Krankheitsbild / Symptomatik / Risikofaktoren

Diagnose / Tests

Therapieleitlinien

Grundsätzliches

Therapiebeginn: Bei nicht vorbehandelten Patienten kann eine empirische Antibiotikatherapie bei entsprechender klinischer Symptomatik und Nachweis von Bakterien im Sediment einer steril gewonnenen (Zystozentese-) Harnprobe gestartet werden. Die empirische Therapie kann dann entsprechend der Kulturresultate angepasst werden. Ein Abwarten der Kulturresultate vor Start der Antibiotikatherapie ist häufig möglich - und dringend angeraten bei Patienten mit Verdacht auf persistierende Harnwegsinfektionen, die bereits vorbehandelt sind und somit ein höheres Risiko einer Infektion mit einem resistenten oder multi-resistenten Keim haben. In diesen Fällen kann eine anti-inflammatorische Therapie die Wartezeit überbrücken.
 
Therapiedauer: In bisherigen Guidelines wurde eine Therapiedauer von 7 - 10 Tagen empfohlen. Trotz bisher weniger Therapiestudien bei Hunden und Katzen wurde in Anlehnung an die Humanmedizin, in den neuen ISCAID Guidelines die empfohlene Therapiedauer auf 3 - 5 Tage verkürzt.
 

Antibiotika

Sporadische Zystitis
Priorisierung/AntibiotikaDosierungBehandlungsdauerBemerkung
First Line   
Amoxicillin11 - 15 mg/kg p.o. 2 - 3 × tgl., je nach Klinik3 - 5 Tage 
Cephalexin20 - 30 mg/kg p.o. 2 × tgl.3 - 5 Tage 
Second Line   
Amoxicillin/Clavulansäure11 - 20 mg/kg p.o. 2 - 3 × tgl.3 - 5 Tage 
Trimethoprim/Sulfadiazin oder
Trimethoprim/Sulfamethoxazole
15 mg/kg s.c. 2 × tgl.3 - 5 Tage 
Stark eingeschränkter Einsatz,
sind kritische Antibiotika und
daher für Initialtherapie nicht geeignet,
nur nach Antibiogramm
   
Fluorchinolone und 3. - 4.
Generation Cephalosporine
   Die routinemässige Gabe von langzeitwirksamen kritischen Antibiotika (z.B. Convenia®)
aufgrund der Einfachheit der Verabreichung ist wegen des hohen Risikos der Selektion multi-resistenter Keime kontraindiziert
 
Follow up: Bei fehlendem Ansprechen auf die Therapie innerhalb von 48 h müssen weiterführende Untersuchungen eingeleitet werden, um eine bakterielle Zystitis zu bestätigen oder komplizierende Faktoren (z.B. Präsenz von Urolithen, Medikament nicht gegeben) auszuschliessen. Ein Wechsel zu einem anderen Antibiotikum ist in solchen Fällen nur bei Nachweis von Bakterien, die gegen die empirische Therapie resistent sind, indiziert.
 
Werden intakte Rüden ohne klinische Zeichen einer Prostatamitbeteiligung gegen sporadische Zystitiden behandelt, sollte eine harnbakteriologische Nachkontrolle 5 - 7 Tage nach Abschluss der Antibiotikatherapie unbedingt durchgeführt werden und falls positiv, sollte die Prostata weiter abgeklärt werden.
 
Wenn in der initialen Kultur Keime mit Resistenzen gegen die empirische Therapie nachgewiesen werden, sollte das Antibiotikum entsprechend Antibiogramm angepasst werden, ausser es ist eine deutliche klinische Besserung bereits eingetreten.
 
Eine Harnuntersuchung und Harnkultur nach Abschluss der Therapie sind nicht notwendig, wenn die klinischen Symptome vollständig abgeklungen sind.
 

Resistenzlage

Nicht untersucht. Es ist sinnvoll, die Resistenzlage in der eigenen Praxis zu monitoren und die Wahl der empirischen Therapie darauf abzustimmen.
 

Prävention

Über die Effektivität unterstützender Maßnahmen wie Futterergänzungsmittel und biotherapeutischer Produkte liegen im Moment beim Kleintier nur wenige Studien vor.
 

Unterstützende Massnahmen

- Analgetische Therapie z.B. NSAIDs bei gut hydrierten Tieren mit ungestörter Nierenfunktion.
- Blasenspülungen mit antibiotikahaltigen Lösungen sind aufgrund des fehlenden Nachweises der Wirksamkeit und möglichen Komplikationen wie iatrogenen Infektionen und Trauma durch Katheterisation sowie Reizung der Blasenschleimhaut nicht angeraten.
 
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