ARCHIV: Rompun® ad us. vet.[V], Trockensubstanz
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

Provet AG

HINWEIS: Dies ist ein Eintrag aus dem Archiv; dieses Tierarzneimittel ist in der Schweiz nicht mehr zugelassen!

Sedativum, Analgetikum und Muskelrelaxans für Pferde, Zoo- und Wildtiere

ATCvet-Code: QN05CM92

 

Zusammensetzung

I Xylazinum 500 mg (ut X. hydrochloridum) pro vitro.
II Aqua ad inject. 10 ml, 10 ml pro vitro.
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Xylazin
 

Eigenschaften / Wirkungen

Xylazin ist ein alpha-2-Rezeptoragonist, der einen schlafähnlichen (sedativhypnotischen) Zustand, verbunden mit einer allgemeinen Muskelrelaxation und von Tierart zu Tierart und individuell unterschiedlich stark ausgeprägten Schmerzfreiheit (Analgesie/Anästhesie), erzeugt. Die Wirkung ist beim Pferd meist schon 5 Minuten nach der i.v. Applikation voll ausgeprägt. Bei Zootieren sollten bis zur Annäherung 20 - 30 Minuten abgewartet werden. Da Aufregung und Nervosität die Wirkung beeinträchtigen, sollen die Tiere bis zum vollen Wirkungseintritt in Ruhe gelassen und nicht durch Lärm, Zurufe oder Berührung gestört werden. Beim Pferd ist der Wirkungseintritt zu erkennen am Herabhängen der Unterlippe, verringertem Ohrenspiel, teilweisem Penisvorfall sowie am Herabsinken des Kopfes, bei Wildtieren am Niederlegen und am Eintritt eines schlafähnlichen Zustandes. Die Stärke und Dauer der Wirkung ist dosisabhängig. Die Sedation ist 20 ‑ 30 Minuten lang gut ausgeprägt, um dann rasch innerhalb der nachfolgenden 30 - 60 Minuten wieder abzuklingen.
 
Je nach Dosis erreicht man leichte bis starke Sedation mit begrenzter, individuell unterschiedlich ausgeprägter Analgesie.
 
Die i.v. Applikation führt beim Pferd zu einer starken Absenkung der Herzfrequenz mit atrioventrikulären Blöcken. Es wird deshalb die Prämedikation mit 3 ‑ 5 mg Atropinsulfat pro 100 kg KGW empfohlen. Die Dosis von 5 mg/100 kg KGW darf nicht überschritten werden (entspr. 0,5 ml/100 kg KGW der 1%igen Lösung).
 
Für schmerzhafte Eingriffe beim Pferd muss Rompun in Kombination mit anderen Präparaten angewendet werden.
 
Die Prinzipien der Anästhesiologie sind hierbei zu beachten.
 

Pharmakokinetik

Xylazin wird im Organismus schnell absorbiert und verteilt. Unabhängig von der Tierspezies wird der maximale Plasmaspiegel innerhalb von 12 - 14 Mi­nuten nach intramuskulärer Injektion erreicht. Nach intramuskulärer und intravenöser Applikation beträgt die Halbwertzeit für die Ausscheidung tierartabhängig zwischen 23 und 60 Minuten. Die Bioverfügbarkeit nach intramuskulärer Applikation variiert je nach Tierart stark. Xylazin wird rasch und nahezu vollständig zu verschiedenen Metaboliten abgebaut. Der grösste Teil der Metaboliten ist nach 2 - 3 Stunden eliminiert.
 

Indikationen

Sedation für Verladen, Wiegen, Hufbeschlag, Entfernen von Wundnähten, rektale Untersuchungen, Röntgenaufnahmen, Wundbehandlung einschliesslich Verbandwechsel, Spalten von Abszessen, Penisbehandlungen, Katheterisieren, Geburtshilfe, Augen- und Ohrenbehandlungen, Durchführung von Lokal- und Leitungsanästhesien.
 

In Verbindung mit einer Lokal- oder Leitungsanästhesie:

Wundtoilette, Wundnaht, Kastration, Kryptorchiden- und Scheidenoperationen, Neurektomien usw.
 

Dosierung / Anwendung

Pferd

Rompun wird beim Pferd intravenös injiziert.
 
Durch Lösung der Substanzmenge eines Injektions­gläs­chens (500 mg) in 10 ml Lösungsmittel wird eine 5%ige, in 5 ml Lösungsmittel eine 10%ige Konzentration hergestellt.
 
Die Dosierung richtet sich nach dem gewünschten Grad der Wirkung.
 
Dosis pro 100 kg KGW:
 
5%ige Lösung10%ige Lösung
(500 mg Substanz(500 mg Substanz
in 10 ml)in 5 ml)
  
intravenösintravenös
1.2 - 2 ml (1.6)0.6 - 1 ml (0.8)
 
Die in Klammern stehenden Werte sind für den Normalfall ausreichend.
 
Kombination von Rompun mit anderen Präparaten
Durch eine Kombination mit Analgetika, Chloralhydrat, Ketaminen, Barbituraten oder Isofluran kann eine stärkere Sedation, Muskelrelaxation und Analgesie bzw. Anästhesie für zahlreiche schmerzhafte Untersuchungen und Behandlungen am stehenden Tier (Kombination mit I-Polamivet*) oder für chirurgische Eingriffe am liegenden Tier (Kombination mit Chloral­hydrat, Ketamine, Barbituraten oder Isofluran) erreicht werden. Die nachstehenden Dosierungen haben sich bei intravenöser Applikation zur Prämedikation als zweckmässig erwiesen.
 
A.Operation am stehenden Tier (kleinere und kurze Eingriffe)
 
1.2 - 1.6 ml Rompun 5%*** und 2 - 3 ml I‑Polami­vet je 100 kg KGW i.v.
Beide Präparate können gleichzeitig injiziert werden.
  
B.Für Operationen am liegenden Tier als Prämedikation vor einer Allgemeinanästhesie.
 
1. Rompun/Ketamine (Kurzzeitnarkose)
2 ml Rompun 5%*** und 200 mg Ketamine je 100 kg KGW i.v. Ketamine 2 Min. nach Rompun.
Wirkungsdauer: 20 - 25 Minuten.
Erholung nach 30 Minuten.
Nachdosierung der halben Dosis in der Mischspritze ist möglich.
  
2. Rompun/Chloralhydrat
1.6 ml Rompun 5%*** und 8 g Chloralhydrat je 100 kg KGW i.v. vor oder nach dem Ablegen des Pferdes (abhängig von der Erfahrung des zur Verfügung stehenden Hilfspersonals).
  
3. Rompun/Barbiturate
 
a) Kurzzeitnarkose; 10- bis 20-Min.-Eingriffe
2 ml Rompun 5%***/100 kg KGW und nach 3 bis 5 Min. 6 - 8 mg/kg Kurzzeitbarbiturate i.v. (z.B. Thio­pental)
  
b) grössere Operationen über 30 Min.
2 ml Rompun 5%*** plus Kombination Guaifenesin 10 - 12 g und 0.5 g Thiopental je 100 kg KGW. Die Guaifenesin/Thiopental-Lösung ist schnell als Infusion zu verabreichen, Guaifenesin passiert die Placentaschranke!
  
4. Inhalationsnarkose mit Isofluran
1.6 ml Rompun 5%***/100 kg KGW i.v. und nach dem Ablegen Intubationsnarkose nach Wirkung.
 
*Intervet
***halbes Volumen bei Rompun 10%
 
Wird Rompun mit einem Barbiturat zum medikamentösen Niederlegen kombiniert, so knicken die Tiere oft nach einigen Rückwärtsschritten in der Nachhand ein und kommen anschliessend durch seitliches Abrollen zum vollständigen Ablegen. Eine entsprechende Gegenreaktion der Hilfsperson, die das Tier beim Halfter hält, kann das u.U. gefahrvolle Aufschlagen des Kopfes verhindern. Es sollte möglichst auf weichem Untergrund gearbeitet werden.
 

Zoo- und Wildtiere:

Rompun wird intramuskulär injiziert. Das Präparat eignet sich zur Verabreichung mit dem Blasrohr und dem Narkosegewehr. Maximal mögliche Konzentration: 50%. Konzentrationen bis zu 10% werden gut vertragen. Bei höheren Konzentrationen können reversible Reizungen an der Injektionsstelle auftreten. Bei unzureichender Wirkung sollte zur Vermeidung von Überdosierungen eine erneute Verabreichung frühestens nach 30 - 60 Minuten erfolgen. Es ist jedoch vorzuziehen, Wiederholungen mit höheren Dosierungen erst am folgenden Tag vorzunehmen.
 
In zoologischen Gärten und Wildgehegen wurde bisher meist in folgenden Dosierbereichen gearbeitet:
 
 mg/kg5%ige
Lösung
ml/10 kg
10%ige
Lösung
ml/10 kg
   
Reh (Capreolus cap­reo­lus)2 - 30.4 - 0.60.2 - 0.3
   
Rothirsch (Cervus ela­phus),
Dybowski-Hirsch (Cervus nippon dybowski),    
Axis-Hirsch (Axis-axis),
Steinwild (Capra ibex ibex)
3 - 40.6 - 0.80.3 - 0.4
   
Mufflon (Ovis ammon musimon)5 - 71.0 - 1.40.5 - 0.7
   
Damwild (Dama dama)6 - 81.2 - 1.60.6 - 0.8
 
Diese Zahlen sind nur als Richtwerte und nicht als generelle Empfehlung anzusehen.
 
Sehr positive Ergebnisse liegen auch mit der "Hella­brunner-Mi­schung" vor. Der Inhalt eines Fläschchens mit 500 mg Rompun-Trockensubstanz wird in 4 ml Ketavet (400 mg Ketamine) aufgelöst. 1 ml enthält 125 mg Xylazin und 100 mg Ketamine.
 
Dosierungsvorschläge für die "Hella­brunner-Mischung" pro Tier (in Abhängigkeit vom Gewicht):
 
Elch:1.0 - 2.0 ml
Kamel:0.5 - 1.0 ml
Steinbock:1.0 - 2.0 ml
Rothirsch:0.5 - 1.0 ml
Wildkatze*:  0.01 - 0.06 ml
Löwe*:0.5 - 3.0 ml
Auerochse0.4 - 1.5 ml
Kudu:0.5 - 1.0 ml
Reh:0.25 - 0.4 ml
Damhirsch:1.0 - 2.0 ml
Panther*:1.0 - 2.0 ml
Tiger*:0.5 - 3.0 ml
 
*Wegen der Möglichkeit des Erbrechens ist vorher Futterentzug anzuordnen.
 
Besondere Vorsichtsmassnahmen für die Anwendung bei Tieren:
Die beim Umgang mit Tieren erforderlichen Vorsichtsmassnahmen sollten auch bei hoher Dosierung nicht ausser Acht gelassen werden.
 
Das bei allen liegenden Wiederkäuern mitunter mögliche Aufblähen ist durch entsprechende Massnahmen zu beheben (z.B. Aufrichten in Brustlage, Tieflagerung von Kopf und Hals). Sedierte oder immobilisierte Tiere sollten bis zur Wiederherstellung ihres normalen Verhaltens unter Aufsicht bleiben.
 
Im Falle versehentlicher Überdosierung und damit eventuell verbundenem Aussetzen der Atmung empfehlen sich Kaltwasserduschen, künstliche Beatmung und der Einsatz eines Antidots.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Keine bekannt.
 

Vorsichtsmassnahmen

Rompun soll zwecks Vermeidung von Aborten bei hochträchtigen Tieren nicht angewendet werden.
Pferde sollten 12 Stunden vor einer Kurz- oder Inhalationsnarkose mit Ablegen gefastet werden.
 
Antidote
Es liegen Publikationen über nachfolgende Antidote vor:
Pferd:4-Aminopyridine, Yohimbin, Doxapram
Zootiere:Yohimbin (auch Katze) sowie 4‑Amino­pyridine beim Hirsch
 

Unerwünschte Wirkungen

Verminderung der Atemfrequenz, initial Anstieg des Blutdrucks, anschliessend Absinken des Blutdrucks mit Bradykardie.
 

Absetzfristen

Pferd: Essbare Gewebe: 1 Tag
 

Wechselwirkungen

Keine bekannt.
 

Sonstige Hinweise

Beim Lösungsmittel ist der Inhalt angebrochener Flaschen zu verwerfen. Lagerung unterhalb 30°C.
 
Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren!
 

Besondere Vorsichtsmassnahmen für den Anwender:

Wenden Sie sich im Falle einer versehentlichen Einnahme oder Selbstinjektion unverzüglich an einen Arzt, und legen Sie dem Arzt die Packungsbeilage vor. SETZEN SIE SICH NICHT AN DAS STEUER EINES FAHRZEUGS, da eine beruhigende Wirkung und Blutdruckveränderungen auftreten können.
 
Vermeiden Sie einen Haut-, Augen- oder Schleimhautkontakt.
 
Waschen Sie Hautbereiche, die mit dem Arzneimittel in Berührung gekommen sind, unverzüglich nach Kontakt mit reichlich Wasser.
 
Ziehen Sie kontaminierte Kleidungsstücke, die unmittelbar der Haut aufliegen, aus.
 
Sollte das Arzneimittel versehentlich in die Augen gelangen, spülen Sie sie mit reichlich frischem Wasser aus. Sollten Symptome auftreten, wenden Sie sich an einen Arzt.
 
Bei der Handhabung des Arzneimittels durch schwangere Frauen ist mit besonderer Vorsicht vorzugehen, um eine Selbstinjektion zu vermeiden, da es nach einer versehentlichen systemischen Exposition zu uterinen Kontraktionen und einem Blutdruckabfall des Fötus kommen kann.
 

HINWEIS FÜR ÄRZTE:

Bei Xylazinhydrochlorid handelt es sich um einen Alpha-2 Adrenozeptoragonisten. Als Symptome einer Resorption können u.a. klinische Wirkungen wie dosisabhängige Sedierung, Atemdepression, Bradykardie, Hypotonie, trockener Mund und Hyperglykämie auftreten. Auch ventrikuläre Arrhytmien wurden berichtet.
 
Respiratorische und hämodynamische Symptome sind symptomatisch zu behandeln.
 

Packungen

5 Flaschen mit 583 mg Trockensubstanz
(entspr. 500 mg Xylazin Base)
plus 5 Flaschen mit 10 ml Lösungsmittel.

Zulassung erloschen am: 18.11.2018

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 37'833

Informationsstand: 06/2011

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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