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Eigenschaften

Thiamphenicol (TAM) ist ein semi-synthetisches (Dowling 2006a) Breitbandantibiotikum (Mengozzi 2002a; Castells 2001a; EMEA 1992a), welches primär bakteriostatisch (EMEA 1997k; Dowling 2006a) wirkt, wobei eine bakterizide Wirkung (Keiser 1974a; Yunis 1973a) in höheren Konzentrationen möglich ist (Ravizzola 1984a). TAM ist weniger potent als Chloramphenicol und Florfenicol (Cannon 1990a).
 

Wirkungsort / Wirkungsmechanismus

Chloramphenicol, Thiamphenicol (TAM) und Florfenicol besitzen aufgrund der strukturellen Ähnlichkeiten den gleichen Wirkmechanismus (Sams 1995b; Fuglesang 1982a). TAM bindet an der bakteriellen 50S-Ribosomenuntereinheit und blockiert damit die Pepidyltransferase; folglich ist die Proteinsynthese gehemmt (EMEA 1997k; Ravizzola 1984a). Wie Chloramphenicol ist TAM auch ein potenter Hemmer der mitochondrialen Proteinsynthese (Yunis 1973a). Für weitere Informationen siehe auch unter Chloramphenicol.
 

Wirkspektrum

Das Wirkspektrum des Thiamphenicols (TAM) ist ähnlich wie dasjenige des Chloramphenicols (Papich 2001a; Dowling 2006a; Yunis 1988a; Finegold 1984a; Bonanomi 1977a). TAM ist wirksam gegen gramnegative und grampositive Bakterien (Ravizzola 1984a), insbesondere gegen anaerobe Bakterien (Castells 2001a). TAM und Chloramphenicol sind gegen gramnegative und grampositive Bakterien weniger wirksam als Florfenicol (Graham 1988a; Beers 1975a), insbesondere gegen Enterobacteriaceae (Beers 1975a). Im Allgemeinen ist TAM 1 - 2-mal weniger wirksam als Chloramphenicol, aber gleich wirksam gegen Haemophilus (Dowling 2006a), u.a. Haemophilus influenzae (O'Grady 1980a), Bacillus fragilis, Streptococci (Dowling 2006a), u.a. Streptococcus pneumoniae und Staphylococcus pyogenes (O'Grady 1980a). Gegen Bacillus anthracis, Staphylococcus aureus und Listeria ist TAM nur etwas weniger wirksam als Chloramphenicol (Ravizzola 1984a). Beim Vergleich der Aktivität von Chloramphenicol und TAM gegen Staphylococci und Enterococci ist Chloramphenicol 2 - 4-mal wirksamer gegen Staphylococci, aber nicht besser wirksam gegen Enterococci (Kayser 1974a).
 
Eine andere Studie zeigte, dass TAM eine ähnliche Wirksamkeit wie Chloramphenicol besitzt, mit vergleichbaren MIC-Werten gegen Bakterien wie Haemophilus influenzae, Salmonella spp., E. coli, Staphylococcus spp. und Streptococcus spp. (Ravizzola 1984a).
 
Die in-vitro Wirksamkeit des TAM gegen pathogene Bakterien ist grösser als diejenige seiner Strukturanalogen. Zusätzlich ist TAM wirksam gegen gewisse Bakterien, welche chloramphenicolresistent sind (Yunis 1973a).
 

MIC

Thiamphenicol (TAM) besitzt ähnliche MIC-Werte wie Chloramphenicol gegen Bakterien wie Streptococcus faecalis, Pasteurella spp. und Brucella, hingegen weist der Wirkstoff tiefere Werte gegen Neisseria meningitidis und Streptococcus viridans auf (Beers 1975a).
 

Übersicht MIC50 und MIC90 verschiedener Bakterien:

Keim (Herkunft)MIC50 [µg/ml]MIC90 [µg/ml]Referenz
Actinobacillus pleuropneumoniae (Schwein)0,39100(Yoshimura 2002a)
Aeromonas hydrophila1,5650(Ho 2000a)
Arcanobacterium pyogenes (Rind)1,561,56(Yoshimura 2000a)
A. pyogenes (Schwein)1,56-(Yoshimura 2000a)
Edwardsiella tarda> 100> 100(Ho 2000a)
Klebsiella spp.100> 100(Ho 2000a)
Pasteurella multocida (Rind)0,780,78(Yoshimura 2001a)
P. multocida (Schwein)0,7850(Yoshimura 2001a)
Pseudomonas fluoresences100> 100(Ho 2000a)
Streptococcus spp.12,5100(Ho 2000a)
Vibrio spp.12,5100(Ho 2000a)
 
"-": Keine Angaben
 

MIC empfindlicher Bakterien:

Keim (Herkunft)MIC [µg/ml]Referenz
Bordetella spp.2(Castells 1998a)
Escherichia coli4(Castells 1998a)
E. coli32(O'Grady 1980a)
Haemophilus spp.0,4(Castells 1998a)
Mycoplasma hyopneumoniae (Schwein)0,1 - 1,56(Inamoto 1994a)
Neisseria meningitidis0,5(O'Grady 1980a)
Photobacterium damsela var. piscicida5(Castells 2000a)
Salmonella typhi8(O'Grady 1980a)
Staphylococcus spp.2 - 5(Castells 1998a)
S. aureus8(O'Grady 1980a)
S. pyogenes1(O'Grady 1980a)
Streptococcus spp.3(Castells 1998a)
S. pneumoniae2(O'Grady 1980a)
Vibrio anguillarum2,5(Castells 2000a)
 

Resistenzen

Chloramphenicolazetyltransferase (CAT)

Der Resistenzmechanismus der gramnegativen Bakterien, exklusive Pseudomonas aeruginosa, beruht auf der Synthese einer Azetyltransferase. Dieses Enzym wandelt Thiamphenicol (TAM) in inaktive Diazetylderivate um (Morant 2005a). Die CAT katalysiert die Azetylierung von Chloramphenicol oder TAM mit dem Azetylkoenzym A an der Hydroxyl-Gruppe des 3'C-Atoms (Neu 1980a; Syriopoulou 1981a). Durch die Azetylierung, welche beim TAM langsamer erfolgt (Dettli 1974a), wird die Interaktion mit den bakteriellen Ribosomen verhindert und ihre antibiotische Wirkung aufgehoben (Sams 1995b). Die Affinität des Enzyms Azetyltransferase scheint für TAM etwa halb so gross wie für Chloramphenicol zu sein (Dettli 1974a).
 
Berichte bezüglich Kreuzresistenzen zwischen TAM und Chloramphenicol sind vorhanden; jedoch sind gewisse chloramphenicolresistente Stämme empfindlich gegen TAM (EMEA 1997k). Thiamphenicolresistente Keime sind meist auch gegen Streptomycin, Sulfonamide und Tetracycline resistent (Morant 2005a).
 

Membranpermeabilität

Die TAM-Resistenz kann sich auch in Form einer Veränderung der bakteriellen Zellwandpermeabilität manifestieren (Ravizzola 1984a). Dies ist zum Beispiel bei Pseudomonas aeruginosa der Fall, wo ein enzymunabhängiger Resistenzmechanismus die Membranpermeabilität gegenüber dem Antibiotikum verändert (Morant 2005a). Für weitere Informationen siehe unter Chloramphenicol.
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