Anwendungssicherheit

Die Verträglichkeit von Pyrethrum ist sehr gut (Kunkel 1997). Das Verhältnis von Insektentoxizität zur Säugertoxizität liegt in der Regel über 1000. Das toxische Prinzip in Säugetieren ist das gleiche wie in Insekten. Die klinischen Symptome einer Pyrethrinvergiftung sind Nerven- und Muskelstörungen (Hart 1986; Valentine 1990).
 
Aufgrund sehr geringer Schleimhautresorptionsraten im Magen-Darm-Trakt und schneller Entgiftung im Säugerorganismus weisen die Pyrethrine eine sehr hohe orale Dosisverträglichkeit auf (Kühnert 1991). Wenn Katzen sich nach der Behandlung stark lecken, kann jedoch Brechreiz auftreten (Deplazes 1999).
Bei Dauerkontakt über die Haut oder den Inhalationsweg steigt die Toxizität an (Kühnert 1991). Auch beim Vorliegen grösserer Hautläsionen ist Vorsicht geboten. Es kann zu resorptiven Vergiftungen kommen. Die parenterale Toxizität für Warmblüter ist relativ hoch (Kühnert 1991).
 

Akute Toxizität

LD50

Ratte:oral: 900 mg/kg (Valentine 1990).
Warmblüter:dermal: 1,5 - 5 g/kg (Ungemach 1994b; Deplazes 1999).
 

Symptome der Pyrethrumintoxikation

Nerven- und Muskeldysfunktionen bestimmen die typischen klinischen Symptome bei Pyrethrumvergiftungen (Valentine 1990). Am häufigsten sind Übererregbarkeit, Hypersalivation, Erbrechen, Diarrhoe, milder Tremor, Ataxie, Parästhesien und Erschöpfung zu beobachten. In schweren Fällen kommt es ausserdem zu Hyper- oder Hypothermie, Dyspnoe, schwerem Tremor, Desorientierung und Krämpfen (Zerba 1988; Valentine 1990).
Die klinischen Symptome beginnen in der Regel innerhalb weniger Stunden nach Exposition, können jedoch, besonders bei dermaler Absorption auch später eintreten (Valentine 1990; Hart 1986).
 
Bei Dauerkontakt mit der äusseren Haut kommt es zu lokalen Irritationen an empfindlichen Hautpartien, wie z.B. Konjunktiven, Schleimhautübergänge an After und Genitalien (Zerba 1988; Kühnert 1991).
 
Bei Inhalation kommt es zu Schleimhautirritationen mit Hustenreiz. Einatmen über längere Zeit kann zu Atemlähmung und Tod führen (Kühnert 1991).
 

Therapie

Die Therapie der Pyrethrumvergiftung besteht in der Verhinderung weiterer Absorption und in symptomatischen und unterstützenden Massnahmen (Kühnert 1991; Zerba 1988; Valentine 1990).
 
1.Die Krämpfe werden, wenn nötig, mit Antikonvulantien (z.B. Diazepam oder Methocarbamol) kontrolliert.
      -Diazepam wird nach Effekt in Dosierungen von 0,2 - 2,0 mg/kg intravenös verabreicht.
      -Die Dosierung für Methocarbamol beträgt 55 - 220 mg/kg i.v., in einer Geschwindigkeit von nicht mehr als 200 mg/min.
      -Bei ausbleibenden Erfolg kann Phenobarbital (6 mg/kg) oder Pentobarbital (4 - 20 mg/kg) langsam i.v. verabreicht werden (Valentine 1990).
 
2.Bei dermaler Exposition Waschen mit milden Detergentien, bei oraler Aufnahme können Aktivkohle (2 g/kg) oder Magnesium- oder Natriumsulfat (0,5 mg/kg als 10%ige wässrige Lösung) verabreicht werden.
  
3.Bei schweren Erbrechen und/oder Diarrhoe ist eine Korrektur des Flüssigkeits- und Säure-Basenhaushaltes nötig (Valentine 1990).
  
4.Leberschutz mit Kalziumgluconat (2 - 10 ml i.v.) und Vitamin B-Komplex i.m. (Blagburn 1995a).
 

Reproduktion

Pyrethrum kann auch bei jungen Katzen, Welpen und tragenden Tieren angewandt werden (Deplazes 1999).
 

Umwelttoxizität

Pyrethrum ist hochtoxisch für Bienen und Fische. Für Vögel ist es praktisch ungiftig. Eine Persistenz in der Umwelt ist aufgrund der schnellen Zersetzbarkeit nicht vorhanden (Ungemach 1994b; Zerba 1988).
 
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