mdi-magnify Wirkstoff Suchen Tierarzneimittel Produkte & Futter


mdi-book-open-variant Impressum mdi-help Hilfe / Anleitung mdi-printer Webseite ausdrucken mdi-bookmark Bookmark der Webseite speichern mdi-magnify Suche & Index Wirkstoffe mdi-sitemap Sitemap CliniPharm/CliniTox-Webserver mdi-home Startseite CliniPharm/CliniTox-Webserver mdi-email Beratungsdienst: Email / Post / Telefon

Absorption

Oxfendazol, ein 5(6)-aromatisch substituiertes Benzimidazol, unterliegt nach oraler Verabreichung einer langsamen, aber umfangreichen Resorption. Auch beim Wiederkäuerwerden bis zu 50% der Dosis resorbiert (Hennessy 1992a).
 
Nach oraler Verabreichung wird im Pansen ein Gleichgewicht zwischen in Flüssig- und Partikulärphase verteilten Oxfendazol hergestellt. Dies geschieht durch passive Adsorption und Desorption und ist nach 2 - 3 Stunden abgeschlossen (Hennessey 1994a). Danach hat die Passagegeschwindigkeit des Digestas durch den Gastrointestinaltrakt grossen Einfluss auf die Absorption und Bioverfügbarkeit von Oxfendazol und seinen Metaboliten (Hennesey 1994a; Ali 1992b). Eine verlangsamte Passage durch den Gastrointestinaltrakt erhöht die Absorptionsrate und die Kontaktzeit mit den Parasiten und damit die Wirksamkeit von Oxfendazol (Ali 1995b).
 
Bei Wiederkäuern stellt der Pansen ein Reservoir für noch ungelöstes Oxfendazol dar. Durch sein grosses Volumen und die lange Verweildauer des Digestas verlangsamt er die Passagegeschwindigkeit und verlängert somit die zur Absorption zur Verfügung stehende Zeit (Lanusse 1993b; Baggot 1994a). Durch direkte abomasale Verabreichung z.B. bei Auslösung des Schlundrinnenreflexes sinkt die totale Absorptionsrate und damit die Bioverfügbarkeit, da die Persistenzzeit von Oxfendazol im Gastrointestinaltrakt vermindert wird (Baggot 1994a; Prichard 1981a; Bogan 1983a).
 
Nach pour-on-Applikation wird Oxfendazol über die Haut resorbiert (Demuth 1995a).
 

Metabolismus

In der Leber und im Pansen wird resorbiertes Oxfendazol teilweise zum ebenfalls wirksamen Thiometaboliten Fenbendazol reduziert. Dieser Vorgang ist reversibel, sodass Fenbendazol in der Leber auch wieder zu Oxfendazol oxidiert werden kann. In einem weiteren, langsam ablaufenden Schritt wird Oxfendazol in der Leber irreversibel zum Sulfonmetaboliten oxidiert. Dieser Sulfonmetabolit ist nicht anthelminthisch aktiv (Virkel 1997a; Averkin 1975a).
Muttersubstanz und Metaboliten werden zu etwa 60% über die Galle in den Darm zurücksezerniert. Dadurch werden besonders beim Wiederkäuer lange anthelminthisch wirksame Konzentrationen aufrechterhalten (Hennessy 1992a).
 

Wirkstoffspiegel

Die Höhe der maximalen Plasmakonzentrationen von Oxfendazol nach oraler Administration ist abhängig von der Dosis. Es besteht eine positive lineare Korrelation zwischen der maximalen Plasmakonzentration und der Dosierung im Bereich von 0 - 20 mg/kg als Einzeldosis (Bogan 1987a).
 

Maximale Plasmakonzentration

Rind:nach 4,5 mg/kg p.o.: 0,1 µg/ml (Fenbendazol); 0,2 µg/ml (Oxfendazol) bzw. 0,13 µg/ml (Sulfon) (Ngomyuo 1984a)
  
Ziege:nach 5 mg/kg p.o.: 0,28 µg/ml (Oxfendazol) (Bogan 1987a)
nach 10 mg/kg p.o.: 0,5 µg/ml (Oxfendazol) (Bogan 1987a)
 

Zeitpunkt der maximalen Plasmakonzentration

Rind:nach 4,5 mg/kg p.o.: 36 h (Fenbendazol und Oxfendazol) bzw. 72 h (Sulfon) (Ngomyuo 1984a)
Nach pour-on-Applikation werden die maximalen Plasmakonzentrationen nach ca. 40 - 60 Stunden erreicht (Demuth 1995a).
  
Ziege:nach 5 mg/kg p.o.: 12 h (Oxfendazol) (Bogan 1987a)
nach 10 mg/kg p.o.: 30 - 40 h (Oxfendazol) (Bogan 1987a)
  
Schaf:Nach oraler Gabe werden beim Schaf 30 h nach Applikation maximale Plasmakonzentrationen erreicht. Oxfendazol kann bis zu 7 Tage im Plasma nachgewiesen werden (Marriner 1981a).
Maximale Konzentrationen im Abomasum werden 20 h nach Applikation gemessen und sind bis zu 9 Tage feststellbar (Marriner 1981a; Prichard 1987a).
 

AUC (area under plasma concentration time curve)

Ziege:nach 10 mg/kg p.o.: 19,9 µg/ml●h (Bogan 1987a).
  
Rind:Bei Rindern beträgt die prozentuale Verteilung der AUC-Werte der drei Hauptmetaboliten 11% für Fenbendazole, 54% für Oxfendazole und 35% für Fenbendazolsulfon (Prichard 1985b).
  
Schaf:Beim Schaf findet man 7% für Fenbendazol, 71% für Oxfendazol und 24% für Oxfendazolsulfon (Lanusse 1995b).
 

Plasmahalbwertszeiten

Schaf:orale Gabe: 28 h (Marriner 1981a); Bei oraler Gabe von 10 mg/kg kann ca. 150 h nach Applikation kein Oxfendazol mehr im Plasma nachgewiesen werden (Bogan 1987a).
  
Ziege:Bei oraler Gabe von 5 mg/kg bzw. 10 mg/kg kann ca. 60 bzw. 70 h nach Applikation kein Oxfendazol mehr im Plasma nachgewiesen werden (Bogan 1987a).
 

Biologische Halbwertszeit

Rind:Die biologische Halbwertszeit von Oxfendazol im Rind beträgt 24 - 26 Stunden (Anderson 1979a).
 

Eliminationshalbwertszeiten

Schaf:Nach intravenöser Injektion von Oxfendazol beträgt die Eliminationshalbwertszeit für Ausgangssubstanz Oxfendazol 7,5 h (Bogan 1987a).
Ziege:Nach intravenöser Injektion von Oxfendazol beträgt die Eliminationshalbwertszeit für Ausgangssubstanz Oxfendazol 5,25 h (Bogan 1987a).
 

Verteilung

Oxfendazol besitzt ein grosses Verteilungsvolumen und ist auch in der Lunge und in den Atemwegen zu finden (Ungemach 1994b).
 

Elimination

Die Ausscheidung von Oxfendazol und seine Metaboliten erfolgt zu ca. 80% mit dem Kot und zu weniger als 1% mit der Milch (Ungemach 1994b).
 

Speziesunterschiede

Rinder und Ziegen verfügen über eine höhere Metabolisierungskapazität für Oxfendazol als das Schaf (Baggot 1994a). Das heisst, dass Lebermetabolismus und Elimination wesentlich schneller ablaufen. Folge davon sind niedrigere Plasmakonzentrationen und geringere Bioverfügbarkeit des Oxfendazols bei Rindern und Ziegen als beim Schaf, was eine höhere Dosierung bei diesen Spezies nötig macht (Delatour 1984b; Bogan 1987a; Hennessy 1993b).
 
Grosse Unterschiede bestehen in der Pharmakokinetik von Oxfendazol zwischen Wiederkäuern und monogastrischen Spezies.
Die orale Bioverfügbarkeit im Pferd ist wesentlich geringer als in Rind, Schaf oder Ziege (Marriner 1985b). Dies liegt an der schnelleren Magen-Darm-Passage im Vergleich zum Wiederkäuer. Ausserdem unterliegt Oxfendazol im Pferd einer relativ schnellen Umwandlung zum Sulfonmetaboliten (Marriner 1985b).
 

Einflussfaktoren auf das pharmakokinetische Verhalten

Zubereitung

Bei Verabreichung in öliger Zubereitung erhöht sich die Absorptionsrate und somit die maximale Plasmakonzentration des Oxfendazols (Ali 1992a).
 

Fütterung

Bei Wiederkäuern kommt es bei einer Verringerung der Futtermenge zur Verlangsamung der Magen-Darmpassage des Digesta und somit zur Erhöhung der Residenzzeit von Oxfendazol und seinen Metaboliten, deren Absorptionsrate und Bioverfügbarkeit (Ali 1993b; Ali 1995b). Es wird eine Restriktion des Futters für 36 Stunden vor und nach Behandlung von wiederkäuenden Spezies mit Oxfendazol empfohlen (Ali 1995a; Ali 1995b).
 
Bei Fleischfressern erhöht ein zeitgleiches Nahrungsangebot bei der oralen Applikation von Benzimidazolen deren Bioverfügbarkeit und kann zur Wirksamkeitssteigerung führen (McKellar 1993a).
 
Die Darmdurchgangszeit und damit Wirksamkeit werden auch durch die galenische Zubereitung beeinflusst: So war nach Verabreichung trockener Fenbendazolzubereitungen (Pulver, Granulat) eine bessere Wirksamkeit als nach Gabe einer Suspension festzustellen, wenn nüchterne Hunde medikiert wurden; diese Unterschiede wurden bei Einmischung der Suspension ins Futter nicht mehr beobachtet (Düwel 1975a).
 

Aufteilung der Dosis auf 3 Gaben

Die Aufteilung der therapeutischen Dosis auf drei Gaben im Abstand von 24 Stunden führt in Ziegen und Schafen zu deutlich höheren Maximalkonzentrationen, AUC-Werten und verlängerten Eliminationshalbwertszeiten der Metaboliten und damit zu stark verbesserten Bioverfügbarkeit und Effizienz (Bogan 1987a).
 

Parasitenbefall

Ein starker Befall mit gastrointestinalen Parasiten verringert ebenfalls die Bioverfügbarkeit von Oxfendazol. Durch parasitär bedingte Entzündungsreaktionen kommt es zu Veränderungen der Mukosapermeabilität des Labmagens und des pH-Wertes in Abomasum und Intestinum. Dies hat eine verminderte Löslichkeit von Oxfendazol und somit verringerte Verfügbarkeit zur Absorption und eine Beeinflussung der pH-Wert-abhängigen Distribution der Metaboliten zur Folge. Ausserdem erhöht sich die Passagegeschwindigkeit des Digestas durch den Gastrointestinaltrakt und damit die Exkretion von Oxfendazol und seinen Metaboliten. In einer Studie mit Ziegen konnte festgestellt werden, dass die Infektion mit Ostertagia circumcincta zu einer 33%igen Reduzierung der Bioverfügbarkeit von Oxfendazol führt. (Hennessy 1993b; Bogan 1987a; McKellar 1990b; Lanusse 1993b)
© {{ new Date().getFullYear() }} - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie

Es kann keinerlei Haftung für Ansprüche übernommen werden, die aus dieser Webseite erwachsen könnten.