Letale Dosis / Toxische Dosis

TD Pferd p.o.:>20% Adlerfarn im Futter während 1 Monat (Pickrell & Oehme, 2004; Vetter, 2009)
LD Pferd p.o.:10 g getrockneter Adlerfarn/kg Körpergewicht/Tag während 108 bzw. 126 Tagen (Fernandes et al., 1990); 2-3 kg/Tag innerhalb 20-40 Tagen (Kühnert, 1991)
TD Rind p.o.:3-4 kg frischer Adlerfarn während 3 Monaten (Vetter, 2009); akut: 30% Adlerfarn während 1-3 Monaten (Rosenberger et al., 1994); 500 g Adlerfarn/Tag während 225 Tagen; 500 g Pulver/Tag während 75 Tagen (Vetter, 2009); chronisch: 500-200 g Adlerfarn/Tag während 1.5-2 Jahren (Rosenberger et al., 1994)
TD Schaf p.o.:Adlerfarn-haltiges Futter während 4 Monaten (Vetter, 2009)
TD Schwein p.o.:25-33% getrocknetes Adlerfarnrhizom-Pulver im Futter während 41-42 Tagen (Evans & Harding, 1972; Vetter, 2009)
LD Schwein p.o.:25-33% getrocknetes Adlerfarnrhizom-Pulver im Futter während 55-71 Tagen (Evans & Harding, 1972; Vetter, 2009)
TD Meerschweinchen p.o.:>30% getrockneter Adlerfarn im Futter (Vetter, 2009)
LD Ratte p.o.:10% getrocknetes Farnpulver während 1 Monats (Youkhana, 2013)
 

Klinische Symptome

Akuter Verlauf:
-Thiaminmangel: primär beim Pferd und Schwein, experimentell beim Schaf.
-Progressive Retinaatrophie ("bright blindness") infolge Stenose der Blutgefässe beim Schaf. Sie geht mit dem Verlust von Stäbchen und Zäpfchen in der äusseren Körnerschicht einher.
-Fieber, blasse Schleimhäute, externe oder interne Blutungen infolge schwerer Schädigung des blutbildenden Knochenmarks, erhöhte Fragilität der Kapillaren sowie Blutgerinnungsstörungen: beim Wiederkäuer und Kaninchen.
Chronischer Verlauf:
-Bovine enzootische Hämaturie (BEH) infolge epithelialer und mesenchymaler Tumoren der Harnblase beim Rind.
-Karzinome im Nasopharynx und Vormägen beim Rind und Schaf: Fibrosarkome in der Mandibula und Maxilla, Papillome in den Vormägen.
(Bonadies et al., 2011; Obidoska et al., 2016; Rosenberger, 1994; Sebastian, 2007; Teuscher + Lindequist, 2010; Vetter, 2009).
 
Pferd: Anorexie, Gewichtsverlust, Faszikulationen nach Anstrengung, später Ataxie, breitbeiniger Stand, Parese der Hinterhand, Festliegen, Tod, terminal sind auch Opisthotonus, Konvulsionen möglich. Im frühen Stadium ist die Prognose gut. Blutplasmawerte: Pyruvat erhöht (Zeichen für Vitamin B1-Mangel), Vitamin B1-Werte erniedrigt. EKG: Arrhythmie. Pathologie: Enteritis, perikardiale und epikardiale Hämmorrhagien.
(Pickrell & Oehme, 2004; Sebastian, 2007; Vetter, 2009)
Rind: Akute Intoxikation: mangelnde Fresslust, gestörtes Wiederkauen, zeitweilige Verstopfung, allmähliche Abmagerung, dann plötzlich hämorrhagische Diathese, Hyperthermie (40.5-41°C). Blutbild: Abfall der Thrombozyten, zumnehmende Leukopenie mit Agranulozytose und relativer Lymphozytose, Verlängerung der Blutgerinnungszeit, erhöhte Kapillardurchlässigkeit, Prothrombingehalt des Blutes vermindert, Fibrinreaktion des Blutkuchengerinnsels verzögert.
Subakuter Verlauf: starke Diarrhoe (oft blutig), Nasenbluten, Hämaturie, Petechien und Ekchymosen auf Haut, Schleimhäuten und in der vorderen Augenkammer, Blutschwitzen, evt. nasolabiale Ulzerationen, Tachykardie, Tachypnoe, häufig Septikämie. Bei Kälbern und Jungrindern laryngeale Form (evtl. auch enterale Form) mit ausgedehnten Ödemen im Bereich von Kehlgang und Rachen sowie Dyspnoe, ältere Tiere enterale Form mit schwärzlichem, Blutkoagula-haltigem Kot, z.T. Diarrhoe, Tachypnoe und Tachykardie, Tod nach 1-10 Tagen.
Chronische Intoxikation (nach etwa 2 Jahren): intermittierende vesikale Hämaturie, Nephritis oder Pyelonephritis nach Sekundärinfektion der Blase, hämorrhagische Anämie; Sarkome, Karzinome (nach >2 Jahren) in der Harnblasenwand oder im Gastrointestinaltrakt.
(Rosenberger et al., 1994; Vetter, 2009)
Schaf: Hahnentritt, Mydriasis, Blindheit, Todesfälle (Sebastian, 2007; Vetter, 2009).
Schwein: Appetitverlust, Vomitus, später Ataxie, Seitenlage, Dyspnoe, Tod; trächtige Sauen: erhöhte Mortalitätsrate bei den geworfenen Ferkeln (Evans & Harding, 1972; Vetter, 2009).
Kaninchen: Differentialblutbild: progressive Anämie, Leukopenie, Lymphopenie, relative Heterophilie; Blutchemie: Alkalische Phosphatase/AP, Alanin-Aminotransferase/ALT, Harnstoff und Kreatinin im Serum erhöht (Vetter, 2009).
Ratten: Apathie (Youkhana, 2013).
Damhirsch: Blasentumore (Hämangiom, Hämangiosarkom, Übergangszellkarzinom) und chronische Zystitis, z.T. mit Hämangiosarkom-Metastasen, Hydronephrose und Nierenkarzinom, in fortgeschrittenem Stadium Hämaturie und Abmagerung (Sacala et al., 2014).
 

Diagnose

-Hämatologie: Leukopenie mit Agranulozytose und Thrombozytopenie; Neutrophilie (Fernandes et al., 1990); Leukopenie mit Fehlen aller Leukozyten ausser der Lymphozyten, verlängerte Blutungszeit (Vetter, 2009).
-Blutchemie: erhöhtes Totalprotein, Kalium, Kupfer und Mangan, erniedrigtes Kalzium, Phosphor und Thiaminspiegel, erhöhter Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin; chronisch: tiefes Kalzium, normales Phosphor und Mangan (Vetter, 2009).
-Urin: nach 45 Tagen: Epithelialzellen, Phosphat und Kalzuimoxalatkristalle; nach 60 Tagen: Protein und Kalzium (Vetter, 2009).
-Elektrokardiogramm: Veränderungen des S-T-Segments (Fernandes et al., 1990).
 

Therapie

Thiamin (Vitamin B1) bei Nichtwiederkäuern (Futterhefe): Pferd: 100-200 mg Thiamin 2mal täglich am 1. Tag, dann einmal täglich für 7-14 Tage (Pickrell & Oehme, 2004); Rind: wiederholte Bluttransfusion (mindestens 4-5 Liter), Eisen-Dextran-Präparate, die Verabreichung von Vitamin B1 oder K1 ist nutzlos (Rosenberger, 1994).
Dekontamination / Symptomatische Therapie (siehe Notfalltherapie)
 

Sektionsbefunde

 
©2021 - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie, Winterthurerstrasse 260, 8057 Zürich, Schweiz
Es kann keinerlei Haftung für Ansprüche übernommen werden, die aus dieser Webseite erwachsen könnten.