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Lokale Nebenwirkungen

Injektionsschmerz

Da die i.m. Injektion von Thiamphenicol (TAM), welches in 40% Glyzerolformal gelöst ist, bei Ziegen mit starken Schmerzen an der Einstichstelle verbunden ist, wird dieser Applikationsweg in diesem Fall nicht empfohlen (Lavy 1991b).
 

Systemische Nebenwirkungen

Knochenmark

TAM ist wie Chloramphenicol in der Lage eine reversible dosisabhängige Knochenmarksuppression auszulösen (Yunis 1973a; Yunis 1973b). Diese betrifft hauptsächlich die erythroiden Zellreihen. Die Ursache könnte eine Hemmung der mitochondrialen Proteinsynthese sein (Yunis 1973a).
 
In einer Studie mit Kaninchen führte die in-vivo Verabreichung von TAM zu einer Abnahme der Aktivität der Cytochrom-C-Oxidase in Knochenmarkzellen. Die Abnahme war progressiv und nach 7 Tage blieben nur noch 20% der ursprünglichen Aktivität übrig. Als TAM nicht mehr im Blut vorhanden war (24 Stunden nach der letzten Dosis), konnte wieder eine schnelle Zunahme der Aktivität feststellt werden. Innert 24 Stunden erreichte die Aktivität 70% des initialen Wertes (Nijhof 1979a).
 

Erythrozyten / Leukozyten

Die in-vitro Wirkung von Chloramphenicol, TAM und Florfenicol auf die Phagozytose sowie Morphologie von bovinen Neutrophilen wurde untersucht. Die Neutrophilen stammten aus dem Euter von laktierenden Rindern. 14 Stunden nach der intramammären Inokulation von Escherichia  coli-Endotoxin wurde die Milch untersucht. Florfenicol und TAM änderten die Wirkung der Neutrophilen nicht, jedoch ihre Morphologie; dies aber weniger stark als Chloramphenicol. Florfenicol und TAM hatten in den getesteten Konzentrationen keinen Effekt auf die Phagozytose. Je höher die Wirkstoffkonzentration war, desto weniger normale Neutrophile waren vorhanden; hingegen wurden Zytoplasmavakuolen bei jeder Konzentration beobachtet und je niedriger die Florfenicol-Konzentration war, desto weniger Neutrophile mit Zytoplasmavakuolen wurden beobachtet. Bei hohen Florfenicol-Konzentrationen kam es an der Oberfläche der Neutrophilen zu Zytoplasma-Vesikelbildung, was eine üblich vorkommende Abnormalität darstellt. Mit TAM konnte das gleiche Phänomen beobachtet werden. Mit hohen Konzentrationen aller 3 Antibiotika konnte eine Kondensierung der zytoplasmatischen Granula in den Neutrophilen nachgewiesen werden (Paape 1990a).
 
Im Gegensatz zu Beobachtungen beim Menschen wurde bei Kaninchen keine erhebliche Suppression der physiologischen und stimulierten Erythropoese nach einer Verabreichung vergleichbarer Dosen beobachtet (Kaltwasser 1974a).
 
Ratten, welche p.o. 45 mg/kg und höhere Dosierungen erhielten, wiesen eine herabgesetzte Zahl der Erythrozyten und weissen Blutzellen auf. Diese Veränderungen waren z.T. nach 8 Wochen reversibel (EMEA 1997k).
 

Gastrointestinaltrakt

Bei Schweinen kommt es nach der p.o. Verabreichung von 50 mg/kg oder höheren Dosen zu einer reduzierten Gewichtszunahme und Futteraufnahme (EMEA 1997k).
 
Bei Kaninchen sind Durchfall und Gewichtsverlust möglich (Kaltwasser 1974a).
 

Harntrakt

Die p.o. Verabreichung von 25 mg/kg kann bei Schweinen den Harn-pH vermindern (EMEA 1997k).
 

ZNS: Schlafrhythmus

In einer Studie wurde gezeigt, dass TAM im Gegensatz zu Chloramphenicol den Schlaf von Mäusen nicht beeinflusst (Yunis 1984a).
 

Mensch

Knochenmark

Gemäss verschiedenen Autoren ist TAM trotz des weitverbreiteten Einsatzes in der Humanmedizin (Sams 1995b; Adams 1987b), nicht mit dem Auftreten einer aplastischen Anämie assoziiert (Settepani 1984a; Yunis 1973b; Yunis 1988a; Keiser 1974a; Cornet 1974a; Fuglesang 1982a; Settepani 1984a; Beck 1975a; Yunis 1973a; Nijhof 1979a). Über 65 Millionen Menschen (Erwachsene und Kinder) wurden in Europa, Japan und Südamerika mit TAM behandelt und gewissen Autoren zufolge gab es keinen einzigen Fall von aplastischer Anämie (Varma 1986a; Najean 1981a). Andere Autoren, hingegen, berichten über das Vorkommen von Fällen von aplastischer Anämie bei Patienten, welche mit TAM behandelt wurden (Roussy 1978a). In einer Arbeit wird sogar über 2 Todesfälle durch aplastische Anämie nach einer TAM-Therapie berichtet (Sotto 1976a).
 
Es wird angenommen, dass die aplastische Anämie durch einen Bruch des DNA-Stranges, verursacht durch die Nitro-Gruppe des Chloramphenicols, ausgelöst wird; TAM und Florfenicol besitzen keine Nitro-Gruppe (Sams 1995b).
 
Die durch eine Hemmung der mitochondrialen Proteinsynthese auftretende dosisabhängige reversible Knochenmarksuppression ist eine Nebenwirkung des TAM (Yunis 1974a; Keiser 1974a; Mengozzi 2002a; Yunis 1973a). Allgemein wird TAM für weniger toxisch als Chloramphenicol gehalten (Papich 2001a; Sutter 1976a).
 
TAM bewirkt auch eine Suppression der Ferrochelatase-Aktivität und eine Blockierung der Hämsynthese (Yunis 1974a). In einer Studie wurden 1,5 g/Tag TAM für 10 Tage verabreicht. Es kam zu einer dosisabhängigen, reversiblen Depression der Erythropoese. Diese Nebenwirkung trat v.a. bei Patienten, die über 60 Jahre alt waren sowie bei Niereninsuffizienzen auf (Keiser 1974a).
 

Gastrointestinaltrakt

Übelkeit, Appetitverlust, Brechreiz, Erbrechen, Durchfall, Glossitis, Stomatitis und Geschmacksstörungen sind möglich aber selten (Morant 2005a).
 

ZNS

Selten kann eine Neuritis des Nervus opticus nach der Gabe hoher TAM-Dosen auftreten. Sehr selten sind Kopfschmerzen, Depression, Verwirrung und Delirium (Morant 2005a).
 

Immunsystem

TAM weist im Gegensatz zu Chloramphenicol zusätzlich zur Hämatotoxizität eine immunsuppressive Wirkung auf (Dubach 1974a).
 
Ein Bericht existiert über einen Patienten mit einer Kreuzreaktion zwischen Chloramphenicol und Azidamphenicol, die zu einer allergischen Kontaktdermatitis führte. Die Autoren vermuten zudem eine Kreuzreaktion zwischen Chloramphenicol und seinen synthetischen Derivaten, wie z.B. TAM (Le Coz 1998a).
 
Das Auftreten allergischer Reaktionen wie Ekzem, Urtikaria und Juckreiz sind möglich und können von Fieber begleitet sein (Morant 2005a).
© {{ new Date().getFullYear() }} - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie

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