Beim Menschen wurde gezeigt, dass geringe pharmakokinetische Unterschiede zwischen S(+)-Ketamin, R(-)-Ketamin und dem Razemat bestehen. Diese sind vor allem bei der Biotransformation und der Eliminationsgeschwindigkeit zu finden. Im Folgenden wird hauptsächlich auf die pharmakokinetischen Erfahrungen mit dem Ketamin-Razemat zurückgegriffen.
Nach i.v.-Applikation werden innerhalb weniger Minuten Maximalkonzentrationen in Blut und Gehirn erreicht. Die anästhetische Wirkung dauert nach einmaliger Gabe 5 bis 18 Minuten. Nach intramuskulärer Gabe werden maximale Plasmaspiegel nach 5 bis 30 Minuten gemessen. Es wurden keine kumulativen Effekte nach wiederholten Gaben beschrieben. Ketamin ist gut plazenta- und liquorgängig (Demuth 2005a).
Ketamine weisen eine hohe Lipidlöslichkeit bei gleichzeitig geringer Plasmaproteinbindung auf. Die Verteilung im Organismus lässt sich nach i.v.-Applikation in einem offenen Zweikompartmentmodell beschreiben (Himmelseher 1998a).
Ketamin-Razemat weist eine hohe Elimination mit einer totalen Clearance von ca. 1200 ml/min bei mässig grossen Verteilungsraum (Mensch: 200 l) auf. S(+)-Ketamin besitzt ein grösseres Verteilungsvolumen als das Racemat, verfügt aber über eine raschere Dispositionshalbwertszeit und grössere Clearance bei einer Eliminationskapazität von 2200 ml/min (Himmelseher 1998a).
Maximale Plasmakonzentrationen werden unmittelbar nach i.v.-Injektion erreicht und haben bei 2 mg/kg Ketamin-Razemat innerhalb von 1 Minute eine etwa 10 - 15 Minuten andauernde Bewusstlosigkeit (Mensch) zur Folge, während bei Injektion von 1 mg/kg S(+)-Ketamin mit einer etwa ein Drittel kürzeren Dauer der Bewusstlosigkeit zu rechnen ist (Himmelseher 1998a).
Die Biotransformation von Ketamin findet in der Leber statt. Der wichtigste Metabolisierungsweg ist die N-Demethylation durch das Cytochrom P450 zu Norketamin, einem aktiven Metaboliten, dessen anästhetische Potenz ca. einem Drittel des Ketamins entspricht (Kharasch 1992a; Reich 1989a). Dieser primäre Metabolit Norketamin kann bereits 2 - 3 Minuten nach intravenöser Applikation von Ketamin im Plasma festgestellt werden (Himmelseher 1998a).
Durch Hydroxylierung an verschiedenen Positionen des Zyklohexanringes entsteht aus Norketamin Hydroxynorketamin. Findet diese Ring-Hydroxylierung vor der N-Demethylation zu Norketamin statt, entsteht Hydroxyketamin (Kharasch 1992a).
Durch Konjugation mit Glukuronsäure entstehen wasserlösliche Substanzen, welche hauptsächlich mit dem Urin ausgeschieden werden. Ca. 90% der verabreichten Dosis werden renal eliminiert, die Ausscheidung mit dem Kot beträgt nur etwa 3% (Kharasch 1992a; Reich 1989a; Himmelseher 1998a; Adams 1997a; Mather 1998a).
Bei Ratten stellt Norketamin 80%, Hydroxynorketamin 15% und Hydroxyketamin 5% der Metaboliten. Beim Kaninchen werden 68% der Ketamindosis zu Norketamin umgewandelt (Kharasch 1992a).
In der menschlichen Leber verläuft die N-Demethylation der Ketaminenantiomere stereoselektiv. Die Umwandlung von S(+)-Ketamin zu S(+)-Norketamin ist ca. 15 - 30% schneller als die Umwandlung von R(-)-Ketamin zu R(-)-Norketamin.
Die Plasmaclearance von S(+)-Ketamin erfolgt etwa 20% schneller als die der (R)-Form, wenn beide Enantiomere individuell zugeführt werden. Bei Applikation des Razemates ist die Plasmaclearance von S(+)-Ketamin ca. 15% schneller, da es bei gleichzeitiger Gabe von beiden Enantiomeren zur Inhibition des Metabolismus von S(+)-Ketamin durch R(-)-Ketamin kommt (Kharasch 1992a).
Auch bei Pferden und Ponies zeigen die pharmakokinetischen Parameter von S(+)- bzw. R(-)-Norketamin nach einer intravenösen Injektion des Ketaminrazemates signifikante Unterschiede. Es wird angenommen, dass der Metabolismus des Ketaminrazemates ebenfalls stereoselektiv abläuft. Dadurch kommt es zu höheren Plasmakonzentrationen und zu höheren AUC-Werten von S(+)-Norketamin gegenüber dem R(-)-Norketamin. Die S:R-Ratio für Norketamin beträgt 72:25 unmittelbar nach und 90:10 40 Minuten nach einer intravenösen Applikation des Razemates (Larenza 2007a).
In einer anderen Studie mit Ponies wurden ebenfalls unterschiedliche Plasmakonzentrationen für S(+)- bzw. R(-)-Norketamin nach Applikation des Razemates festgestellt. Es wird jedoch angenommen, dass nicht eine unterschiedliche Biotransformationsrate von S(+)- und R(-)-Ketamin zu S(+)- und R(-)-Norketamin, sondern Unterschiede bei der Umwandlung von S(+)- und R(-)-Norketamin zu weiteren hydroxylierten und glukuronidierten Metaboliten dafür verantwortlich sind. Somit ist die Plasmakonzentration von R(-)-Norketamin niedriger, weil R(-)-Norketamin schneller als S(+)-Norketamin zu weiteren Metaboliten abgebaut wird (Knobloch 2006a).
Der Wirkungseintritt erfolgt für S(+)-Ketamin etwa gleich schnell wie für das Razemat Ketamin (Adams 1997a).
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