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Hund
Während Bromide aufgrund ihrer geringen therapeutischen Breite in der Humanmedizin durch neuere Substanzen verdrängt wurden, werden Bromide in der Veterinärmedizin auch heute noch, vor allem beim Hund angewendet (Plumb 2011a; Podell 2013a; Dewey 2006a).
Zusatztherapie zu Phenobarbital
Kaliumbromid wird insbesondere als Zusatzmedikation eingesetzt, wenn mit Phenobarbital oder Primidon (dieses wird im Organismus zu Phenobarbital abgebaut) bei schwierig therapierbaren Epilepsieformen keine zufriedenstellende Anfallskontrolle erzielt wird (Ammer 2010a; Thomas 2000a; Plumb 2011a; Allen 1993a; Boothe 2012a; Hsu 2008a). Dabei sind die besten therapeutischen Resultate bei reinen generalisierten, tonisch-klonischen Anfällen, dem Grand-mal-Anfall zu sehen. Gemischte und tonische Anfälle sprechen weniger oder gar nicht darauf an (Schwartz-Porsche 1991a). Verabreicht man den Wirkstoff zusätzlich, kann die Phenobarbital-Dosis gesenkt werden, was das Risiko einer Hepatotoxizität und anderer unerwünschten Wirkungen von Barbituraten senkt (Podell 1998a).
In einem retrospektiven Versuch wurden 122 Hunde mit Epilepsie erfasst. Hunde unter einer Kombinationstherapie mit Brom und Phenobarbital zeigten eine Verbesserung der Anfallskontrolle (≥ 50%ige Reduzierung der Anfallsfrequenz nach Einführung des Broms). Die Patienten hatten dabei eine mittlere Serumbromid-Konzentration von 1600 μg/ml. Bei 19% dieser Hunde konnte das Barbiturat sogar ganz abgesetzt werden. Dies zeigt auf, dass Hunde, die mit Brom und Phenobarbital behandelt werden, eine Serumbromid-Konzentration von 810 - 2400 μg/ml erreichen müssen. Eine angemessene Phenobarbital-Serumkonzentration beträgt dabei 9 - 36 μg/ml (Trepanier 1998a). Möchte man Phenobarbital absetzen, so sollte die Bromidserumkonzentration 2000 μg/ml betragen (Trepanier 2000a).
In einer Studie wurde Hunden, welche über einen Zeitraum von 8 bis 79 Monaten erfolglos mit Phenobarbital und/oder Primidon behandelt wurden, zusätzlich Kaliumbromid in Dosierungen von 17 bis 58 mg/kg/Tag über 7 bis 61 Monate verabreicht. Dabei wurden 4 von 19 Tieren anfallsfrei, 7 zeigten eine Anfallsreduktion von > 50%, bei 2 gingen die Anfälle, nicht aber die Anfallstage, um > 50% zurück. Bei den restlichen 6 Patienten war kein Therapieerfolg zu erzielen. Der therapeutische Bereich der Serumkonzentration lag dabei zwischen 0,7 bis 2,0 mg/ml (Schwartz-Porsche 1991a).
Bei Hunden, welche mindestens 4 Monate lang Phenobarbital erhielten und die Serumphenobarbitalkonzentration im Mittel bei 37,8 μg/ml lag, wurde aufgrund wiederkehrender epileptischer Anfälle Bromid zusätzlich eingesetzt, und zwar initial in einer Dosierung von 10 mg/kg, p.o. 2 × täglich. Die Dosierung wurde weiter erhöht, bis eine Serumbromidkonzentration zwischen 100 bis 200 mg/dl erreicht war. Insgesamt sah man bei der Polytherapie mit Phenobarbital und Bromid eine Abnahme der Anfallshäufigkeit bei 83% der Patienten. Zudem kam es zu einer Abnahme der Anfallsintensität bei 65% und einem Wechsel zu weniger gravierenden Anfallstypen bei 22% der Tiere; gänzlich anfallsfrei wurden 26% der Hunde (Podell 1993a).
Monotherapie
Zur Monotherapie eignet sich Kaliumbromid vor allem bei Hunden mit einer nur niedriger Anfallsfrequenz, da bis zur vollen Wirksamkeit 60 Tage vergehen und in dieser Zeit noch mit Anfällen zu rechnen ist (Schwartz-Porsche 1991a). Ausserdem wird bei einer gleichzeitig vorliegenden Lebererkrankung einer Monotherapie den Vorzug gegeben (Trepanier 2000a). Davon wird jedoch von einigen Autoren aufgrund der schlechten Steuerbarkeit, der geringen therapeutischen Breite und der damit verbundenen Vergiftungsgefahr, abgeraten (Löscher 2010a; Ammer 2010a).
Katze
Bei der Katze wird das Medikament dann eingesetzt, wenn Phenobarbital zu keiner zufriedenstellenden Anfallskontrolle, oder zu idiosynkratischen Reaktionen wie z.B. Neutropenie, führt (Platt 2001a). Jedoch wird die Anwendung von Kaliumbromid aufgrund der häufig auftretenden allergischen Pneumonitiden und den damit verbundenen, mitunter lebensbedrohlichen, asthmatischen Reaktionen, von vielen Autoren gänzlich abgelehnt (Hsu 2008a; Ammer 2010a; Thomas 2010a; Vernaud 2008a; Plumb 2011a). Ausserdem ist das Antiepileptikum bei dieser Tierart nicht besonders wirksam (Smith Bailey 2009a; Boothe 2002b).
Pferd
Der Wirkstoff kann beim Pferd dann eingesetzt werden, wenn die Anfälle mit Phenobarbital nicht zufriedenstellend unter Kontrolle zu bringen sind (Dowling 2004a).
Vogel
Der Einsatz von Kaliumbromid bei einem Afrikanischen Graupapagei blieb erfolglos. Das Medikament wurde durch andere Antiepileptika ersetzt, da es schwierig war, bei dieser Spezies adäquate Serumkonzentrationen zu erreichen. Dahingegen wurde Kaliumbromid erfolgreich bei einem Weisshaubenkakadu angewendet (Beaufrère 2011a).