Eine ungenügende Hygiene während und nach der Geburt, ein zu kurzes Abreissen der Nabelschnur, eine unsachgemässe, zu einer Kontamination führenden Behandlung des Nabels sowie eine ungenügende Kolostrumversorgung erhöhen das Risiko einer Infektion der Nabelstrukturen bei neugeborenen Kälbern.
Bei Nabelinfektionen muss zwischen akuter, phlegmonöser Omphalitis, welche mit geeigneten Antibiotika gut zu behandeln ist, und komplizierten Nabelerkrankungen mit Abszessbildung und/oder Beteiligung der intraabdominalen Nabelstrukturen (Omphalourachitis, -arteritis oder -phlebitis, periarterielles Hämatom), welche zur Sanierung einen chirurgischen Eingriff erfordern, unterschieden werden.
Nabelinfektionen bei Kälbern werden meistens durch T. pyogenes, Streptokokken, Staphylokokken, sowie Pasteurella spp., Proteus spp., Bacteroides spp. und E. coli verursacht.
Zentral ist die klinische Untersuchung. Aufgrund der bekannten, vorwiegend pyogenen Flora ist eine bakteriologische Untersuchung zum Erregernachweis bei Nabelinfektionen in der Regel nicht sinnvoll.
| Nabelerkrankungen | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Oral
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First line | Aminopenicilline (z.B. Amoxicillin) | |
| Second line | Tetracycline | ||
| No go | Fluorchinolone | Nicht wirksam gegen Anaerobier. | |
| Sulfonamide | Zu wenig wirksam gegen Anaerobier; nicht aktiv bei eitrigen Prozessen. | ||
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Parenteral
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First line |
Penicilline | |
| Aminopenicilline | |||
| Second line | Tetracycline | ||
| No go | Fluorchinolone | Nicht wirksam gegen Anaerobier. | |
| Sulfonamide | Zu wenig wirksam gegen Anaerobier; nicht aktiv bei eitrigen Prozessen. | ||
| Aminoglykoside | Nicht wirksam gegen Anaerobier. | ||
Prudent use: In Schweizer Milchviehbetrieben wurden 9 % der Behandlungen gegen Nabelerkrankungen bei Aufzuchtkälbern mit Fluorchinolonen vorgenommen. Dies widerspricht nicht nur den Prinzipien von „prudent use“, sondern ist aufgrund der beteiligten Erreger auch keine gute medizinische Wahl.
Eine lokale Antibiose (Injektion von Antibiotika in den Nabel oder um den Nabel in das entzündete Gewebe) ist obsolet und sollte unter keinen Umständen vorgenommen werden.
Eine Indikation für den Einsatz von kritischen Antibiotika bei Nabelerkrankungen ist in keinem Fall gegeben.
Abgesehen von natürlichen Resistenzen der beteiligten anaeroben Flora (s. oben) stellen bakterielle Resistenzen bei der Behandlung von Nabelinfektionen kein Problem dar.
Informationen zum Einsatz der Komplementärmedizin finden sich im «Supplement Komplementärmedizin»
Spezifische Informationen zum Einsatz von Arzneipflanzen finden sich in der CliniPharm CliniTox Sektion «Phytoarzneien / Arzneidrogen»
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