik und Krämpfen führen.
 
2.10Saponine
 
Dabei handelt es sich um verschiedenartige Verbindungen, deren gemeinsame Eigenschaft darin besteht, dass sie in wässriger Lösung "seifenartig" schäumen. Infolge ihrer Oberflächenaktivität wirken Saponine membranschädigend: Vergiftungen sind durch Zerstörung der Magen-Darm-Schleimhaut, Durchfall und Hämolyse gekennzeichnet. Saponine kommen in Pflanzen ausserordentlich häufig vor, so zum Beispiel in Rosskastanie, Alpenveilchen und in verschiedenen Hahnenfussgewächsen (z.B. Ranunculus spp.).
 
2.11Terpene und Terpenderivate
 
Die Terpene sind für die Giftigkeit der ätherischen Öle verantwortlich. Dazu gehört das Thujon, das in Zypressengewächsen (zum Beispiel Thuja) enthalten ist. Symptome: Gastroenteritis, Krämpfe, Koma.
 

II. Spezielle Toxikologie - Kleintier

1. Therapiegrundsätze

-Dekontamination / Aktivkohle
-Verdünnen mit Flüssigkeit oral und parenteral
-Symptomatische Massnahmen
 
In unserer Giftpflanzen-Datenbank finden Sie spezifische Daten zu den einzelnen Pflanzen.
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