Klauenabszesse entstehen, wenn Bakterien zwischen Hornschicht und Lederhaut eindringen können (aszendierende Infektion mit anschliessender flächenhafter Ausbreitung). Das ist unter anderem bei Rissen im Bereich der weissen Linie (lose bzw. hohle Wand), bei Sohlenverletzungen oder infolge einer zu starken Kürzung der Klauenspitze möglich. Typischerweise ist nur eine einzelne Klaue betroffen.
Meist handelt es sich um klassische Eitererreger (z.B. T. pyogenes, F. necrophorum, Staphylococcus spp., Streptococcus spp.).
Die eingedrungenen Bakterien verursachen eine lokale Entzündung der Lederhaut mit zunehmender Eiterbildung. Dadurch steigt der Druck im Inneren des Hornschuhs stark an. Klauenabszesse sind daher ausgesprochen schmerzhaft und führen in der Regel zu einer hochgradigen Lahmheit.
Typisch ist eine flächenhaft positive Zangenprobe. Der Abszess bzw. der zugrunde liegende Defekt kann meist erst nach gezieltem Zurückschneiden des Sohlen- resp. Wandhornes nachgewiesen werden.
Lokal begrenzte Klauenabszesse erfordern in der Regel keine antibiotische Behandlung. Eine Ausnahme besteht nur bei schweren Verläufen mit Phlegmone oder bei der Beteiligung tiefer liegender Strukturen wie Sehnenscheiden, Bursen und Knochen.
| Klauenabszess | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Parenteral
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First line | Penicilline | Passendes Wirkungsspektrum Bei Staphykokken: Vorkommen von Beta-Lactamasen bildenden Stämmen. |
| Second line | Tetracycline | ||
| Stark eingeschränkter Einsatz | Cephalosporine 3. und 4. Generation Makrolide |
Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden. Keine Vorteile gegenüber Benzylpenicillin |
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| No go | Sulfonamide | Zu wenig wirksam gegen Anaerobier, nicht wirksam bei eitrigen Prozessen | |
| Aminoglykoside | Keine Wirksamkeit gegen Anaerobier | ||
Für alle in obenstehender Tabelle aufgeführten Antibiotikaklassen sind Tierarzneimittel für kleine Wiederkäuer in der Schweiz zugelassen.
Im Sohlen- und Wandbereich sollte loses beziehungsweise unterminiertes Horn trichterförmig mit dem Klauenmesser entfernt werden, wobei die Lederhaut konsequent zu schonen ist. Wiederholte Waschungen mit desinfizierenden Lösungen sowie Gabe von nichtsteroidaler Entzündungshemmer werden empfohlen. Abhängig von der Tiefe und Ausdehnung des Prozesses können Klauenverbände angelegt werden.
Eine regelmässige und sachgerechte Klauenpflege ist die wichtigste Präventionsmassnahme. Nach dem Reinigen der Klauen werden zunächst die überstehenden Tragränder auf das Niveau der Sohle zurückgeschnitten. Anschliessend wird sämtliches loses und erkranktes Klauenhorn entfernt, insbesondere unterhöhlte oder abgelöste Hornanteile sowie strukturell verändertes Horn. Nach dem Ausschneiden sollte ausschliesslich gesundes, fest mit der Lederhaut verbundenes Klauenhorn verbleiben. Es ist sinnvoll, ausreichend Zeit zu investieren, um alle erkrankten Areale gründlich freizulegen. Regelmässige Klauenbäder werden zur Pflege, Gesunderhaltung (Prophylaxe) sowie zur Therapie erkrankter Klauen empfohlen. Der jeweilige Verwendungszweck und die Inhaltsstoffe des Klauenbades bestimmen, ob es sich um ein Arzneimittel, ein Biozid oder ein Reinigungs- und Pflegemittel handelt.
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