Otitis media kommt bei Kälbern insbesondere im Zusammenhang mit Infektionen des oberen Atmungsapparates vor. Mitunter kommt es zu regelrechten Ausbrüchen in einzelnen Beständen.
Otitis media/interna ist meistens die Folge einer aufsteigenden Infektion aus dem Rachenraum via Tuba Eustachii und tritt v. a. als Komplikation bei Respirationserkrankungen auf. Zusätzlich soll auch das gegenseitige Besaugen der Ohren die Entstehung von Otitiden begünstigen.
Wichtig ist bei Otitiden der Zeitpunkt der Behandlung: Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose als vorsichtig bis gut zu stellen; in chronischen Stadien mit Eiterung der Bulla tympanica ist die Prognose unabhängig von der gewählten Therapie als schlecht einzustufen.
Bei Otitiden spielen neben den üblichen Eitererregern (z. B. T. pyogenes) und Pasteurellaceae, Mykoplasmen, insbesondere M. bovis, eine immer wichtigere Rolle.
| Otitis media-interna | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Parenteral
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First line | Tetracycline | Achtung: Hohe Dosierung wählen. Therapiedauer von mindestens 10 Tagen. |
| Second line | Florfenicol | ||
| Stark eingeschränkter Einsatz | Fluorchinolone Makrolide |
Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden | |
| No go | Cephalosporine 3./4. Generation | Keine Wirkung gegen Mykoplasmen. | |
Prudent use: In Schweizer Milchvieh- und Mastbetrieben wurden Prävalenzen von 2.1 % bei Aufzuchtkälbern und 1 % bei Mastkälbern beschrieben. Diese Zahlen rechtfertigen nicht eine routinemässige Behandlung von Kälberpneumonien mit Fluorchinolonen wegen der potentiellen Entwicklung einer Otitis (Komplikation nach Atemwegserkrankung).
Die Resistenzbestimmung von Mykoplasmen ist derzeit nicht standardisiert und es gibt keine Grenzwerte zur Interpretation, weshalb keine Daten aus Monitoringprogrammen verfügbar sind. Zahlreiche Publikationen aus dem Ausland zeigen ein sehr breites Spektrum von Ergebnissen, welche nur sehr beschränkt verallgemeinert werden können.
Gegen Mycoplasmopsis (Synonym Mycoplasma) bovis werden Tetrazycline, Makrolide oder Fluorchinolone als mögliche Optionen zur Therapie genannt (Gütgemann et al. 2023). Die Daten in dieser deutschen Studie deuten darauf hin, dass M. bovis Isolate Resistenzmechanismen zumindest gegenüber Makroliden und Fluorchinolonen sowie Aminoglykosiden erworben hat.
Eine klinische Wirksamkeit nach einer Behandlung von Otitis media/interna mit Tetracyclinen und Tulathromycin wurde beschrieben.
Frühzeitige, konsequente Behandlung von Respirationskrankheiten sowie Bekämpfung allfälliger Ohrmilben (als Reservoir beschrieben).
Entzündungshemmer in jedem Fall; bei Perforation des Trommelfelles sind Spülungen des Gehörganges beschrieben.
Informationen zum Einsatz der Komplementärmedizin finden sich im «Supplement Komplementärmedizin»
Spezifische Informationen zum Einsatz von Arzneipflanzen finden sich in der CliniPharm CliniTox Sektion «Phytoarzneien / Arzneidrogen»
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