Anwendungen

Anerkannte tiermedizinische Anwendungen

-Für unspezifische Durchfallerkrankungen (Löscher et al., 2010).
-Als Adstringens bei entzündlichen Hauterkrankungen, um Quellungen im Wundgebiet vorzubeugen und die Schorfbildung zu begünstigen (Riedl-Caspari & Schilcher, 2002).
 

Ethnoveterinärmedizinische Studien

-In einer Übersichtsarbeit zu ethnoveterinärmedizinischen Studien Europas wird die Anwendung der Rinde aber auch von Blättern oder Früchten verschiedener europäischer Eichenarten dokumentiert. Quercus ilex wird hierbei insbesondere im Zusammenhang mit der Behandlung von Durchfallerkrankungen gebracht, wohingegen Quercus pubescens zur Anwendung bei Hauterkrankungen genannt wird (Mayer et al., 2014).
-Bäuerinnen und Bauern der Deutschschweiz und des Tessins verwenden Quercus robur-Rinden-Infus und -Dekokt sowie die Eicheln bei Rindern, Ziegen und Schweinen als Hausmittel für den Verdauungstrakt und Stoffwechsel (Bischoff et al., 2016; Mayer et al., 2017; Mertenat et al., 2019; Stucki et al., 2019).
-Verschiedene ethnoveterinärmedizinischen Studien aus Neuseeland über die Anwendung von gerbstoffhaltigen Futterergänzungsmittel bei Schafen zeigten eine erhöhte Aufnahme von essentiellen Aminosäuren. Dies führte zu besserem Wollwuchs, Milchproduktion und höheren Eiweisswerten in der Milch. Durch die Gerbstoffe scheint der parasitär bedingte Proteinverlust im Magendarmtrakt vermindert und das Immunsystem gestärkt zu werden. Larven werden während der Darmpassage inaktiviert (Aas, 2003).
-Quercus ilex scheint wegen dessen Tanningehaltes als Antidiarrhoikum nützlich zu sein (Mayer et al., 2014).
 

Traditionelle Anwendungen

-Innerlich bei Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (Ayrle et al., 2016).
-Innerlich bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen (Reichling et al., 2016).
-Innerlich bei akuter Magen-Darm-Entzündung und akutem (blutigen) Durchfall (Brendieck-Worm et al., 2015).
-Innerlich bei Durchfallerkrankungen, Magen-Darm-Entzündungen, Magen-Darm-Geschwüren, Magen-Darm-Blutungen (blutiger Stuhl), Uterusblutungen, Bluthusten und Wurmkoliken (Aichberger et al., 2012).
-Innerlich bei unspezifischen Durchfallerkrankungen, Schutz und Stabilisierung der Darmschleimhaut (Daubenmerkl, 2012; Fröhner, 1900).
-Früher auch als Antidot, Stypticum (Fröhner, 1900).
-Äusserlich bei leichten Entzündungen der Maul- und Rachenschleimhaut sowie im Genital- und Analbereich und bei Verbrennungen (Reichling et al., 2016).
-Äusserlich (als Bad, Klistier, Spülung) bei Vaginalausfluss, Hämorrhoiden und Mastdarmvorfall, Afterfisteln, nässende Ekzeme und Wunden, Eiterungen und Geschwüre, Frostbeulen, entzündliche Hauterkrankungen, Verbrennungen und Schleimhautentzündungen (Aichberger et al., 2012).
-Äusserlich (als Spülung) bei Fruchtbarkeitsstörungen, Gebärmutterverhärtungen, Nachgeburtsverhalten und Brunstlosigkeit; bei Hautpilzen, nässenden Hautveränderungen, zur Wundbehandlung, bei eiternden Wunden (Klarer et al., 2013).
-Äusserlich zum Abwaschen von Euter-Schenkel-Ekzemen (Brendieck-Worm et al., 2015; Klarer et al., 2013).
 

Dosierung

Innerliche Anwendung
 Eichenrinde/Tag*
(in g Droge/Tag)
Schweizerische ethnoveterinärmedizinische Dosierung:
Eichenrinde/Tag**
(in g Droge/Tag: Median (Quartile))
Rind25-5070 (25-150)
Pferd15-25-40-5070 (25-150)
Ziege, Schaf5-1010 (5-25)
Schwein5-10 
Hund1-5 
Katze0.2-1 / 1 Messerspitze 
Kaninchen (1-2-5 kg KGW)0.1-0.2-0.4 
Meerschweinchen (1 kg KGW)0.1 
Huhn (1-5 kg KGW)0.2-0.5-1 
Median CH-Ethnovet** (g/kg0.75) 0.5 (0.2-1.1)
KGW = Körpergewicht
kg0.75 = Metabolisches Körpergewicht (MBW): 1 kg KGW ≡ 1 MBW (z.B. Meerschweinchen, Huhn, Kaninchen); 10 kg KGW ≡ 5.6 MBW (z.B. Ferkel, Hund); 70 kg KGW ≡ 24.2 MBW (z.B. Kalb, Ziege, Schaf, Schwein); 700 kg KGW ≡ 136.1 MBW (z.B. Kuh, Pferd)
* (Brendieck-Worm et al., 2015; Reichling et al., 2016)
** (Bischoff et al., 2016; Mayer et al., 2017; Mertenat et al., 2020; Schmid et al., 2012; Stucki et al., 2019)
 

Zubereitung

Innerliche Anwendung
-In Form von Dekokten (1:10), Pulvern, Latwergen und Bissen (Reichling et al., 2016)
-Eichenrindendekokt: Eichenrinde geschnitten im Verhältnis 1:10 mit Wasser 15-30 Minuten kochen und abseihen. Diesen Dekokt am Besten mit Elektrolyten vermischt verabreichen. Zur Erhöhung des Energiegehalts kann Kastanienmehl dazu gegeben werden (Aichberger et al., 2012; Brendieck-Worm et al., 2015; Klarer et al., 2013).
-Eichenrindendekokt mit Kamille: 50 g Eichenrindenpulver, 50 g Kamillenblüten und 400 ml Wasser aufkochen und zugedeckt ziehen lassen. Für Kühe und Kälber mit Magen-Darm-Erkrankungen (Brendieck-Worm et al., 2015).
-Eichenrindenpulver: kann direkt unter das Futter gemischt werden oder in Latwergen, Bissen und Pillen eingearbeitet verabreicht werden (Brendieck-Worm et al., 2015).
-Bewährte Rezeptur: 75 g Eichenrindenpulver, 50 g Kochsalz, 50 g Natron (Natriumbicarbonat, Speisesoda), 50 g Wermutkraut (pulverisiert) zu einem Pulver mischen und morgens und abends 2 Esslöffel mit dem Futter. Für Kühe mit akuter Darmentzündung (Brendieck-Worm et al., 2015).
 
Äusserliche Anwendung
-In Form eines Dekoktes (1:10 bis 1:50) für Spülungen (Reichling et al., 2016).
-Ein etwas stärkerer Infus (1:5) bei Verbrennungen (Reichling et al., 2016).
-V.a. bei entzündlichen Hauterkrankungen in Form von Spülungen und Umschlägen: 2 Esslöffel zerkleinerte Rinde und 500 ml Wasser 15-20 Minuten kochen lassen (Aichberger et al., 2012).
 

Behandlungsdauer

-Innerlich: nicht länger als 3-4 Tage.
-Äusserlich: nicht länger als 2-3 Wochen (Wichtl, 2009).
 

Hinweise

-Bei Überdosierung der Droge und hohen Konzentrationen von Tanninen (Gerbstoffen) kann es zu starken Hautreizungen, Leber- und Nierenschäden, Gastroenteritis, Eieranomalien bei Enten und Reduktion der Milchleistung bei laktierenden Kühen kommen (Brendieck-Worm et al., 2015; Reichling et al., 2016)
-Darf nicht über längere Zeit eingesetzt werden, da sie die Darmwand für Nährstoffe wie Eiweiss und Eisen undurchlässig macht (Brendieck-Worm et al., 2015).
-Es gibt keine Erfahrungsberichte zu trächtigen und laktierenden Tieren (Reichling et al., 2016)
 

Toxizität

Siehe Quercus sp.
 

Verfügbarkeit

Siehe unter Fertigpräparate und -produkte; die getrocknete und pulverisierte Droge sowie Extrakte sind in Arzneibuchqualität im Fachhandel erhältlich (Pharmavista, 2018).
 

Gesetzliche Vorschriften, Doping

Rückstandsregelungen

-TAMV: Quercus cortex ist auf der Liste 2/Anhang 2 aufgeführt, darf bei Nutztieren als Wirkstoff eingesetzt werden, erfordert keinen Rückstandshöchstgehalt.
-FMBV: Die Verfütterung von gereinigten und getrockneten Rinden an lebensmittelliefernde Tiere ist laut der Futtermittelbuch-Verordnung, Anhang 1.4, erlaubt.
-European Feed Materials Register (momentan für die Schweiz nicht gültig): ist in der EU als Einzelfuttermittel registriert unter 03614-EN (2013-04-17).
 

Doping

Die Eichenrinde ist keine dopingverdächtige Substanz.
Die Dopingrelevanz von Pflanzen ändert sich kontinuierlich. Die aktuellen Daten zum Pferdesport (FEI) sind ersichtlich unter der Liste der verbotenen Substanzen.
 
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