Hyperici herba; Herba hyperici - Veterinärmedizin
Arzneipflanzen
Phytotherapie
 

Anwendungen

Anerkannte tiermedizinische Anwendung

-In einer Studie an Pferden konnte gezeigt werden, dass ein Hypericum perforatum-Öl die Wundheilung signifikant förderte (Song et al., 2015).
 

Ethnoveterinärmedizinische Studien

Gemäss einer Übersichtsarbeit zu ethnoveterinärmedizinischen Studien Europas werden die Blüten, die oberirdischen Teile und die Wurzeln von Hypericum perforatum bei Rindern, Schafen, Pferden und Hunden als Dermatologikum, bei Rindern und Hunden bei muskuloskelettalen Problemen, bei Rindern und Ziegen bei Problemen des Urogenitaltraktes sowie bei Rindern und Schafen bei alimentären und metabolischen Störungen eingesetzt (Mayer et al., 2014).
 

Traditionelle Anwendung

-Innerlich bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Durchfall, Angst und Unruhe, Bronchitis (Aichberger et al., 2012).
-Innerlich bei dyspeptischen Beschwerden, Durchfall und Enteritis (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Äusserlich zur Behandlung von Wunden, Verbrennungen, Geschwüren, Insektenstichen, Narbenschmerzen und rheumatischen Beschwerden (Aichberger et al., 2012; Reichling et al., 2016).
-Äusserlich bei Schürfwunden, scharfen und stumpfen Verletzungen, Verbrennungen 1. Gards und Myalgien (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
-Äusserlich für Mundspülungen, z.B. bei Gingivitis und Stomatitis beim Hund (Reichling et al., 2016).
 

Dosierung

Innerliche Anwendung
 Johanniskraut/Tag (in g Droge/Tag)Johanniskrautöl (Droge/Tag)
Rind10-20-602-3 ml/500 kg KGW
Pferd5-10-202-3 ml/500 kg KGW
Ziege, Schaf1-3-820 Tropfen/100 kg KGW
Schwein1-3-820 Tropfen/100 kg KGW
Hund0.5-13 Tropfen/10 kg KGW
Geflügel 3 Tropfen/10 kg KGW
KGW = Körpergewicht
(Aichberger et al., 2012; Brendieck-Worm & Melzig, 2018)
 

Zubereitung

Innerliche Anwendung
-In Form einer Abkochung (1 Teil Johanniskraut + 15 Teile Wasser) oder als ölige Zubereitung (10-15 Tropfen auf ½ Liter Wasser); ölige Zubereitung bei Leibschmerzen, Koliken, Darmentzündungen und Lungenverschleimung (Aichberger et al., 2012).
Als Antidepressivum beim Kleintier:
-Tee: 50-100 ml/10 kg Körpergewicht, auf mehrere Gaben über den Tag verteilt.
-Pulver: 50 mg/kg Körpergewicht, 2mal täglich.
-Trockenextrakt: 4-6 mg/kg Körpergewicht, 2-3mal täglich.
-Tinktur: 2 Tropfen/kg Körpergewicht, 2-3mal täglich.
(Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
Zur Unterstützung nervöser, ängstlicher und stressanfälliger Tiere:
-Ergänzungsfuttermittel mit Hopfen, kombiniert u.a. mit Baldrian, Grünem Hafer, Grüntee, Johanniskraut, Lavendel, Melisse und Passionsblume (Brendieck-Worm & Melzig, 2018).
 
Äusserliche Anwendung
-Johanniskrautöl (Olivenöl-Mazerat der Blüten) sowie Johanniskraut in Form von Abkochungen (1:10 bis 1:20); Abkochung (1:10 bis 1:20) oder Aufguss mit 190,0 Wasser und 10,0 Johanniskraut zur Mundspülung beim Hund mit Stomatitis, die Spülungen müssen mehrmals täglich wiederholt werden (Reichling et al., 2016).
 

Hinweise

-Unerwünschte Wirkungen: bei Weidetieren tritt nach Aufnahme von frischem oder getrockneten Johanniskraut und darauffolgender Sonneneinstrahlung, infolge des Hypericins, an pigmentarmen Stellen eine Photosensibilierung auf, die sich in einer mit Blasen und Juckreiz verbundenen Entzündung äussert (Aichberger et al., 2012; Reichling et al., 2016).
-Kontraindikationen: Immunsuppressiva und Antikoagulanzien (Hänsel & Sticher, 2010).
-Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten, die durch CYP3A4 metabolisiert oder durch P-Glykoprotein transportiert werden, Alprazolam, Amsacrin, Amitriptylin, Amphetamin, Anästhetika, Antikoagulanzien, Carbamazepin, Cyclosporin, Dextromethorphan, Etoposid, Fenfluramin, Fexofenadin, Herzglykosiden, L-Tryptophan, Lithium, MAO-Hemmern, Methylxanthinen, Mianserin, Midazolam, Moclobemid, Morphin, Nevirapin, Nifedipin, nichtnukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren, Nortriptylin, oralen Kontrazeptiva, Phenprocoumon, photosensibilisierenden Medikamenten, Proteaseinhibitoren, Reserpin, Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, Sildenafil, Simvastatin, Tolbutamid, Tramadol, Trazodon, trizyklischen Antidepressiva und Venlafaxin (Wynn & Fougère, 2007).
 

Toxizität

-Schwere Hautentzündungen ab 3 g frischem Johanniskraut/kg Körpergewicht (Aichberger et al., 2012).
 

Fertigpräparate

Siehe unter Tierarzneimittel und Veterinärprodukte, Futtermittel & Zusatzstoffe. Die getrocknete und gepulverte Droge sowie Extrakte sind in Arzneibuchqualität im Fachhandel erhältlich (Pharmavista, 2018).
 

Gesetzliche Vorschriften, Doping

Rückstandsregelungen

-TAMV: Hyperici oleum ist auf der Liste 2/Anhang 2 aufgeführt, darf bei Nutztieren topisch eingesetzt werden, erfordert keinen Rückstandshöchstgehalt.
-European Feed Materials Register (momentan für die Schweiz nicht gültig): Hyperici herba (Kraut, geschnitten, gemahlen, Tabletten, Pellets, Öl-Suspension, Konzentrat, Extrakt, Filtrat) ist registriert unter 01717-DE (2011-04-26), 04046-DE (2013-09-13), 07093-DE (2017-09-11), 07529-DE (2018-05-07) und 03590-EN (2013-04-17).
 

Doping

Johanniskraut ist keine dopingverdächtige Substanz.
Die Dopingrelevanz von Pflanzen ändert sich kontinuierlich. Die aktuellen Daten zum Pferdesport (FEI) sind ersichtlich unter der Liste der verbotenen Substanzen.
 
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