ARCHIV: Voren®-Depot ad us. vet.[V], Injektionssuspension
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

Boehringer Ingelheim (Schweiz) GmbH

HINWEIS: Dies ist ein Eintrag aus dem Archiv; dieses Tierarzneimittel ist in der Schweiz nicht mehr zugelassen!

Glukokortikoid; Injektionssuspension für Pferde, Hunde und Katzen

ATCvet: QH02AB02

 

Zusammensetzung

Dexamethasonum 2,4 mg ut dexamethasoni-21-isonicotinas, natrii chloridum, polysorbatum 80,
Conserv.: E 216 0,15 mg, E 218 1,35 mg, aqua ad iniectabilia q.s. ad suspensionem pro 1 ml.
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Dexamethason
 

Eigenschaften / Wirkungen

Dexamethason (9α-Fluor-16α-Methylpred­nisolon) ist ein stark wirksames Kortikosteroid mit langer Wirkungsdauer. Dexamethason hat eine 30fach stärkere glukokortikoide Wirkung als Cortisol, während die mineralokortikoide Wirkung zu vernachlässigen ist.
Der freie Wirkstoff ist kaum löslich (weder in Wasser noch in Alkohol). Voren®-Depot enthält den gut wasserlöslichen und leicht spaltbaren Dexamethason­ester-21-Isonicotinat. Da das Präparat als Suspension formuliert ist - mehr als 70% der suspendierten Partikel sind dank einer makrokristallinen Aufbereitung zwischen 12 und 32 Mikrometer gross - besitzt Voren®-Depot einen ausgeprägten Depoteffekt.
Die schnellen Effekte wie Membranstabilisierung (z.B. von Mastzellen und basophilen Granulozyten) und die Erniedrigung der Gefässpermeabilität werden durch bisher kaum bekannte Mechanismen bewirkt (membranständige Rezeptoren, direkte Interaktion mit der Lipidmembran).
Gut erforscht ist dagegen der Eingriff in die Regu­la­tion der Genexpression. Die intrazellulären Rezeptoren sind Teil eines Proteinkomplexes. Durch die Bindung des Steroids lösen sich diese aus dem Komplex und gelangen in den Zellkern, wo sie mit spezifischen DNS-Sequenzen der regulatorischen Region beeinflussbarer Gene interagieren. Die Folge ist, je nach Gen, eine Aktivierung oder Hemmung der Transkription. Stimuliert wird die Synthese kataboler Enzyme und hemmender Proteine (u.a. des Lipokortins, das die Phospholipase A2 und damit die Synthese von Prostaglandinen, Thromboxanen und Leukotrienen hemmt). Die Transkription der Gene vieler Zytokine (z.B. Interleukine, tumor necrosis factor, Interferon γ), der Corticotropin-Releasing-Hormone (wichtig im Feedback-Mecha­nismus des Hypothalamus-Hypophysen-Neben­nierenrinden-Regelkreises) und verschiedener Enzyme (z.B. Kollagenasen) wird dagegen gehemmt.
Aufgrund dieses Reaktionsablaufs treten die typischen glukokortikoiden Effekte und die damit zusammenhängenden Wirkungen erst nach einer Latenzzeit auf und bleiben über das Verschwinden des Glukokortikoids aus der Blutbahn hinaus bestehen, solange sich im Zellkern noch Rezeptor-Gluko­kortikoid-Komplexe befinden.
Die auf molekularer Ebene beschriebenen Wirkungen führen zu einer Vielzahl physiologischer Effekte, die stets alle auftreten. Einige davon werden therapeutisch genützt, die andern müssen dabei in Kauf genommen und gebührend beachtet werden.
Die resultierenden physiologischen Effekte betreffen hauptsächlich:
-den Stoffwechsel: katabole Stoffwechsellage mit vermehrter Proteolyse, Lipolyse (die Adipozyten verschiedener Körperregionen reagieren dabei unterschiedlich, was zu einer charakteristischen Fettumverteilung führt) und Glukoneogenese (Erhöhung der Blutglukosekonzentration).
-das Immunsystem und entzündliche Prozesse: Glukokortikoide weisen eine ausgeprägte anti­inflammatorische Wirkung auf, durch die es zu einer Unterdrückung der Symptome akuter und chronischer, immunogener und nicht immunogener Entzündungen kommt.
    -schnell einsetzender Membran-stabilisierender Effekt, der sich auf praktisch alle biologischen Membranen erstreckt. Dadurch wird z.B. die Degranulation und Ausschüttung von Entzündungsmediatoren verhindert und ferner die Kapillarpermeabilität und damit exsudative Prozesse herabgesetzt.
    -rasch eintretende Hemmung der Cyclooxygenase und damit der Prostaglandinsynthese.
    -eine mit einer Latenz von einigen Stunden eintretende zusätzliche Blockade der Arachidonsäurekaskade. Durch den frühen Eingriff in die Arachidonsäurekaskade wird nicht nur die Bildung von Prostaglandinen, sondern auch von Leukotrienen unterdrückt. Letztere spielen wegen ihrer bronchokonstriktiven Wirkung bei obstruktiven, allergischen Atemwegserkrankungen eine wichtige Rolle.
    -antiproliferative Wirkung durch Hemmung mesenchymaler Prozesse.
-das Endokrinum:
    -die permissive Wirkung auf β-adrenerge Rezeptoren ist ein bedeutsamer Effekt bei Bronchialasthma.
    -der Antagonismus mit Vitamin D3 führt zusammen mit der vermehrten Ausscheidung durch die Niere zu einer Erniedrigung der Konzentration von ionisiertem Kalzium im Blut.
    -der Hypothalamus-Hypophysen-Neben­nieren­rinden-Regelkreis wird durch den negativen Rückkoppelungsmechanismus gehemmt.
-das zentrale Nervensystem: die Steigerung von Aufmerksamkeit, Erregbarkeit und Wohlbefinden erfolgt einerseits direkt durch noch wenig bekannte Mechanismen und andererseits indirekt durch die Erhöhung des Blutdruckes und der Blutglukosekonzentration.
 

Pharmakokinetik

Der zeitliche Verlauf der Blutplasmakonzentration von Dexamethason ist nicht identisch mit dem Wirkungsverlauf. Für den unveresterten Wirkstoff und gut wasserlösliche Ester liegt die Halbwertszeit bei 2 - 5 Stunden für die Plasmakonzentration, für biologische Wirkungen aber im Bereich von 24 Stunden.
Im Plasma ist Dexamethason zu ca. 80% proteingebunden. Das freie Molekül passiert die Blut-Hirn-, die Blut-Milch- und die Plazentaschranke.
Wie alle Glukokortikoide wird Dexamethason in der Leber - wenn auch langsamer als die natürlichen Hormone - metabolisch inaktiviert und durch Koppelung an Glukuronid und zu einem geringen Teil an Sulfat wasserlöslich gemacht. Die resultierenden Ester werden hauptsächlich renal ausgeschieden.
Wie für alle Wirkstoffe ist die Kinetik vom Präparat, von der Applikationsart und von der Spezies abhängig. Die bisher publizierten Daten sind lückenhaft und z.T. widersprüchlich. So findet man z.B. für freies Dexamethason beim Pferd Halbwertszeiten von weniger als einer Stunde bis mehr als zehn Stunden.
Soweit untersucht, scheint der Wirkungsverlauf weniger variabel zu sein. Besondere Beachtung ist den Tatsachen zu schenken, dass die Resorption bei allen Applikationsarten (auch lokal) relativ schnell in beträchtlichem Ausmasse erfolgt und dass bei Kris­tall­suspensionen der Wirkungseintritt verzögert und die Wirkungsdauer markant verlängert ist.
 

Indikationen

Voren®-Depot hat glukoneogenetische, antiinflammatorische und antiallergische Wirkungen; daraus resultiert eine breite Palette von Anwendungsgebieten bei Pferd, Hund und Katze:
-aseptische Entzündungen des Bewegungsapparates
-allergische Erkrankungen der Haut, Juckreiz, Bronchialasthma, Autoimmunkrankheiten und rheumatoide Erkrankungen bei Hunden und Katzen
-Hufrehe der Pferde im frühen exsudativen Stadium
 

Dosierung / Anwendung

Zur einmaligen Injektion
-Hund und Katze:
Intramuskuläre oder subkutane Injektion:
Antiinflammatorisch, antiallergisch:
0,1 - 0,5 mg/kg (= 0,04 - 0,2 ml/kg) pro Tag
Immunsuppressiv:
0,25 - 0,5 mg/kg (= 0,1 - 0,2 ml/kg) pro Tag
  
-Pferd:
Intramuskuläre Injektion:
0,01 - 0,05 mg/kg (= 0,4 - 2 ml/100 kg)
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Diabetes mellitus, Magen-Darm-Ulcera, Osteoporose, aktive Immunisierung, akute bakterielle und virale Infektionen (ausser in lebensbedrohlichen Situationen), Systemmykosen, septische Prozesse.
 

Vorsichtsmassnahmen

Eine langandauernde Therapie (mehr als 14 Tage) darf nicht abrupt abgebrochen werden.
 

Unerwünschte Wirkungen

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen umfasst alle Effekte der Glukokortikoide. Häufigkeit und Ausmass des Auftretens ist ausser von individuellen Faktoren des Patienten von der Dosierung und der Therapiedauer abhängig. Besonders bei langer Therapiedauer und bei Verwendung von Depotpräparaten können folgende Wirkungen ausgeprägt auftreten:
-erhöhtes Infektionsrisiko
-verzögerte Wundheilung
-Magen-Darm-Ulcera
-Osteoporose, Arthropathie, Hautatrophie, Muskelschwund
-Verminderte Glukosetoleranz
-Erniedrigung der Krampfschwelle
-ACTH-Suppression, NNR-Inaktivitätsatrophie
 

Absetzfristen

Essbare Gewebe: Pferde: 150 Tage
 

Wechselwirkungen

Der Kaliumverlust durch bestimmte Diuretika (Schleifendiuretika und Thiazide) wird erhöht. Daraus resultiert eine verminderte Herzglykosidtoleranz. Kombination mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) erhöht die Gefahr gastrointestinaler Ulzerationen. Der Insulinbedarf von Diabetikern kann erhöht werden. Pharmaka, die die Leberenzyme induzieren, vermindern die Wirkung.
 

Sonstige Hinweise

Vor Gebrauch schütteln.
 

Haltbarkeit

Vor Frost schützen. Nicht über 25°C lagern. Das Präparat darf nur bis zu dem auf der Packung mit "EXP" bezeichneten Datum verwendet werden.
Aufbrauchsfrist nach ersten Entnahme: 28 Tage
Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren!
 

Packungen

Suspension: 50 ml Flaschen

Zulassung erloschen am: 08.04.2010

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 44'093

Informationsstand: 08/2008

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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