| 3.1 | Allgemeinzustand, Verhalten |
| Ataxie, Durst, Depression, Lethargie, Koma, Dehydratation, Hypothermie |
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| 3.2 | Nervensystem |
| Muskelzuckungen, Krämpfe |
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| 3.3 | Oberer Gastrointestinaltrakt |
| Erbrechen; Erosionen in der Mundhöhle, die Hypersalivation auslösen |
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| 3.4 | Unterer Gastrointestinaltrakt |
| Kolik, schmerzhafte Nieren |
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| 3.5 | Respirationstrakt |
| Keine Symptome |
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| 3.6 | Herz, Kreislauf |
| Keine Symptome |
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| 3.7 | Bewegungsapparat |
| Keine Symptome |
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| 3.8 | Augen, Augenlider |
| Keine Symptome |
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| 3.9 | Harntrakt |
| Polyurie, Oligurie, Anurie |
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| 3.10 | Fell, Haut, Schleimhäute |
| Schleimhauterosionen und -ulcerationen |
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| 3.11 | Blut, Blutbildung |
| Keine Symptome |
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| 3.12 | Fruchtbarkeit, Jungtiere, Laktation |
| Keine Symptome |
| - | Blutchemie: Urämie, erhöhte Kreatinin-Werte, metabolische Azidose (Bicarbonat erniedrigt, erhöhter Anionenüberschuss), Hyperphosphatämie, Hyperkaliämie, Hypokalzämie, Hyperglykämie. |
| - | Erhöhung der Serum-Osmolarität (Normalwert: 280-310 mOsm/kg), erhöhter Hämatokrit. |
| - | Harnuntersuchung: spezifisches Gewicht erniedrigt, Hämaturie, Proteinurie, Calciumoxalat-Kristalle. |
| - | Sofortige Gabe von Ethanol. In der Praxis hat sich bei Hunden die perorale Gabe von Wodka bewährt (Fallberichte von Tox Info Suisse, 2016). |
| - | Die Antidottherapie muss während der ersten 5 Stunden nach Giftaufnahme eingeleitet werden, da bereits 6 Stunden nach Einnahme von Ethylenglycol die Bildung von Calciumoxalatkristallen in den Nieren einsetzt. |
| - | Ethanol verhindert die Metabolisierung des Ethylenglykols in toxische Metaboliten durch kompetitive Hemmung der Alkoholdehydrogenase. |
| - | Die Serum-Ethanolkonzentration sollte mindestens 50 mg/dL (11 mmol/L) betragen. Mit den folgenden Dosierungsempfehlungen wird eine Ethanol-Serumkonzentration von 50-100 mg/dL erreicht. Die geschätzte Serum-Ethanolkonzentration beim Hund kann mit der Widmark-Formel für Menschen berechnet werden: Blutalkoholkonzentration (in Promille) = A/(p x r); A = aufgenommener Alkohol in Gramm, p = Körpergewicht in Kilogramm, r = Reduktionsfaktor, der beim Mann 0,7 und bei der Frau 0,6 beträgt. Im Schnitt werden 0.1-0.2 g Alkohol pro kg Körpergewicht und Stunde abgebaut. Der Abbau beginnt 2 Stunden nach Einnahme. |
| - | Vorsicht: Bolusinjektionen i.v. oder i.p. können atemdepressiv wirken. |
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| ● | Ethanol-Dosierungen Hund: |
| - | Peroral: 2.5 ml/kg Körpergewicht 40%iger Alkohol (z.B. Wodka), verdünnt in physiologischer Kochsalzlösung oder 5%iger Glucoselösung (Alkohol kann eine Hypoglykämie verursachen), sofort verabreichen, nach 3, 7, 14 und 24 Stunden wiederholen (Grauer et al., 1987). |
| - | Intravenös als Bolus: 5.5 ml/kg Körpergewicht 20% Ethanol in physiologischer Kochsalzlösung oder 5%iger Glucoselösung (Alkohol kann eine Hypoglykämie verursachen) i.v., 5-mal im Abstand von 4 Stunden, dann 4-mal im Abstand von 6 Stunden. Cave: kann atemdepressiv wirken (Thrall et al., 2013). |
| - | Intravenös als Dauertropf: 1.3 ml/kg Körpergewicht 30% Ethanol in physiologischer Kochsalzlösung oder 5%iger Glucoselösung i.v. als Bolus, gefolgt von einer Dauerinfusion mit 0.42 ml/kg/Stunde 30% Ethanol während 48 Stunden (Thrall et al., 2013). |
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| ● | Ethanol-Dosierungen Katze: |
| - | Intravenös als Bolus: 5.0 ml/kg Körpergewicht 20% Ethanol i.v. in physiologischer Kochsalzlösung; 5-mal im Abstand von 6 Stunden, dann 4-mal im Abstand von 8 Stunden. Cave: kann atemdepressiv wirken (Thrall et al., 2013). |
| - | Intravenös als Dauertropf: 1.3 ml/kg Körpergewicht 30% Ethanol in physiologischer Kochsalzlösung i.v. als Bolus, gefolgt von einer Dauerinfusion mit 0.42 ml/kg/Stunde 30% Ethanol während 48 Stunden (Thrall et al., 2013). |
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| - | Alternative: 4-Methylpyrazol (Fomepizol) hemmt die Alkoholdehydrogenase über einen kompetitiven Mechanismus mit grösserer Affinität als Ethanol und hat weniger Nebenwirkungen als Ethanol. |
| ● | Fomepizol-Dosierung Hund: |
| - | 20 mg/kg Körpergewicht i.v. initial als Bolus, dann 15 mg/kg Körpergewicht i.v. 12 Stunden und 24 Stunden nach der Initialdosis, dann 5 mg/kg i.v. 36 Stunden nach der Initialdosis. Bei Bedarf können weitere Verabreichungen im Abstand von 12 Stunden durchgeführt werden (Thrall et al., 2013). |
| ● | Fomepizol-Dosierung Katze: |
| - | 125 mg/kg Körpergewicht i.v. initial, dann 31.25 mg/kg Körpergewicht 12, 24 und 36 Stunden nach der Initialdosis. Bei Bedarf können weitere Verabreichungen im Abstand von 12 Stunden durchgeführt werden. Bei Katzen ist die Fomepizol der Ethanol-Therapie vorzuziehen, da die Überlebensrate höher ist (Thrall et al., 2013). |
| 8.1 | Ein Golden Retriever (3 Jahre, Rüde) hatte seit 3 Tagen Anorexie, Apathie, jetzt akutes Nierenversagen. |
| Labor: Hoher Hämatokrit, Urämie, Verschiebungen der Serumelektrolyte, Hyperglykämie. |
| Therapie: Symptomatische Behandlung |
| Verlauf: Exitus |
| Sektion: Nierennekrosen mit Calciumoxalatablagerungen. |
| (Fuhrer & George, 1989). |
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| 8.2 | Ein Hundewelpe (4 Monate) wird vorgestellt mit Erbrechen, Hypothermie, Depression, Ataxie, Parese der Hintergliedmassen. |
| Therapie: Symptomatisch |
| Verlauf: Exitus innerhalb kurzer Zeit. |
| Sektion: Calciumoxalatkristalle in der Nierentubuli und Gefässen des Gehirns |
| (Dietz et al., 1993). |