Listeriose: Listeria monocytogenes ist ein ubiquitärer Erreger; jedoch kann seine Anhäufung z. B. in Silage schlechter Qualität den Infektionsdruck erhöhen; weiter begünstigen Läsionen der Maulschleimhaut, z. B. bei Zahnwechsel, das Eindringen des Erregers in das Gewebe und eine aufsteigende Infektion entlang des N. trigeminus in den Hirnstamm. Bei kleinen Wiederkäuern ist der Verlauf der Listeriose dramatischer als beim Rind, das Ansprechen auf die Therapie und die Prognose sind dementsprechend schlechter.
Histophilose: Histophilus somni ist weltweit verbreitet und gehört zur normalen Flora der Schleimhäute des Geschlechtsapparates. Etwa ein Viertel der Rinderpopulation hat Antikörper gegen H.somni. Die TEME (thromboembolische Meningoenzephalitis) entsteht durch die Streuung von infizierten Emboli aus der Lunge als Komplikation nach Lungenentzündung. Die Prognose für eine Heilung ist generell schlecht. Betroffen sind fast ausschliesslich jüngere Mastrinder (4-12 Monate). Erkrankungen treten meist im Gefolge von Belastungen (Transport, Kälteeinbruch, Gruppenumstellungen, "Rindergrippe"-Ausbruch) auf. Die Morbidität ist niedrig (< 2 %, selten bis 10 %), die Letalität bei unbehandelten oder nicht rechtzeitig behandelten Tieren jedoch hoch (90 %).
Tetanus: Tiefe Wunden mit anaeroben Verhältnissen bilden eine ideale Voraussetzung für die Vermehrung des ubiquitären Clostridium tetani, für die Bildung von Tetanospasmin und die Entwicklung von Tetanus.
Die häufigste ZNS-Infektion bei Gross- und Kleinwiederkäuer ist die von L. monocytogenes hervorgerufene Gehirnlisteriose. Die von Histophilus somni verursachte thrombo-embolische Meningoenzephalitis (TEME) ist viel seltener.
Bei Tetanus entfaltet das von Cl. tetani in peripheren Geweben gebildete Toxin Tetanospasmin seine Wirkung im Rückenmark.
Listeriose ist in der Regel eine klinische Diagnose.
Tetanus wird ebenfalls klinisch diagnostiziert, wobei der Nachweis eines anaeroben Infektionsherdes (z. B. tiefe Wunde) die klinische Diagnose unterstützt.
Bei Infektionen im Bereich des Zentralnervensystems (ZNS) müssen Überlegungen zu Passage der Blut-Hirn-Schranke in der Wahl eines antimikrobiellen Wirkstoffes berücksichtigt werden. Während gewisse Wirkstoffe (z. B. Penicillin) schlecht durch die intakte Schranke gehen, können sie dank ihrer hohen therapeutischen Breite so dosiert werden, dass wirksame Spiegel (> MHK der beteiligten Bakterien) im ZNS erreicht werden. Hingegen können z. B. Aminoglykoside, welche aufgrund ihrer physikochemischen Eigenschaften besser durch die Bluthirnschranke diffundieren würden, aufgrund ihres toxischen Potenzials nicht so hoch dosiert werden, damit wirksame Spiegel im ZNS entstehen. Verfügbare Angaben stammen allerdings aus der Humanmedizin oder von Studien mit Labortieren. Für Nutztiere liegen keine spezifischen Daten zur Diffusion von antimikrobiellen Wirkstoffen in das ZNS vor; sodass bei der Wahl einer antibiotischen Behandlung aufgrund dieser Angaben und klinischer Erfahrungswerte extrapoliert werden muss.
| Listeriose, Histophilose | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Parenteral
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First line |
Penicilline (Na-Pen i. v. TID oder Procain-Penicillin SID) |
Achtung: Hohe Dosierung wählen; Therapiedauer von mindestens 10 Tagen. |
| Tetracycline | |||
| Ampicillin | Achtung: Hohe Dosierung wählen; Therapiedauer von mindestens 10 Tagen. | ||
| Tetanus | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Parenteral
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First and only line |
Penicilline (Na-Pen i. v. TID oder Procain-Penicillin SID) |
Wirkung nur gegen proliferiende Cl. tetani, keine Wirkung auf das Tetanus-Toxin! |
Prudent use: Aufgrund der guten Wirksamkeit von nicht-kritischen Wirkstoffen, ist davon abzusehen, kritische Antibiotika zur Behandlung von ZNS-Erkrankungen bei Rindern einzusetzen.
Die Listeriose ist meldepflichtig, es werden nur sehr sporadisch Fälle gemeldet; deswegen werden für L. monocytogenes keine Resistenzdaten ermittelt.
Die gute klinische Wirksamkeit von Penicillin und Tetracyclinen im Falle der Listeriose bei Rindern deuten jedoch auf eine günstige Resistenzlage hin.
Für H. somni, isoliert im Zusammenhang mit ZNS-Erkrankungen, liegen keine Resistenzdaten vor.
Bei Clostridien sind keine Resistenzen gegen β-Lactame bekannt.
Listeriose: Überprüfung der Fütterung, insbesondere der Qualität der Silage.
Histophilose: Frühzeitige, konsequente Behandlung von Respirationskrankheiten.
Tetanus: Konsequente Behandlung von Wunden; Applikation von Tetanusserum bei chirurgischen Eingriffen (z. B. Kastration); bei gehäuftem Auftreten in einer Herde Suche nach Verletzungsursachen (z. B. hervorstehende Nägel) im Stall.
Listeriose: Beim Vorliegen einer Facialislähmung mit Beeinträchtigung der Lidmotorik muss die Cornea durch Augensalben oder eine Lidschürze vor Austrocknung geschützt werden; bei Schluckstörungen sind Infusionen angezeigt, inkl. Korrektur der infolge Bikarbonatverlust im Speichel entstehenden metabolischen Azidose.
Histophilose: Entzündungshemmer in jedem Fall und Unterstützungstherapie (Infusionen etc.) nach Bedarf, wobei der Verlauf von TEME meistens rasch progredient ist und innert kurzer Zeit zum Tod führt.
Tetanus: Tiere mit Tetanus sollten in einer ruhigen Umgebung vor Licht geschützt gehalten werden. Der Ursprung der Toxine (Wunde) sollte gesucht und saniert werden. Unterstützungstherapie mit Infusionen und gutem Futter (weiches Futter und/oder gehacktes Heu, um die Futteraufnahme zu vereinfachen). Wenn das Tier infolge Trismus nicht mehr fressen oder trinken kann, sollte aus Tierschutzgründen eine Euthanasie in Erwägung gezogen werden. Auch bei festliegenden Tieren mit Tetanus ist die Prognose sehr schlecht.
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