2. Quellen
Flunitrazepam ist ein Wirkstoff aus der Humanmedizin.
3. Kinetik
| - | Diese psychoaktiven Substanzen werden leicht und schnell aus dem Magen-Darm-Trakt und via Insufflation resorbiert, die klinischen Symptome treten innerhalb von 30-45 Minuten auf. |
| - | MDMA passiert die Blut-Hirn-Schranke, wird in der Leber metabolisiert und über die Nieren ausgeschieden. Die klinischen Symptome dauern 6-8 Stunden. |
| - | Synthetische Cathinone (NPS): Der Metabolismus variiert je nach Verbindung. Sie werden über den Urin ausgeschieden. Die klinischen Symptome dauern in der Regel einige Stunden, können aber auch mehrere Tage anhalten. Mepherdron (4-MMC) und Metaphedron (3-MMC) haben eine kurze Wirkdauer, Methylon (MDMC) wirkt länger. Die Wirkung von MDPV hält etwa 3-4 Stunden an. |
| - | GHB ist sehr lipophil, verteilt sich über die Blut-Hirn-Schranke und im ganzen Körper, wird schnell metabolisiert und als Kohlendioxid über die Atemwege ausgeschieden. Die klinischen Symptome klingen in der Regel innerhalb von 7 Stunden ab. |
| - | Flunitrazepam breitet sich aufgrund seiner Lipophilie weit aus, wird in der Leber zu zwei Wirkstoffen metabolisiert und über die Nieren ausgeschieden. Nacfh der oralen Verabreichung von 6 mg/kg Körpergewicht wird der maximale Plasmapeak nach 1-2 Stunden gemessen. Die klinischen Symptome können 8-12 Stunden andauern. |
4. Toxisches Prinzip
| - | MDMA hat eine sympathomimetische Wirkung, es erhöht die Ausschüttung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, blockiert die Wiederaufnahme von Serotonin und hemmt die Monoaminooxidase (MAO). |
| - | Viele synthetische Cathinone (NPS) haben eine sympathomimetische Wirkung, erhöhen die Freisetzung von Neurotransmittern, wobei die primäre Art des Neurotransmitters je nach Verbindung variiert, und hemmen die Monoamin-Aufnahmetransporter. Mephedron (4-MMC) hat ein ähnliches Wirkspektrum wie Amphetamin und MDMA und besitzt sowohl stimulierende als auch empathogene Effekte. Metaphedron (3-MMC) ist Mephedron sehr ähnlich. Methylon (MDMC) ist ein psychoaktives Stimulans mit ähnlicher Wirkung wie Mephedron und MDMA. α-PVP hat eine sehr stark stimulierende Wirkung. MDPV ist strukturell mit α-PVP verwandt und die Wirkung ist Methamphetamin-ähnlich. Auch Methcathinon hat eine Methamphetamin-ähnliche Wirkung. |
| - | GHB ist ein Vorläufer und Metabolit des Neurotransmitters GABA und wirkt, da es natürlich im Körper vorkommt, auf seine eigenen Rezeptoren. GHB kann GABA, Glutamat und Dopamin freisetzen. |
| - | Flunitrazepam bindet an GABA-Rezeptoren und verringert die neuronale Übertragung, indem es die Chloridionenkanäle beeinflusst. Es kann auf die GABA-vermittelte Regulation der Freisetzung von Monoamin-Neurotransmittern wirken. |
5. Toxizität bei Labortieren
Akute orale LD50 (in mg/kg Körpergewicht):
| | Maus | Ratte |
| Flunitrazepam | 1200 | 415 |
| MDMA | | 160-325 |
II. Spezielle Toxikologie - Kleintier
1. Toxizität
| - | Hunde sind aufgrund ihres Fressverhaltens am ehesten betroffen. |
Akute Toxizität, Hund oral:
| - | MDMA (Ecstasy): 3 mg/kg Körpergewicht führen zu Hyperaktivität und Mydriasis; 9 mg/kg Körpergewicht führen zu Hypersalivation und Kreisen; 15 mg/kg Körpergewicht führen zu schweren klinischen Symptomen und Tod. |
| - | NPS: keine Daten vorhanden; sie enthalten oft mehrere und unterschiedliche Verbindungen. |
| - | GHB (Liquid Ecstasy): Dosen > 50 mg/kg Körpergewicht wurden mit Todesfällen in Verbindung gebracht. |
| - | Flunitrazepam: keine Daten vorhanden. |
| Verabreichte Dosen in einer Studie zur Messung der Abängigkeit betrugen 7.6 mg/kg Körpergewicht/Tag über 4-7 Wochen. |
2. Latenz
| - | Die Symptome treten innerhalb von 30-45 Minuten nach der Einnahme auf und können 8-12 Stunden andauern. |
3. Symptome
| 3.1 | Allgemeinzustand, Verhalten |
| MDMA, NPS: Hyperaktivität, Erregung, Euphorie, Verwirrung, Halluzinationen, Tod; Hyperthermie |
| GHB, Flunitrazepam: Apathie, Lethargie, Verwirrtheit, Bewusstseinsverlust/Koma, Gedächtnishemmung; Hypothermie |
| |
| 3.2 | Nervensystem |
| MDMA, NPS, GHB: Tremor, Krampfanfälle |
| MDMA: Serotonin-Syndrom |
| GHB, Flunitrazepam: Muskelschwäche, Muskelrelaxation |
| |
| 3.3 | Oberer Gastrointestinaltrakt |
| MDMA, NPS: Vomitus, Hypersalivation |
| |
| 3.4 | Unterer Gastrointestinaltrakt |
| Keine Symptome |
| |
| 3.5 | Respirationstrakt |
| MDMA, NPS: Tachypnoe |
| GHB, Flunitrazepam: Atemdepression |
| |
| 3.6 | Herz, Kreislauf |
| MDMA, NPS: Tachykardie, Herzrhythmusstörungen |
| GHB, Flunitrazepam: Bradykardie, Veränderungen der Herzfrequenz |
| |
| 3.7 | Bewegungsapparat |
| Keine Symptome |
| |
| 3.8 | Augen, Augenlider |
| MDMA, NPS: Mydriasis |
| |
| 3.9 | Harntrakt |
| MDMA, NPS: Nierenversagen (als Folge von Hyperthermie und Rhabdomyolyse möglich) |
| |
| 3.10 | Fell, Haut, Schleimhäute |
| Keine Symptome |
| |
| 3.11 | Blut, Blutbildung |
| MDMA, NPS: Hyponatriämie |
| MDMA: Leberversagen |
| |
| 3.12 | Fruchtbarkeit, Jungtiere, Laktation |
| Keine Symptome |
4. Sektionsbefunde
| - | MDMA: Ikterus, petechiale und ekchymotische Blutungen, dunkles, teerartiges Material im Magen (post mortem) und Leberschäden (post mortem). Histopathologie: Lebernekrosen und Anzeichen einer generalisierten hämorrhagischen Erkrankung. |
5. Weiterführende Diagnostik
| - | MDMA: Blutchemie: Hyponatriämie, erhöhte Leber werte infolge Leberversagen. |
| - | NPS: Blutchemie: Hyponatriämie, erhöhte Kreatinkinase, Elektrolytstörungen, Nierenversagen. |
| - | EKG: Überwachung auf Herzrhythmusstörungen. |
| - | Nachweis: GHB wird zu schnell metabolisiert, um mit Tests nachgewiesen werden zu können, ist natürlicherweise im Körper vorhanden. MDMA, Flunitrazepam und NPS: Nachweis im Urin möglich. |
6. Differentialdiagnosen
MDMA, NPS:
GHB, Flunitrazepam
| - | Andere zentral dämpfende Medikamente: andere Benzodiazepine, Baclofen, Barbiturate, Opioide. |
| - | Andere toxische Ursachen für neurologische Depressionen: Marihuana/Cannabis, Ethanol. |
| - | Andere Krankheitsprozesse, die zu Veränderungen des ZNS führen können: Thrombogenes Ereignis, Neoplasie, Meningitis oder Meningoenzephalitis, Hepatoenzephalopathie. |
7. Therapie
| 7.2 | Dekontamination und Elimination |
| - | Provozierte Emesis: bei grossen Mengen, innerhalb von 30 Minuten nach der Exposition, sofern das Tier symptomfrei ist. |
| - | Verabreichung von Aktivkohle mit einem Laxans, z.B. Carbodote, Trinklösung (24 g Carbo activatus/100 ml) oder Carbovit® (15 g Carbo activatus/100 ml): einmalige Gabe, nur bei gutem Schluckreflex. |
| - | Magenspülung: Sedierter und intubierter Patient (Endotrachealtubus mit Cuff), bei kürzlich erfolgter, groser Einnahme, danach Aktivkohle-Gabe. |
| 7.3 | Extrakorporale Elimination |
| - | Flunitrazepam: Flumazenil (Benzodiazepin-Antagonist): 0.01 mg/kg Körpergewicht i.v., bei Bedarf wiederholen (Halbwertszeit ca. 1 Stunde). |
| - | MDMA, GHB und NPS: keine Antidot verfügbar. |
| 7.5 | Weitere symptomatische Massnahmen |
| - | Intravenöse Kristalloide: nach Bedarf zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks. |
| - | EKG: zur Überwachung. |
Antiemetikum, zur Verhinderung einer Aspiration
| - | Maropitant: 1 mg/kg Körpergewicht i.v. oder s.c., alle 24 Stunden. |
| - | Ondansetron: Hund: 0.5-1 mg/kg Körpergewicht i.v. (langsam), alle 12 Stunden; Katze: 0.1-1 mg/kg Körpergewicht i.v. (langsam), s.c. oder i.m., alle 6-12 Stunden. |
Temperatur-Kontrolle
| - | Hyperthermie (MDMA, NPS): bei Bedarf physiologische Kühlung mit kaltem Wasser, Eis, oder Isopropanol, bis 39.4-39.7°C erreicht sind. |
| - | Hypothermie (GHB, Flunitrazepam): bei Bedarf wärmen. |
Atemwege freihalten
| - | Atmung und SpO2 überwachen. |
| - | Bei Bedarf intubieren und beatmen (GHB und Flunitrazepam). |
Mentalen Status überwachen
| - | Zusätzliche Stimulation des ZNS vermeiden (MDMA und NPS): ruhiger, abgedunkelter Raum. |
| - | Auf Anzeichen einer übermässigen ZNS-Depression achten. |
MDMA, NPS:
ZNS-Erregung, Tachykardie
| - | Acepromazin: 0.05-0.1 mg/kg Körpergewicht i.v., i.m. oder s.c., bei Bedarf wiederholen. |
| - | Chlorpromazin: 0.5-1 mg/kg Körpergewicht i.v. oder i.m., bei Bedarf wiederholen. |
Serotonin-Syndrom
| - | Cyproheptadin: 1.1 mg/kg Körpergewicht p.o. oder rektal (als Suspension), alle 4-6 Stunden, nach Bedarf. |
Muskel-Tremor
| - | Methocarbamol: 55-220 mg/kg Körpergewicht, bei Bedarf wiederholen. |
Zentrale Krampfanfälle
| - | Phenobarbital: 12-20 mg/kg Körpergewicht i.v., einmalig ODER 2 mg/kg Körpergewicht i.v., alle 20-30 Minuten bis zur Wirkung, mit einer maximalen 24-Stunden-Dosis von 24 mg/kg Körpergewicht. |
| - | Levetiracetam: Hund: 30-60 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten; Katze: 20 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten. |
| - | Propofol: 6 mg/kg Körpergewicht i.v. als Bolus, gefolgt von 0.1-0.6 mg/kg Körpergewicht/min als Dauerinfusion. |
GHB:
Zentrale Krampfanfälle
| - | Diazepam: 0.5-2 mg/kg Körpergewicht i.v. oder Midazolam: 0.5-1 mg/kg Körpergewicht i.v. |
| - | Phenobarbital: 12-20 mg/kg Körpergewicht i.v., einmalig ODER 2 mg/kg Körpergewicht i.v., alle 20-30 Minuten bis zur Wirkung, mit einer maximalen 24-Stunden-Dosis von 24 mg/kg Körpergewicht. |
| - | Levetiracetam: Hund: 30-60 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten; Katze: 20 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten. |
Flunitrazepam
| - | Flumazenil: 0.01 mg/kg Körpergewicht i.v., bei Bedarf wiederholen (Halbwertszeit ca. 1 Stunde). |
| 7.6 | Vorsichtsmassnahmen/Interaktionen |
| - | Benzodiazepine (Diazepam/Midazolam) sollten bei Kontakt mit MDMA und NPS vermieden werden, da es zu einer paradoxen Verschlimmerung der ZNS-Stimulation kommen kann. |
| - | Zusätzliche Benzodiazepine (Diazepam/Midazolam) sollten nicht zusammen mit Flunitrazepam verabreicht werden, da dies die klinischen Symptome verschlimmern kann. |
8. Verlauf
| 8.1 | Erwarteter Verlauf und Prognose |
| - | Hängt von der Menge und Mischung der Drogen sowie vom Zeitpunkt der Therapie ab. |
| - | Bei niedrigeren Dosen sind die Chancen auf eine vollständige Genesung gut. |
| - | Verunreinigungen oder absichtliche Verfälschungen der Drogenmischung, unbekannte Drogen, die zusätzlich zu den bekannten Drogen eingenommen wurden. |
9. Literatur
Bischoff K (2012) Toxicity of drugs of abuse: MDMA. In: Veterinary toxicology (second edition). https://www.sciencedirect.com/topics/pharmacology-toxicology-and-pharmaceutical-science/mdma (erfasst am 8.12.2025)
Katan D (2024) Club drugs (MDMA, GHB, Flunitrazepam, bath salts). In: Blackwell's five-minute veterinary consult clinical companion: small animal toxicology, 3rd edition. Eds. Hovda LR, Brutlag AG, Poppenga RH & Epstein SE. Wiley Blackwell, pp 226-232
Marthaler M, Infodrog (2025) Synthetische Cathinone, Faktenblatt. https://www.infodrog.ch/files/content/factsheets/2025_Faktenblatt_Synthetische-Cathinone.pdf (erfasst am 9.12.2025)
PubChem (2025) https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Flunitrazepam#section=Non-Human-Toxicity-Excerpts (erfasst am 8.12.2025)
Sloan JW, Martin WR & Wala EP (1991) A comparison of the physical dependence inducing properties of flunitrazepam and diazepam. Pharmacol Biochem Behav 39(2), 395-405