Dorbene® ad us. vet., Injektionslösung
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Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

Dr. E. Graeub AG

Injizierbares Sedativum für Hunde und Katzen

ATCvet-Code: QN05CM91

 

Zusammensetzung

1 ml wässrige Injektionslösung enthält:
Medetomidini hydrochloridum1 mg
Conserv.: E216 0.2 mg, E2181 mg
Natrii chloridum
Aqua ad injectabilia
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Medetomidin
 

Eigenschaften / Wirkungen

Dorbene enthält als Wirkstoff Medetomidin, ein Imidazol-Derivat. Medetomidin ist ein hoch selektiver alpha-2-Rezeptor Agonist, der die Erregungsüberleitung der Noradrenalin-übertragenen Impulse hemmt. Medetomidin wirkt an prä- und postsynaptischen alpha-2-Rezeptoren sowohl im zentralen wie auch im peripheren Nervensystem, wobei es zur Herabsetzung des Bewusstseins und zur Analgesie kommt. Diese sedative und analgetische Wirkungen von Medetomidin sind dosisabhängig.
Neben seinen sedativen, analgetischen und muskelrelaxierenden Eigenschaften besitzt Medetomidin auch eine mydriatische Wirkung, hemmt die Speichelproduktion und vermindert die Darmtätigkeit.
Die kardiovaskulären Wirkungen von Medetomidin sind sowohl zentral (Bradykardie, Abfall des Blutdrucks) als auch peripher (Erhöhung des arteriellen Blutdrucks, erhöhter Widerstand im systemischen Kreislauf). Bei Hunden können AV-Blöcke vom Typ I und II auftreten. Der initial gestiegene Blutdruck sinkt innerhalb von 15 Minuten in den Normalbereich zurück oder leicht darunter. Es kommt zu einer peripheren Vasokonstriktion, welche zu blassen oder leicht zyanotischen Schleimhäuten führen kann. Lokales Muskelzittern kann vereinzelt auftreten. Die Blutzuckerkonzentration wird erhöht. Wie bei allen anderen Sedativa kann Medetomidin die Körpertemperatur etwas herabsenken.
 

Pharmakokinetik

Medetomidin wird rasch absorbiert. Nach intramuskulärer Injektion wird die maximale Plasmakonzentration innerhalb von 30 Minuten erreicht. Im Blut zirkuliert Medetomidin grösstenteils an Plasmaproteine gebunden. Da Medetomidin lipidlöslich ist, erreicht es rasch das Zentralnervensystem. Die Ausscheidungs-Halbwertszeit beträgt 1 - 2 Stunden. Medetomidin wird in der Leber abgebaut und seine Metaboliten werden hauptsächlich im Urin ausgeschieden.
 

Indikationen

Hunde und Katzen:
-Zur Sedation und Analgesie für diagnostische und therapeutische Eingriffe (Röntgen, Zahn- und Ohrbehandlung, usw.)
-Zur Prämedikation und in Kombination mit Anästhetika zur Erreichung einer Allgemeinanästhesie.
 
Dorbene kann i.m., i.v. oder s.c. verabreicht werden. Die Wirkung tritt am schnellsten nach intravenöser, und am langsamsten nach subkutaner Applikation auf.
Bei den angegebenen Dosierungen handelt es sich um Richtwerte. Die Dosierungen sollen individuell nach Alter, Art der Indikation und Temperament des Patienten angepasst werden. Wenn nötig, kann die Dosierung wiederholt werden.
 
Sedation:
Hund:10 - 80 μg/kg KGW (0.01 - 0.08 ml/kg)
Katze:50 - 150 μg/kg KGW (0.05 - 0.15 ml/kg)
Kleine Hunderassen brauchen eine höhere Dosierung Medetomidin pro kg KGW als grosse Rassen. Bei nervösen und ängstlichen Tieren kann eine Erhöhung der Dosis notwendig sein.
 
Anästhesie:
Dorbene kann zur Prämedikation einer Allgemeinanästhesie eingesetzt werden. Medetomidin erhöht die Wirkung anderer Anästhetika, deshalb sollte deren Dosierung um 50 - 90% vermindert werden.
 

Beispiele:

Hund
Dorbene
20 ‑ 60 μg/kg KGW
(0.02 ‑ 0.06 ml/kg KGW)
Ketamin
4 mg/kg KGW
i.m., i.v., in Misch­spritze
Wirkungsdauer: 30 - 40 Minuten
Dorbene
10 ‑ 40 μg/kg KGW
(0.01 ‑ 0.04 ml/kg KGW)
Butorphanol
0.2 mg/kg KGW
S-Ketamin
2 ‑ 3 mg/kg KGW
Dorbene und Butorphanol i.m.
S-Ketamin i.v.
Einleitung einer Inha­lations­nar­kose/Kurz­nar­kose
Dorbene
20 ‑ 60 μg/kg KGW
(0.02 ‑ 0.06 ml/kg KGW)
Propofol
1 ‑ 2 mg/kg KGW
Dorbene i.m. oder i.v.,
nach ca. 10 Minuten
Propofol i.v.
Wirkungsdauer: 5 - 20 Minuten
 
Katze
Dorbene
80 ‑ 100 μg/kg KGW
(0.08 ‑ 0.1 ml/kg KGW)
Ketamin
5 ‑ 7.5 mg/kg KGW
i.m., i.v., in Mischspritze
Wirkungsdauer: 20 - 30 Minuten
Dorbene
30 ‑ 100 μg/kg KGW
(0.03 ‑ 0.10 ml/kg KGW)
S-Ketamin
3 - 6 mg/kg KGW
i.m., i.v.
Einleitung einer Inha­lations­nar­kose/Kurz­nar­kose
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
Dorbene nicht bei Tieren anwenden, die an folgenden Krankheiten leiden: Kardiopathien und Atembeschwerden.
Nicht anwenden bei Tieren mit bekannter oder vermuteter Überempfindlichkeit gegenüber einem in Dorbene enthaltenen Inhaltsstoff.
Wegen seiner emetischen Wirkung darf Medetomidin nicht an Tiere verabreicht werden, bei denen Erbrechen aufgrund eines mechanischen Hindernisses nicht möglich ist (Magendrehung, Verlegung des Oesophagus, usw.).
 
Vorsichtsmassnahmen
Sedation und Anästhesie von Tieren sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Jedes Tier sollte vorher gründlich untersucht werden. Da Medetomidin die Wirkung von anderen Sedativa und Anästhetika potenziert, sollte deren Dosierung immer reduziert werden. Medetomidin wird in der Leber metabolisiert und über die Nieren ausgeschieden. Daher können die Wirkungen von Medetomidin bei Leber- und/oder Niereninsuffizienz länger anhalten. In solchen Fällen, wie auch allgemein bei älteren und kranken Tieren sowie bei Unfallpatienten sollte die Dosierung reduziert werden.
Futter und Wasser von den sedierten Tieren fernhalten, bis sie sich vollständig erholt haben.
Da durch Medetomidin der Lidreflex unterdrückt wird, muss bei Katzen eine Salbe oder ein Gel (z.B. Tränenersatz) in die Augen appliziert werden, um der Austrocknung und Schädigung der Kornea vorzubeugen.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Mit der Sedationswirkung wird ein Abfall der Herz- und Atemfrequenz beobachtet.
Nach der Applikation werden eine Bradykardie und gelegentlich AV-Blöcke ersten und zweiten Grades sowie Extrasystolie beobachet. Es kommt zu einer Vasokonstriktion der Koronararterien und die Herzleistung ist herabgesetzt. Der Blutdruck steigt nach der Injektion zunächst an und fällt dann in den Normbereich zurück oder leicht darunter. Erbrechen kann v.a. bei der Katze innerhalb weniger Minuten nach Applikation auftreten. Katzen können auch während der Aufwachphase erbrechen.
Eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen wird bei einigen Tieren beobachtet.
Gesteigerte Diurese, Hypothermie, Atemdepression, Zyanose, Schmerzen an der Injektionsstelle und Muskelzittern können auftreten. In einzelnen Fällen kann eine reversible Hyperglykämie aufgrund reduzierter Insulinsekretion vorkommen. In sehr seltenen Fällen wurden Lungenoedeme beschrieben.
Sehr seltene Fälle von Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber Medetomidin wurden beschrieben.
Als Antagonist zu Medetomidin kann Atipamezol verwendet werden.
 

Wechselwirkungen

Medetomidin verstärkt die Wirkungen anderer Sedativa und Anästhetika.
 

Sonstige Hinweise

Mit den sedierten Tieren sollte vorsichtig umgegangen werden, da sie aggressiv reagieren können. Bei Raumtemperatur (15 - 25°C) in der Originalverpackung und vor Licht geschützt aufbewahren. Medikament ausser Reich- und Sichtweite von Kindern aufbewahren. Das Präparat darf nur bis zu dem auf der Packung mit "Exp" bezeichneten Datum verwendet werden. Aufbrauchfrist nach erster Entnahme: 28 Tage.
 

Packungen

Durchstechflasche zu 10 ml

Abgabekategorie: A

Swissmedic Nr. 57'788

Informationsstand: 05/2013

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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