Paromomycin ist ein Antibiotikum, welches zur Gruppe der Aminoglykoside gehört (Budde 2023a). Es besitzt eine bakterizide, konzentrationsabhängige Wirkung (Budde 2023a) und hat womöglich einen postantibiotischen Effekt (Athanasiou 2014a).
Der Wirkmechanismus entspricht dem anderer Aminoglykoside (Budde 2023a). Der Wirkstoff bindet an die intrazelluläre (Kip 2018a) ribosomale 30S-Untereinheit, was zu einer gestörten Proteinsynthese führt (Budde 2023a). Bei Protozoen kommt es durch denselben Mechanismus zu einer Ansammlung abnormaler 30S-50S Ribosomenkomplexe, was zum Zelltod führt (Kip 2018a). Die Wirkung ist bei Giardien auf eine direkte Störung der Proteinsynthese oder auf einen Nährstoffmangel durch die Inhibition der bakteriellen Proteinsynthese und die Hemmung der bakteriellen Flora zurückzuführen (Geurden 2006a). Bei Leishmanien hat der Wirkstoff einen Effekt auf die zytoplasmatischen (88S und 91S) und mitochondrialen (75S) Ribosomen (Steuber 2014a). Für Details zum Wirkungsmechanismus der Aminoglykoside siehe auch unter Neomycin und Gentamicin.
Das Wirkungsspektrum gleicht jenem von Neomycin (Budde 2023a) und umfasst die meisten gramnegativen Bakterien sowie Staphylokokken (Belloli 1996a). In erster Linie wird Paromomycin jedoch gegen Infektionen mit Protozoen eingesetzt, z.B. Kryptosporidien, Entamoeba hystiolytica, Giardia duodenalis, Balantidium coli (Belloli 1996a) und Leishmania spp (Budde 2023a; Belloli 1996a). Der Wirkstoff besitzt auch eine gewisse Wirkung gegen Bandwürmer (Budde 2023a).
Paromomycin ist in vitro und in vivo hochwirksam gegen C. parvum (Fayer 1993a; Viu 2000a). Die Wirksamkeit einer prophylaktischen Verabreichung ist bei Säugtieren gegen C. parvum (Fayer 1993a; Mancassola 1995a) und bei Hühnern gegen C. baileyi hoch (Sréter 2002a).
Der Wirkstoff kann zur Behandlung von Infektionen mit Leishmania infantum beim Hund eingesetzt werden. Eine Studie zeigt, dass die 30-tägige Gabe von 10 mg/kg s.c. zu einer Abnahme des Antikörper-Titers, des Harnproteins, des Serum-IgG und der zirkulierenden Immunkomplexe führt (Poli 1997a). Auch die Gabe von 15 mg/kg für 21 Tage führt zu einer partiellen Remission und klinischen Besserung. Unter der Paromomycintherapie verbesserten sich pathologisch veränderte Laborwerte, wie z.B. Anämie, Lymphopenie, Hyperproteinämie, Hyperglobulinämie und ein niedriger Albumin-Globulin-Quotient; auch die Parasitendichte in den Lymphknoten und im Knochenmark nahm ab (Athanasiou 2013a). Der Wirkstoff hat eine gute kurzzeitige Wirkung: eine Therapie führt zu einer Abnahme der Parasitenbürde sowie des IFAT Titers. Längerfristig kommt es nach dem Absetzen jedoch oft zu Rezidiven, weshalb die Kombination mit einer Allopurinol-Langzeittherapie empfohlen wird (Kasabalis 2020a).
Resistenzen bei Parasiten scheinen auf einer verminderten Wirkstoffaufnahme zu beruhen (Kip 2018a).
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