Calendulae flos - Veterinärmedizin
Arzneipflanzen
Phytotherapie
 

Anwendungen

Anerkannte tiermedizinische Anwendung

In einer Studie an embryonalen Fibroblastenzellen der Maus konnte gezeigt werden, dass Ethanol- und Methanolextrakte von Calendula officinalis, in einer Konzentration von 5 µg/ml und 10 µg/ml, die Zellproliferation, durch Expression von TGFβ1 und bFGF, in den ersten 12 Stunden nach der Behandlung signifikant stimulierten. Die Reduzierung dieser Faktoren, die 24 Stunden nach der Behandlung erfolgt, dürfte die Zellfunktion der embryonalen Maus-Fibroblastenzellen während der Wundheilung verbessert haben (Hormozi et al., 2019).
 

Ethnoveterinärmedizinische Studien

Gemäss einer Übersichtsarbeit zu ethnoveterinärmedizinischen Studien Europas wird Calendula officinalis bei Pferden und Rindern für die Behandlung von Wunden und Ulzera und bei Rindern bei Problemen des Magen-Darm-Traktes eingesetzt (Mayer et al., 2014).
 

Traditionelle Anwendung

-Innerlich bei Verdauungsbeschwerden, Magenbeschwerden, Magen-Darm-Geschwüren, Harnwegsinfekten, Lebererkrankungen, Reizzuständen, Unruhe, Würmern, Opstipation und zum Harn- und Schweisstreiben (Aichberger et al., 2012).
-Äusserlich bei leichten Entzündungen der Haut und Schleimhäute, u.a. der Mund- und Rachenschleimhaut, unterstützend zur Heilung von Wunden (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Äusserlich bei akuten und chronische Hautentzündungen sowie Entzündungen der Maul- und Rachenschleimhaut (Aichberger et al., 2012; Reichling et al., 2016).
-Äusserlich bei Riss-, Quetsch- und Brandwunden, bei schlecht heilenden, eitrigen und oberflächlichen Wunden sowie bei Prellungen (Aichberger et al., 2012; Reichling et al., 2016).
-Äusserlich bei Lidrandentzündungen (Blepharitis marginalis, häufig durch Staphylococcus aureus hervorgerufen), Lidrandekzem, Konjunktivitis und Augenentzündungen infolge Verletzungen (Aichberger et al., 2012; Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Äusserlich zur Spülung bei Endometritis und Vaginitis (Brendieck-Worm & Melzig, 2018; Reichling et al., 2016).
 

Dosierung

Innerliche Anwendung
 Ringelblumenblüten/Tag (in g Droge/Tag)
Rind55/500 kg KGW
Pferd15/500 kg KGW
Ziege, Schaf15/100 kg KGW
Schwein15/100 kg KGW
Hund, Katze3/10 kg KGW
Geflügel3/10 kg KGW
KGW = Körpergewicht
(Aichberger et al., 2012)
 

Dosierung und Zubereitung

Äusserliche Anwendung
-Aufguss: 1-2 Teelöffel Ringelblumenblüten auf 250 ml kochendes Wasser geben, 10 Minuten ziehen lassen und dann filtrieren; für Wundspülungen (mehrmals mit dem Aufguss spülen), Kompressen (Leinen oder ähnliches Material mit Aufguss durchtränken und auf Wunde legen) und Angussverbände; zur Anwendung am verletzen Auge (als Spüllösung und Kompresse) dem Aufguss 9 g Kochsalz/Liter zusetzen und filtrieren (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Aufguss: 1-2 Teelöffel Ringelblumenblüten mit 150 ml heissem Wasser übergiessen und nach 10 Minuten durch ein Teesieb geben; bei Entzündungen der Maul- und Rachenschleimhaut mehrmals mit dem Aufguss spülen; zur Wundbehandlung Leinen oder ähnliches Material mit Aufguss durchtränken und auf Wunde legen (Aichberger et al., 2012; Reichling et al., 2016).
-Aufguss: 1 Teelöffel Ringelblumenblüten mit 500 ml kalten Wasser ansetzen und dan kurz aufkochen; für Umschläge (Aichberger et al., 2012).
-Tinktur: 30 g frische Zungenblüten oder 20 g getrocknete Blütenblätter mit 200 ml 40-50%igem Ethanol übergiessen und 10 Tage lang bei Zimmertemperatur ausziehen lassen, mehrmals täglich schwenken, anschliessend filtrieren, kühl und dunkel lagern; zur Wundspülung 2-4 ml auf 500 ml körperwarmes Wasser geben; Fertig-Tinkturen mindestens 1:10 mit Ringerlösung verdünnen (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Tinktur: 1 Handvoll Blüten für 5-6 Wochen und 500 ml Weingeist oder Kornschnaps ansetzen; 2-4 ml auf 500 ml Wasser als Spülung; 1 Teil Tinktur + 10 Teile Wasser zur Wundbehandlung (Aichberger et al., 2012).
-Kompresse mit 25 Tropfen Ringelblumentinktur und 250 ml Trinkwasser; bei Prellungen, eitrigen Wunden, Verbrennungen und Quetschungen (Reichling et al., 2016).
-Salbe: 20 Teile frische oder 10 Teile getrocknete Ringelblumenblüten in 100 Teilen auf 40-50°C erwärmtes Fett (u.a. Schweineschmalz, Kokosfett) geben und für 2-3 Stunden unter mehrmaligem Rühren mazerieren lassen, dann filtrieren und abfüllen; oder dieselben Mengen in bis zu 70°C heisses Olivenöl geben, 10 Minuten belassen und anschliessend die abgetrennte Flüssigkeit, je nach gewünschter Konsistenz, mit 10 Teilen Bienenwachs oder einer Bienenwachs-/Lanolinmischung versetzen, vor dem Festwerden kann zur Wirkungsverstärkung Ringelblumentinktur zugesetzt werden; Ringelblumensalbe mehrmals täglich dünn auf Wundränder, Narben und rissige Haut auftragen (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Salbe aus Ringelblumenextrakt und Lanolin bzw. Vaselin (2:18); zur Behandlung von oberflächlichen Wunden bei Ziegen (Reichling et al., 2016).
-Salbe: für raue, aufgesprungene Hände und Fusssohlen, gerötete Haut und kleine Wunden (Aichberger et al., 2012).
-Öl: Ringelblumen-Zungenblüten locker in ein braunes Glasgefäss schichten und im Verhältnis 1:10 mit kalt gepresstem Oliven-, Raps- oder Mandelöl übergiessen, unter gelegentlichem Schwenken 4 Wochen extrahieren lassen, dann, ohne die Blütenblätter auszudrücken, abseihen und kühl und dunkel aufbewahren; zur Behandlung von Narben und rissiger Haut mehrmals täglich dünn auftragen (Brendieck-Worm et al., 2015; Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Öl: 2 Handvoll Blüten und 400 ml Olivenöl 3 Wochen an einem warmen, nicht sonnigen Ort stellen, abseihen und in dunkler Flasche lagern; zur Hautpflege (Aichberger et al., 2012).
-Pflegemittel mit Ringelblume, Augentrost, Hamamelis, Kamille und Rosenwasser zur Reinigung des äusseren Auges (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Pflegemittel mit Ringelblume, Arnika, Eichenrinde, Johanniskraut, Kamille, Lärchenharz, Perubalsam, Rosmarin, Salbei, Thymian, Zaubernuss und Honig; zur Anregung der Regeneration der Haut (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Tierarzneimittel: Fluidextrakte aus Ringelblumenblüten, Kamillenblüten, Salbeiblättern, Hamamelisblättern und Thymol, zur Herstellung einer Lösung; zur lokalen Behandlung von Haut und Schleimhaut bei Wunden, Entzündungen und Ekzemen bei Pferd, Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Huhn, Pute, Ente, Gans, Wachtel, Taube, Kaninchen, Hund und Katze (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Tierarzneimittel: Suspension mit Ringelblume, Eukalyptus, Majoran und Melisse; zur intravaginalen (in 10-20%iger Gebrauchsverdünnung mit warmer Kochsalzlösung oder Trinkwasser) und zur intrauterinen Anwendung (in 1-5%iger Verdünnung) sowie zur lokalen Behandlung von Genitalkatarrhen für Pferd, Rind, Schwein, wie die puerperale und postpuerperale Endometritis beim Rind oder nach künstlicher Besamung beim Pferd (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
 

Hinweise

-Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Ringelblumen (Reichling et al., 2016).
-Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Korbblütengewächse (Aichberger et al., 2012).
-Bei Atopikern nur Zubereitungen der Zungenblüten (Calendulae flos sine calycibus) eingesetzen (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
 

Toxizität

Siehe unter Calendula officinalis.
 

Fertigpräparate

Siehe unter Tierarzneimittel und Veterinärprodukte, Futtermittel & Zusatzstoffe. Die getrocknete, ganze oder geschnittene Droge sowie Extrakte sind in Arzneibuchqualität im Fachhandel erhältlich (Pharmavista, 2019).
 

Gesetzliche Vorschriften, Doping

Rückstandsregelungen

-TAMV: Calendulae flos ist auf der Liste 2/Anhang 2 aufgeführt, darf bei Nutztieren topisch eingesetzt werden, erfordert keinen Rückstandshöchstgehalt.
-European Feed Materials Register (momentan für die Schweiz nicht gültig): Calendula officinalis (Blüten getrocknet, ganz, zerkleinert, gepulvert, Extrakt) ist registriert unter 00941-DE (2010-12-01), 04396-DE (2014-02-08), 02160-EN (2011-06-27), 03562-EN (2013-04-16), 08318-EN (2019-03-26), 08347-EN (2019-03-26) und 08348-IT (2019-03-26).
 

Doping

Calendula officinalis ist keine dopingverdächtige Substanz.
Die Dopingrelevanz von Pflanzen ändert sich kontinuierlich. Die aktuellen Daten zum Pferdesport (FEI) sind ersichtlich unter der Liste der verbotenen Substanzen.
 
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