Wirkungsort / Wirkungsmechanismus
Chloramphenicol, Thiamphenicol (TAM) und Florfenicol besitzen aufgrund der strukturellen Ähnlichkeiten den gleichen Wirkmechanismus (
Sams 1995b;
Fuglesang 1982a). TAM bindet an der bakteriellen 50S-Ribosomenuntereinheit und blockiert damit die Pepidyltransferase; folglich ist die Proteinsynthese gehemmt (
EMEA 1997k;
Ravizzola 1984a). Wie Chloramphenicol ist TAM auch ein potenter Hemmer der mitochondrialen Proteinsynthese (
Yunis 1973a). Für weitere Informationen siehe auch unter
Chloramphenicol.
Wirkspektrum
Das Wirkspektrum des Thiamphenicols (TAM) ist ähnlich wie dasjenige des
Chloramphenicols (
Papich 2001a;
Dowling 2006a;
Yunis 1988a;
Finegold 1984a;
Bonanomi 1977a). TAM ist wirksam gegen gramnegative und grampositive Bakterien (
Ravizzola 1984a), insbesondere gegen anaerobe Bakterien (
Castells 2001a). TAM und Chloramphenicol sind gegen gramnegative und grampositive Bakterien weniger wirksam als
Florfenicol (
Graham 1988a;
Beers 1975a), insbesondere gegen Enterobacteriaceae (
Beers 1975a). Im Allgemeinen ist TAM 1 - 2-mal weniger wirksam als Chloramphenicol, aber gleich wirksam gegen Haemophilus (
Dowling 2006a), u.a. Haemophilus influenzae (
O'Grady 1980a), Bacillus fragilis, Streptococci (
Dowling 2006a), u.a. Streptococcus pneumoniae und Staphylococcus pyogenes (
O'Grady 1980a). Gegen Bacillus anthracis, Staphylococcus aureus und Listeria ist TAM nur etwas weniger wirksam als Chloramphenicol (
Ravizzola 1984a). Beim Vergleich der Aktivität von Chloramphenicol und TAM gegen Staphylococci und Enterococci ist Chloramphenicol 2 - 4-mal wirksamer gegen Staphylococci, aber nicht besser wirksam gegen Enterococci (
Kayser 1974a).
Eine andere Studie zeigte, dass TAM eine ähnliche Wirksamkeit wie Chloramphenicol besitzt, mit vergleichbaren MIC-Werten gegen Bakterien wie Haemophilus influenzae, Salmonella spp., E. coli, Staphylococcus spp. und Streptococcus spp. (
Ravizzola 1984a).
Die
in-vitro Wirksamkeit des TAM gegen pathogene Bakterien ist grösser als diejenige seiner Strukturanalogen. Zusätzlich ist TAM wirksam gegen gewisse Bakterien, welche chloramphenicolresistent sind (
Yunis 1973a).
MIC
Thiamphenicol (TAM) besitzt ähnliche MIC-Werte wie
Chloramphenicol gegen Bakterien wie Streptococcus faecalis, Pasteurella spp. und Brucella, hingegen weist der Wirkstoff tiefere Werte gegen Neisseria meningitidis und Streptococcus viridans auf (
Beers 1975a).
Übersicht MIC50 und MIC90 verschiedener Bakterien:
| Keim (Herkunft) | MIC50 [µg/ml] | MIC90 [µg/ml] | Referenz |
| Actinobacillus pleuropneumoniae (Schwein) | 0,39 | 100 | (Yoshimura 2002a) |
| Aeromonas hydrophila | 1,56 | 50 | (Ho 2000a) |
| Arcanobacterium pyogenes (Rind) | 1,56 | 1,56 | (Yoshimura 2000a) |
| A. pyogenes (Schwein) | 1,56 | - | (Yoshimura 2000a) |
| Edwardsiella tarda | > 100 | > 100 | (Ho 2000a) |
| Klebsiella spp. | 100 | > 100 | (Ho 2000a) |
| Pasteurella multocida (Rind) | 0,78 | 0,78 | (Yoshimura 2001a) |
| P. multocida (Schwein) | 0,78 | 50 | (Yoshimura 2001a) |
| Pseudomonas fluoresences | 100 | > 100 | (Ho 2000a) |
| Streptococcus spp. | 12,5 | 100 | (Ho 2000a) |
| Vibrio spp. | 12,5 | 100 | (Ho 2000a) |
"-": Keine Angaben
MIC empfindlicher Bakterien:
Resistenzen
Chloramphenicolazetyltransferase (CAT)
Der Resistenzmechanismus der gramnegativen Bakterien, exklusive Pseudomonas aeruginosa, beruht auf der Synthese einer Azetyltransferase. Dieses Enzym wandelt Thiamphenicol (TAM) in inaktive Diazetylderivate um (
Morant 2005a). Die CAT katalysiert die Azetylierung von
Chloramphenicol oder TAM mit dem Azetylkoenzym A an der Hydroxyl-Gruppe des 3'C-Atoms (
Neu 1980a;
Syriopoulou 1981a). Durch die Azetylierung, welche beim TAM langsamer erfolgt (
Dettli 1974a), wird die Interaktion mit den bakteriellen Ribosomen verhindert und ihre antibiotische Wirkung aufgehoben (
Sams 1995b). Die Affinität des Enzyms Azetyltransferase scheint für TAM etwa halb so gross wie für Chloramphenicol zu sein (
Dettli 1974a).
Berichte bezüglich Kreuzresistenzen zwischen TAM und
Chloramphenicol sind vorhanden; jedoch sind gewisse chloramphenicolresistente Stämme empfindlich gegen TAM (
EMEA 1997k). Thiamphenicolresistente Keime sind meist auch gegen
Streptomycin,
Sulfonamide und
Tetracycline resistent (
Morant 2005a).
Membranpermeabilität
Die TAM-Resistenz kann sich auch in Form einer Veränderung der bakteriellen Zellwandpermeabilität manifestieren (
Ravizzola 1984a). Dies ist zum Beispiel bei Pseudomonas aeruginosa der Fall, wo ein enzymunabhängiger Resistenzmechanismus die Membranpermeabilität gegenüber dem Antibiotikum verändert (
Morant 2005a). Für weitere Informationen siehe unter
Chloramphenicol.