Kleinste Verletzungen am Kronsaum oder im Zwischenklauenspalt begünstigen das Eindringen von Bakterien, welche sich im Unterhaut-Bindegewebe vermehren und eine Entzündung hervorrufen. Harte, trockene und steinige Weiden und Wege sowie nasse Weiden und die daraus resultierender Aufweichung von Haut und Klauenhorn wirken prädisponierend. Weitere begünstigende Faktoren sind das Stehen in Mist in verschmutzten Ställen, Ausläufen oder im Bereich von Tränkestellen.
Die Haupterreger sind klassische eiterbildende Bakterien (u.a. Trueperella pyogenes und Fusobacterium necrophorum).
Die Erkrankung beginnt in der Regel mit einer plötzlichen Lahmheit, meist an nur einer Gliedmasse. Die Zwischenklauenhaut und der Bereich des Kronsaums sind diffus geschwollen und gerötet. Das betroffene Gewebe ist in diesem Bereich warm und deutlich schmerzhaft. Die Phlegmone kann entlang der Gliedmasse auf Gefässe und synoviale Strukturen übergreifen. Nach einigen Tagen kann es zum Austritt von Eiter am Kronsaum oder im Fesselbereich kommen.
Das Erscheinungsbild ist häufig nicht eindeutig. Bei der Palpation zeigen sich eine vermehrte Wärme, Rötung und ausgeprägte Dolenz. Zur Bestätigung der Diagnose und zur Abgrenzung gegenüber einem Ödem oder Hämatom kann eine Ultraschalluntersuchung herangezogen werden. Differenzialdiagnostisch müssen insbesondere Moderhinke und Klauenabszesse ausgeschlossen werden.
| Phlegmone, Interdigitalphlegmone | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Parenteral
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First line |
Penicilline | |
| Second line | Tetracycline | ||
| Stark eingeschränkter Einsatz | Cephalosporine 3. und 4. Generation Makrolide |
Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden keine Vorteile gegenüber Benzylpenicillin |
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| No go | Sulfonamide | Zu wenig wirksam gegen Anaerobier, nicht wirksam bei eitrigen Prozessen | |
| Aminoglykoside | Keine Wirksamkeit gegen Anaerobier | ||
Für alle in obenstehender Tabelle aufgeführten Antibiotikaklassen sind Präparate für kleine Wiederkäuer von der Swissmedic zugelassen.
Eine gute Hygiene, sorgfältige und regelmässige Klauenpflege sowie sofortige Versorgung von Wunden an den Gliedmassen sind wichtig.
Entzündungshemmer sind bei akuten entzündlichen Prozessen indiziert. Empfohlen sind kühlende Umschläge (z.B. mit Lehm und Essig) und bei der Interdigitalphlegmone sind die lokale Wundrevision sowie Angussverbände mit desinfizierenden medizinischen Lösungen (z.B. verdünntes Betadine, Chlorhexidin) essentiell.
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