Zirkadianer Rhythmus
Die Pharmakokinetik von Ceftriaxon unterliegt den Einflüssen des zirkadianen Rhythmus (
Rebuelto 2003a;
Lutsar 1997a). Bei Ratten, die 100 mg/kg Ceftriaxon intraperitoneal entweder um 04:00, 10:00, 16:00 oder 22:00 Uhr erhielten, war eine zeitabhängige Pharmakokinetik gut erkennbar: die Clearence war in der Nacht am höchsten und die Halbwertszeit demzufolge am kürzesten. Die Unterschiede entstehen vor allem durch eine verstärkte Exkretion während der aktiven Phase der Ratten, welche in der Nacht stattfindet. Bei einer einmaligen Applikation pro Tag kann dieser Effekt unter Umständen zu einem schlechteren Therapieergebnis führen, vor allem wenn die Erreger eine niedrige Empfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff aufweisen (
Rebuelto 2003a).
Verteilung
Cerebrospinalflüssigkeit (CSF)
In der CSF werden, vor allem bei Meningitis, hohe Spiegel erreicht (
Plumb 2002a;
Marchou 1981a). Bei Hunden konnten 1,5 - 4 h nach einer einstündigen intravenösen Infusion von 50 bzw. 100 mg/kg Ceftriaxon hohe Konzentrationen von 0,37 bzw. 1,22 μg/ml in der CSF gemessen werden. Die höhere Dosierung erreichte demzufolge in der CSF Konzentrationen, die 10 - 100-mal über der MIC von wichtigen Meningitiserregern wie Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae lag. Bei Hunden mit entzündeten Meningen wurden 1 - 4 h nach Injektion von 50 mg/kg CSF-Konzentrationen von 13 μg/ml gefunden, so dass die MIC auch für Coliforme und Serratia marcescens mindestens 10-mal überschritten war (
Marchou 1981a). Die Penetration von Ceftriaxon in die CSF betrug je nach Dosierung und Durchlässigkeit der Hirnhäute etwa 0,5% (
Granero 1995a) bis 6 - 15% (
Lutsar 1997a).
Die Eliminationshalbwertszeit von Ceftriaxon in der CSF entspricht derjenigen im Plasma (
Granero 1995a).
Fünf gesunde Pferde, die 50 mg/kg Ceftriaxon intravenös erhielten, wiesen in der CSF eine Konzentration von 0,60 μg/ml nach 3 h und von 0,4 μg/ml nach 8 h auf (
Ringger 1996a).
Verteilung in Plazenta und Euter
Ceftriaxon überwindet die Plazentaschranke (
Plumb 2002a) und geringe Mengen sind auch in der Milch nachweisbar (
Plumb 2002a;
Ismail 2005a). Die Konzentration in der Milch und im Eutergewebe ist aufgrund von veränderten pH-Verhältnissen und einer durchlässigen Blut-Milch-Schranke bei Mastitiden erhöht (
Ismail 2005a).
Verteilung in Brandblasen
Ceftriaxon penetriert gut und in hohen Konzentrationen in Brandblasen bei Menschen; dies konnte bei einem Versuch an Probanden gezeigt werden, welchen durch ein Kanthariden-Pflaster, experimentell Blasen zugefügt wurde. Nach intravenöser Applikation von 0,5 g Ceftriaxon wurden innert 6 h maximale Konzentrationen von 32,7 μg/ml in der Brandblasenflüssigkeit gemessen (
Wise 1983a).
Elimination
Ceftriaxon wird über die Nieren und zu einem kleineren Teil auch biliär ausgeschieden (
Plumb 2002a); etwa 25% des applizierten Wirkstoffes wird über die Galle ausgeschieden (
Molavi 1991a). Die biliäre Elimination betrug bei Ratten innert 24 h 32% (
Matsui 1984a), bei Mäusen etwa 11% (
van Ogtrop 1991a) bei Hunden 62,5% und bei Affen 29,3% (
Matsui 1984a).
Bei Kälbern, die 10 mg/kg Ceftriaxon intravenös erhielten, waren nach 24 h rund 41% des Wirkstoffes im Harn ausgeschieden (
Johal 1999a), bei Büffelkälbern war die renale Elimination mit 45% etwa gleich (
Dardi 2004a).
Bei Menschen, die an renaler und teilweise zusätzlich hepatischer Dysfunktion leiden, ist die Eliminationshalbwertszeit oft verlängert, wobei es starke individuelle Unterschiede gibt, deren Ursache oft multifaktoriell sind; unter anderem sind sie abhängig vom Ausmass der akuten Erkrankung oder der Urämie, welche ihrerseits wieder einen Einfluss auf die Leberfunktion hat. Bei verminderter Creatinin-Clearence wird empfohlen, die Dosis und/oder das Therapieintervall anzupassen, um eine Wirkstoffakkumulation zu verhindern (
Morgan 2000a).
Bioverfügbarkeit
Wirkspiegel
Maximale Plasmakonzentration
Zeitpunkt der maximalen Plasmakonzentration
Eliminationshalbwertszeit
| Hund: | nach i.v. 20 mg/kg: 50,7 min (Matsui 1984a) |
| nach i.v. 50 mg/kg: 0,88 h (Rebuelto 2002a) |
| nach i.m. 50 mg/kg: 1,17 h (Rebuelto 2002a) |
| nach s.c. 50 mg/kg: 1,73 h (Rebuelto 2002a) |
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| Pferd: | nach i.v. 50 mg/kg: 1,62 h (Ringger 1996a) |
| nach i.v. 14 mg/kg: 0,81 h (Gardner 1994a) |
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| Fohlen: | nach i.v. 25 mg/kg: 3,25 h (Ringger 1998a) |
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| Kalb: | 84 min (Vaden 2001a) |
| nach i.v. 10 mg/kg: 4,39 h (Johal 1999a) |
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| Büffelkalb: | 3,79 h (Dardi 2004a) |
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| Schaf: | 1,7 h (Tanyildizi 2004a) |
| nach i.v. 47 mg/kg: 1,73 h (Guerrini 1985b) |
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| Ziege: | nach i.m. 20 mg/kg: 1,65 h (Ismail 2005a) |
| nach i.v. 20 mg/kg: 1,44 h (Ismail 2005a) |
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| Affen: | nach i.v. 20 mg/kg: 3,4 h (Matsui 1984a) |
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| Ratten: | nach i.v. 20 mg/kg: 34 min (Matsui 1984a) |
Verteilungsvolumen
| Hund: | 0,24 l/kg (Matsui 1984a) |
| 0,27 l/kg (Rebuelto 2002a) |
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| Pferd: | nach i.v. 50 mg/kg: 0,33 l/kg (Ringger 1996a) |
| nach i.v. 14 mg/kg: 0,15 l/kg (Gardner 1994a) |
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| Fohlen: | 1,61 l/kg (Ringger 1998a) |
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| Schaf: | nach i.v. 47 mg/kg: 0,3 l/kg (Guerrini 1985b) |
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| Ziege: | 0,37 l/kg (Ismail 2005a) |
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| Kalb: | 0,69 l/kg (Johal 1999a) |
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| Büffelkalb: | 1,4 l/kg (Dardi 2004a) |
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| Affe: | 0,08 l/kg (Matsui 1984a) |
Plasmaproteinbindung
Clearance
| Hund: | 3,9 ml/kg/min (Matsui 1984a) |
| 3,6 ml/kg/min (Rebuelto 2002a) |
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| Pferd: | 5,21 ml/kg/min (Ringger 1996a) |
| nach i.v. 14 mg/kg: 2,81 ml/kg/min (Gardner 1994a) |
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| Fohlen: | 9,58 ml/kg/min (Ringger 1998a) |
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| Schafe: | nach i.v. 47 mg/kg: 3,7 ml/kg/min (Guerrini 1985b) |
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| Ziege: | 3,95 ml/kg/min (Ismail 2005a) |
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| Kalb: | 5,2 ml/kg/min (Johal 1999a) |
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| Büffelkalb: | 4,3 ml/kg/min (Dardi 2004a) |
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| Affe: | 0,17 ml/kg/min (Matsui 1984a) |