Metritis ist eine Entzündung der Gebärmutterwand. Durch die Abkalbung öffnen sich die Geburtswege und die Gebärmutter ist der Umwelt für einige Stunden ausgesetzt. Eine bakterielle Kontamination während dieser Zeit ist normal und die meisten Kühe werden in der Folge problemlos damit fertig. Gelingt die Elimination dieser Keime nicht, so kommt es zu einer Erkrankung der Gebärmutter. Eine akute puerperale Gebärmutterentzündung kann innerhalb weniger Tage (circa 10 Tage) nach der Geburt auftreten.
Risikofaktoren für die Entstehung von Metritiden sind Nachgeburtsverhaltungen, Geburtstraumen, mangelhafte Geburtshygiene sowie Stoffwechselstörungen um den Zeitpunkt der Geburt, die mit einer Schwächung der Abwehrleistung einhergehen (Hypocalcämie, Ketose). Die Überwachung von Kühen in den ersten 10 Tagen nach der Abkalbung ist für die Früherkennung von Metritiden wichtig (Temperatur, Milchleistung, Futteraufnahme).
Bei mehr als 90 % der Kühe sind in den ersten beiden Wochen nach der Kalbung Bakterien im Uterus nachweisbar. Bei Kühen mit Metritis sind E. coli und T. pyogenes die am häufigsten isolierten Keime gefolgt von Streptokokken und verschiedenen Anaerobiern.
E. coli dominiert vor allem in den ersten 5 Tagen nach der Kalbung, während der Anteil an T. pyogenes im weiteren Verlauf des Puerperiums ab Tag 9 bis 10 deutlich zunimmt.
Bei geringer bakterieller Besiedelung bzw. guter Immunregulation werden die Bakterien meistens bis zum 10. Tag p.p. eliminiert. Allenfalls sind eitrige Beimengungen zu erkennen, die Ausdruck einer Leukozyteninvasion sind.
Metritis ist gekennzeichnet durch einen vergrösserten Uterus mit braun-roten wässrigen bis viskösen und meistens übelriechenden Lochien. Der Schweregrad der Erkrankung wird in Abhängigkeit von der Störung des Allgemeinbefindens kategorisiert.
Die Ursachen für erhöhte Körpertemperatur, reduzierte Futteraufnahme sowie Milchleistungsrückgang sind besonders zu Beginn der Laktation vielfältig. Die Diagnose ist somit nur durch eine gründliche klinische Untersuchung zu stellen. Eine Untersuchung des Allgemeinbefindens geht der speziellen gynäkologischen Untersuchung voraus. Es schliesst sich eine rektale Untersuchung zur Feststellung von Uterusgrösse, Uterusinhalt (Gas, Flüssigkeit, Nachgeburt), Verklebungen oder Verletzungen des Uterus sowie des weichen Geburtswegs an. Durch die manuelle vaginale oder vaginoskopische Untersuchung sollen Geburtsverletzungen des weichen Geburtsweges bzw. Nachgeburtsverhalten festgestellt und die Lochien beurteilt werden.
Bei Metritiden Grad I besteht keine Therapienotwendigkeit. Sie erfordern aber eine Überwachung durch die Landwirte (Temperatur, Appetit, Milchleistung). Eine antibiotische Behandlung wird bei Metritiden ab Grad II erforderlich.
Die Vielfalt der beteiligten Umweltkeime (Gram-positiv und Gram-negativ) erfordern ein Antibiotikum, das ein breites Spektrum abdeckt. Weiterhin soll es zu hohen Wirkstoffspiegeln im Endo-/Myometrium kommen.
| Puerperale Metritis (Antibiotika erst ab Grad II)* | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Lokal
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First line | Tetracycline | |
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Parenteral
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First line |
Ampicillin | |
| Amoxicillin | |||
| Tetracycline | |||
| Second line | Amoxicillin + Clavulansäure | ||
| Stark eingeschränkter Einsatz | Fluorchinolone Cephalosporine (3./4. Generation) |
Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden | |
* Prudent use: Prophylaktische lokale Behandlungen (vaginale Untersuchungen ohne erkennbare Anzeichen einer Metritis mit gleichzeitiger Verabreichung antibiotikahaltiger Einlagen als „Schutzmassnahme“) sind abzulehnen. Alternativ kommen in diesem Fall Uteruseinlagen ohne Antibiotika infrage.
Ein Erregernachweis ist nicht sinnvoll, da es sich i. d. R. um ein sehr breites Spektrum von Bakterien aus der Umwelt der Tiere handelt. Untersuchungen zur Resistenzsituation von Bakterien aus dem puerperalen Uterus (bis Tag 21) liegen aktuell nicht vor.
Zeigen mehr als 15 % aller abkalbenden Kühe eine Metritis, handelt es sich um ein Bestandesproblem, dessen Ursache abgeklärt werden sollte.
Das Ziel muss sein, einerseits die Immunabwehr der Milchkuh durch ein optimiertes Management in der Trockenstehphase und in der Frühlaktation zu verbessern, sowie andererseits die peripartale bakterielle Besiedelung der Gebärmutter möglichst gering zu halten:
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