Wirkmechanismus
Prolactin ist ein im Hypophysenvorderlappen produziertes Peptidhormon mit verschiedenen Wirkungen auf den Reproduktionsapparat von Säugetieren. So besitzt es z.B. bei einigen Spezies luteotrope Effekte auf den Gelbkörper (
Aurich 2002a). Bei der Hündin ist Prolactin die wichtigste luteotrope Substanz: die Funktion der Trächtigkeitsgelbkörper wird ab etwa Mitte der Trächtigkeit ausschliesslich von Prolactin stimuliert und aufrechterhalten (
Onclin 1997a;
Gobello 2001c;
Harvey 1997b;
Arbeiter 1988a;
Verstegen 2005a).
Weiterhin besitzt Prolactin bei vielen Spezies eine wichtige Funktion bei der Entwicklung der Milchdrüse während der Pubertät, sowie bei der Initiation und dem Erhalt der Laktation (
Gobello 2001c;
Aurich 2002a;
Harvey 1997b;
Arbeiter 1988a).
Bei der Hündin ist Prolactin auch in die Vorbereitung auf die Geburt und die Ausbildung des mütterlichen Verhaltens involviert (
Gobello 2001c).
Beim Hund spielt Prolactin auch eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Scheinträchtigkeit, wobei der exakte Mechanismus jedoch noch ungeklärt ist. So kommt es bei nichttragenden weiblichen Tieren unter Prolactineinfluss im Metöstrus zu einer Gesäugeausbildung, die bis zur Milchbildung gehen kann, und teilweise mit starken Verhaltensänderungen (Unruhe, Nestbau, Aggressivität) verbunden ist (
Aurich 2002a;
Gobello 2001b;
Onclin 1997a;
Gobello 2001c;
Harvey 1997b;
Verstegen 2005a).
Bei saisonal zuchtaktiven Spezies wird eine Beteiligung von Prolactin an jahreszeitabhängigen Schwankungen der Fortpflanzungsaktivität vermutet (
Aurich 2002a).
Bei männlichen Tieren verstärkt Prolactin die LH-Wirkung am Hoden (
Aurich 2002a).
Im Gegensatz zu den anderen Hormonen des Hypophysenvorderlappens ist für Prolactin kein hypothalamisches Releasing-Hormon bekannt. Prolactin steht nur unter einer hemmenden Regulation durch den Hypothalamus, wobei die Funktion des Prolactin-Release-Inhibiting-Faktors dem Neuromodulator und Transmitter
Dopamin zukommt. Diese direkte, Dopamin-vermittelte Inhibition der Prolactinsekretion kann indirekt durch Serotonin, einem Dopaminantagonisten, aufgehoben werden (
Gobello 2001c).
Metergolin ist ein starker Serotonin-5HT-Rezeptorantagonist und somit ein indirekter Dopaminagonist. Über diese indirekte dopaminerge Wirkung hemmt es die Prolactinproduktion und -freisetzung im Hypophysenvorderlappen (
Jöchle 1999a;
Aurich 2002a;
Gobello 2001c;
Beijerink 2004a). Durch den abrupten Abfall der Prolactinkonzentration im Plasma kommt es zur Rückbildung der Milchdrüse, zum Sistieren der Laktation und zum Abklingen der Scheinträchtigkeit (
Jöchle 1999a;
Gobello 2001b).
Bei der Hündin führt die alleinige Verabreichung von Metergolin (0,4 - 0,5 mg/kg 2 × täglich) über 5 Tage zwischen dem 18. und 22. Trächtigkeitstag zwar zu einem Abfall der Progesteronkonzentration, es kommt jedoch nicht zu einem Abort (
Eilts 2002a). Wird Metergolin in der zweiten Trächtigkeitshälfte verabreicht (0,6 mg/kg 2 × täglich, ab dem 28. Trächtigkeitstag), kommt es nach durchschnittlich 12,5 Tagen zur vollständigen Luteolyse und somit zu einem Abort (
Nothling 2003a).