Acidosan® ad us. vet., Infusionslösung
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

Vetoquinol AG

Metabolische Azidose, Hyperkaliämie, Alkalisierung des Urins bei Rindern und Pferden

ATCvet-Code: QG04BQ01

 

Zusammensetzung

1000 ml Infusionslösung enthalten:
Natrii hydrogenocarbonas 50 g, Natrii edetas, Polysorbatum 80, Polysorbatum 20, Aqua ad iniectabilia q.s.
 
 Na+ HCO3-
mval/l595,2 595,2
mmol/l595,2 595,2
g/l13,7 36,3
mosm/l 1190,4 
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Natriumbicarbonat
 

Eigenschaften / Wirkungen

Acidosan enthält die Puffersubstanz Bicarbonat (HCO3-) in einer stabilisierten Infusionslösung. Zusammen mit Kohlensäure (H2CO3) bildet Bicarbonat das wichtigste Puffersystem im Organismus. Nach Bindung überschüssiger H+-Ionen an Bicarbonat entsteht Kohlensäure, die wiederum laufend zerfällt und als Kohlendioxid (CO2) über die Lunge abgeatmet wird. Diese Abatmung ermöglicht zusammen mit der H+-Ausscheidung über die Niere die lebensnotwendige Regulation der H+-Ionenkonzentration über das Bicarbonat-Kohlensäure-System.
Eine Azidose als Folge eines Überschusses an sauren Äquivalenten im Organismus führt, sobald sie durch Pufferung nicht mehr kompensiert werden kann, zur Störung des intermediären Stoffwechsels und damit zum Tod des Organismus. Die intravenöse Zufuhr von Bicarbonat, das eine Sofortwirkung im Gegensatz zu anderen alkalisierenden Substanzen hat, ermöglicht eine augenblickliche Beeinflussung der erhöhten H+-Konzentration bzw. der Azidose.
Der zusätzliche Natriumgehalt erweist sich bei einem Defizit des extrazellulären Flüssigkeitsvolumens einschliesslich des Blutvolumens als vorteilhaft, da es über die Osmoregulation die Wasserrückresorption in der Niere fördert und so zur Volumenauffüllung führt.
Die engen Beziehungen zwischen dem Säure-Basen-Haushalt und dem Kaliumhaushalt bewirken bei Veränderungen des ersteren gleichzeitig Verschiebungen von Kalium in den extrazellulären Raum, also Hyperkaliämie, ohne dass sich der Gesamtkaliumgehalt verändern muss. Bei Bicarbonat-Zufuhr wird die so entstandene - extrazelluläre - Hyperkaliämie durch K+-Verschiebung in den intrazellulären Raum rückgängig gemacht. Damit kann bei gleichzeitig mit der Azidose bestehendem Elektrolytverlust, wie er z.B. bei Diarrhoe besteht, auch der K+-Bestand durch Elektrolytzufuhr wieder normalisiert werden, ohne dass die K+-Infusion zu Störungen führt.
 

Indikationen

Metabolische Azidose
Diarrhoe, insbesondere von Jungtieren (Kälberdiarrhoe)
Metabolische Azidose der Neugeborenen
Pansenazidose beim Rind
Renale Azidose (Urämie)
Schock mit bestehender Azidose
Salizylatvergiftung
 
Alkalisierung des Urins
Zur Vermeidung der Ausfällung von Eiweiss bzw. von Kristallen in den Nierentubuli bei
Hämoglobinurie, Myoglobinurie (Lumbago, Kreuzschlag)
Sulfonamid-Kristallurie
Barbituratintoxikation (zur Förderung der Barbitursäureausscheidung, evtl. kombiniert mit Mannitolbehandlung)
Hyperkaliämie
 
In Notfallsituationen bzw. bei fehlenden Laboruntersuchungen ist eine Behandlung, die sich an den klinischen Symptomen orientiert, angezeigt. Je nach Schwere der bestehenden Störung wird sofort energisch durch langsame intravenöse Applikation bzw. Tropfinfusion behandelt, um das Alkalidefizit innerhalb der ersten 24 Stunden zu ca. 50% zu kompensieren. Danach muss aufgrund der klinischen Beurteilung bzw. aufgrund von Laboruntersuchungen nachdosiert werden, wobei die volle Korrektur des Alkalidefizits innerhalb von 48-72 h erfolgen sollte.
 
Die Berechnung des Alkalibedarfs nach Bestimmung des negativen Basenüberschusses (-BU) erfolgt nach folgender Formel:
 
-BU × 0,3 × Körpergewicht (kg)= mval benötigte Base
= mmol benötigte Base
 
respektive
 
-BU × 0,5 × Körpergewicht (kg)= ml Acidosan
 
Am 1.Tag sollten 50% des Alkalidefizits ausgeglichen werden, der Rest innerhalb von 48-72h.
 
Schätzung des negativen Basenüberschusses (-BU) nach dem Schweregrad der Urämie bei Niereninsuffizienz (nach R.W. Kirk VII, 1980):
 
Urämiegradgeschätzter -BU (mval/l)
mild5
mittel10
schwer15
 

Richtdosierungen

Kälberdiarrhoemittelgradig: 200 - 300 ml/Kalb
hochgradig: 500 - 1000 ml/Kalb
Rind/Azidose500 - 2000 ml/Kuh
Pferd/Kreuzschlag200 - 400 ml/100 kg KGW
 
Langsam i.v., bei hochgradiger Azidose zweite Hälfte der Dosis möglichst als Tropfinfusion applizieren.
 
Die Applikation hat streng intravenös zu erfolgen; dabei sind grosse Venen zu verwenden. Stehen ausschliesslich kleine Venen zur Verfügung, kann durch eine 3,6fache Verdünnung mit Aqua dest. eine isotonische Lösung (333 mosm/l bzw. 1,4% NaHCO3-Lösung) hergestellt werden.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Schwere Herz- und Niereninsuffizienz stellen eine relative Kontraindikation wegen der Natriumzufuhr dar.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Keine
 

Sonstige Hinweise

Bei gleichzeitig gestörtem Wasserhaushalt ist das Wasserdefizit auszugleichen. Dazu kann Acidosan durch Zugabe von Aqua destillata (1 Teil Acidosan + 2,6 Teile Aqua dest.) zur isotonischen Lösung verdünnt werden.
 
Der Inhalt angebrochener Flaschen ist zu verwerfen.
 
Bei Raumtemperatur (15 - 25°C) lagern
 
Medikament zum Schutz der Kinder sicher aufbewahren.
 
Nach Ablauf des Verfalldatums (EXP) nicht mehr verwenden.
 

Packungen

Infusionsflasche zu 500 ml

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 43'694

Informationsstand: 10/2013

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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