Beim adulten Rind sind Bauchfellentzündungen am häufigsten die Folge einer Fremdkörpererkrankung oder eines Labmagengeschwüres von Typ III (perforierendes Geschwür mit lokaler Peritonitis). Weitere Ursachen von Peritonitis (z.B. Uterusruptur, Darmnekrose nach Invagination oder Volvulus) führen zu generalisierten Bauchfellentzündungen und haben eine schlechte Prognose, sie stellen somit kaum eine Indikation für eine antibiotische Behandlung dar. Herdinfekte schliessen u.a. Leberabszesse (z.B. nach hämatogener Streuung von Bakterien nach Pansenazidose), Thrombosierung der Vena cava, Sinusitiden und innere Abszesse unterschiedlicher Lokalisation ein.
Die wichtigsten klinischen Anzeichen von Bauchfellentzündungen sind Fieber (in der akuten Phase), gespannte Bauchdecken und positive Schmerzproben. Bei lokalisierten Infektionsherden (chronischen Herdinfekten) stehen neben spezifischen Symptomen, wie z.B. einseitigem eitrigem Nasenausfluss bei Sinusitis, rezidivierende Fieberschübe im Vordergrund.
Bei Peritonitiden und Herdinfekten sind im Anfangsstadium unspezifische ubiquitäre Erreger und Bakterien der Magen-Darmflora (T. pyogenes, F. necrophorum, Streptokokken, Staphylokokken, Bacteroides spp., Proteus spp., Pasteurella spp., E. coli) beteiligt, wobei in einer späteren Phase v.a. T. pyogenes im Vordergrund stehen kann.
Eine sorgfältige Abklärung und eine genaue Diagnosestellung sind unentbehrlich, weil je nach Ursache und Ausprägung von Peritonitis oder chronischen Herdinfekten die Krankheiten mit einer schlechten Prognose verbunden sind. In solchen Fällen ist von einem Therapieversuch abzusehen. Die intraperitoneale Verabreichung von Antibiotika bringt in Bezug auf die Wirkstoffkonzentration keine Vorteile gegenüber der parenteralen Applikation und ist somit obsolet.
| Peritonitis | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Parenteral
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First line |
Penicilline | Antibiotika der Wahl gegen T. pyogenes |
| Tetracycline | Breites Spektrum | ||
| Second line |
Aminopenicilline | Breites Spektrum | |
| Penicilline + Aminoglykoside | Breites Spektrum der Kombination | ||
| Stark eingeschränkter Einsatz | Cephalosporine 3./4. Generation | Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden | |
| No go | Makrolide | Kritische Antibiotika, ungeeignetes Spektrum | |
| Fluorchinolone | Kritische Antibiotika, schlechte/keine Wirksamkeit gegen Anaerobier. | ||
Prudent use: Der Einsatz von kritischen Antibiotika zur Behandlung von Peritonitis oder Herdinfekten bei adulten Rindern lässt sich nicht rechtfertigen, weil wirksame Alternativpräparate verfügbar sind.
Minimierung der Futterkontamination mit metallischem Material, wiederkäuergerechte Fütterung, Vorbeugung von akuter und subakuter Pansenazidose.
Bei Sinusitis als Herdinfekt fachgerechte Enthornung.
Bei akuten entzündlichen Prozessen sind nicht-steroidale Entzündungshemmer indiziert. Bei Sinusitis als Herdinfekt ist meistens eine chirurgische Sanierung angezeigt.
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