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Lokale Nebenwirkungen

Intramuskuläre / intravenöse Injektion

Vor allem bei jungen Kälbern kann es aufgrund der geringeren Muskelmasse zu Reizungen an der Injektionsstelle kommen. Deshalb ist bei Kälbern eine s.c. oder i.v.-Applikation zu bevorzugen. Bei Pferden sollte Enrofloxacin, falls erforderlich, oral oder i.v. verabreicht werden (Kaartinen 1997a; Kaartinen 1997b).
Allgemein sollte eine i.v.-Injektion von Enrofloxacin bei Rindern, Pferden, Schweinen und Geflügel vorsichtig durchgeführt werden, da es sehr alkalisch ist (Nakamura 1995a).
 
Bei Reptilien kann es nach intramuskulärer Applikation zu schweren Muskelnekrosen kommen (Fitzgerald 2006a). Ebenso können beim Elefanten vor allem nach mehreren intramuskulären Injektionen sterile Abszesse, Muskelnekrosen und Entzündungen auftreten (Sanchez 2005a).
 

Systemische Nebenwirkungen

Gastrointestinaltrakt

Vereinzelt können gastrointestinale Störungen, wie Erbrechen, Durchfall oder Anorexie auftreten (Kroker 1999b; Spoo 1995a).
 
Beim Menschen sind gastrointestinale Reaktionen die häufigste Nebenwirkung während einer Therapie mit Quinolonen. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Diarrhoe und Geschmacksstörungen können beobachtet werden (Stahlmann 1999a; Owens 2005a).
 

Bewegungsapparat (Arthropathien / Tendopathien)

Quinolone haben toxische Effekte auf den immaturen Gelenksknorpel bei allen bis jetzt untersuchten Tierspezies. Bei Neugeborenen und sehr jungen Tieren kann der Knorpel der Epiphysenfuge ebenfalls geschädigt werden. Adulter Gelenksknorpel ist hingegen wesentlich weniger empfindlich. Die für eine knorpelschädigende Wirkung benötigten Dosierungen liegen im therapeutischen Bereich: aus diesem Grund sind Quinolone bei pädiatrischen Patienten kontraindiziert (Stahlmann 1999a).
 
Quinolone können auch Tendopathien verursachen (Stahlmann 1999a; Owens 2005a; van der Linden 1999a). 1991 wurde erstmals eine Fluoroquinolon-assozierte Sehnenruptur beim Menschen beschrieben. Als frühes Symptom einer Tendopathie kommt es zu einem kongestiven und/oder entzündlichen Ödem (Sehne schmerzhaft und geschwollen). Diese Veränderungen treten in 50% der Fälle bilateral auf und können mehrere Wochen oder Monate bestehen bleiben. Im weiteren Verlauf, insbesondere wenn therapeutische Massnahmen unterbleiben, kann es zur Ruptur der Sehne kommen. Betroffen sind überwiegend Patienten über 60 Jahre, Patienten, welche gleichzeitig Kortikosteroide einnehmen und im Training stehende Athleten. Die Zeit zwischen der Behandlung mit Quinolonen und dem Auftreten der Tendopathie liegt zwischen 1 - 152 Tagen (Stahlmann 1999a; Owens 2005a). Das Potential eine Tendopathie auszulösen, ist innerhalb der Fluoroquinolone unterschiedlich: sehr gross ist es bei Pefloxacin (Inzidienz 2,7%) und Fleroxacin (Kashida 1997a) bzw. Ofloxacin (van der Linden 1999a). Hingegen können mit Ciprofloxacin, Norfloxacin und Tosufloxacin bei juvenilen Ratten auch in hohen Dosierungen keine toxischen Effekte auf die Sehnen beobachtet werden (Kashida 1997a).
 

ZNS-Symptome

Bei einigen Tieren wurden Empfindlichkeitsreaktionen und ZNS-Symptome beobachtet. Chinolone dringen schnell durch die Bluthirnschranke und binden an die γ-Aminobuttersäurerezeptoren (GABA) im Gehirn. Sie hemmen so den Neurotransmitter, wodurch es zu Krämpfen kommt. Dies kann mit Diazepam therapiert werden (Plumb 1999a; Bertone 2000a).
 
Bei Pferden wurden bei einer i.v. Dosierung von 15 - 25 mg/kg vorübergehende neurologische Symptome, wie Muskelzucken oder erhöhte Reizbarkeit beobachtet, welche innerhalb von 10 Minuten komplett verschwanden. Eine Verdünnung und langsame Injektion dient zur Vorbeugung (Bertone 2000a).
 
Auch beim Menschen sind neurologische Nebenwirkungen bei einer Therapie mit Quinolonen bekannt. Milde neurotoxische Reaktionen sind z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Sehstörungen, Ruhelosigkeit und Alpträume, die Inzidenz beträgt 1 - 2%. Schwere neurologische Effekte, wie Psychosen, Halluzinationen, Depressionen und Konvulsionen sind selten (<0,5%). Junge, weibliche Patienten sind häufiger betroffen. Der genaue Mechanismus der ZNS Toxizität ist noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise kommt es aufgrund struktureller Ähnlichkeiten zwischen bestimmten Gruppen an Position 7 des Quinolon-Ringes und der GABA zu einer Vedrängung von GABA an den Rezeptoren im ZNS und somit zu einer Stimulation (Stahlmann 1999a; Owens 2005a).
 

Hautreaktionen, Phototoxizität

Beim Menschen kann es zu kutanen Überempfindlichkeitsreaktionen, in Form von Erythemen, Pruritus, Urtikaria und Hautauschlag, kommen. Die Inzidienz ist jedoch gering (<1%) (Stahlmann 1999a; Owens 2005a).
Phototoxizität kann durch alle Quinolone verursacht werden, es bestehen jedoch signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Wirkstoffen. Insbesondere Quinolone mit einem zusätzlichen Fluorin-Atom an Position 8 besitzen ein hohes Potential phototoxische Reaktionen auszulösen. Klinisch kann es von milden Erythemen bis zu schweren bullösen Eruptionen auf der sonnenexponierten Haut kommen. Es wird empfohlen sich während einer Therapie mit Quinolonen vor dem Sonnenlicht und vor künstlicher UVA-Strahlung zu schützen (Stahlmann 1999a).
 

Urogenitaltrakt

Da der Metabolit Ciprofloxacin eine Kristallurie auslösen kann, sollte eine Dehydratation des Patienten oder eine zu hohe Dosis bei alkalischem Urin vermieden werden (Krasula 1991a; Plumb 1999a).
 
Bei Graupapageien trat während der Behandlung mit Enrofloxacin PU/PD auf. Nach dem Absetzen normalisierte sich die Wasseraufnahme innerhalb kurzer Zeit (Flammer 1991a).
© {{ new Date().getFullYear() }} - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie

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