Wirkungsort
Becherzellen und submuköse Drüsen im Lungengewebe (
Takeda 1983b).
Wirkungsmechanismus
Nach oraler Verabreichung erfolgt die sekretionsfördernde Wirkung von Bromhexin biphasisch. Die erste Phase resultiert durch einen vagalen Reflex, der vermutlich durch eine gastrale Irritation ausgelöst wird, und die zweite Phase kommt durch die direkte Wirkung an den submukösen Drüsen zustande. Bromhexin bewirkt die Sekretion von lysosomalen Enzyme ins Zytoplasma der sekretorischen Zellen. Dadurch kommt es zu einer Auflösung der sauren Glykoproteine was sich klinisch als Mukolyse äussert (
Takeda 1984a).
Die sauren und die sulfatierten Glykoproteine in den Becherzellen und den submukösen Drüsenzellen werden vermindert, während die neutralen Glykoproteine erhöht werden, wobei letzterer Mechanismus dosisabhängig ist. Bromhexin stimuliert nur die Aktivität der submukösen Drüsen. BR-227 (ein Bromhexinderivat) dagegen erhöht die sekretorische Aktivität der Becherzellen und der submukösen Drüsen (
Takeda 1983b). Auch die mukolytische Wirkung von BR-227 ist ausgeprägter als diejenige von Bromhexin (
Takeda 1983c). Der Phospholipid-, Phosphatidylcholin-, zweifachgesättigter Phosphatidylcholin- und Phosphatidylglycerolgehalt steigt in der Lungenflüssigkeit an, während die Konzentration von ungesättigtem Phosphatidylcholin abnimmt. Auch die Protein und Saccharidkonzentrationen in der Flüssigkeit nehmen unter der Wirkung dieser Substanzen zu. Die Bromhexinderivate stimulieren die sekretorische Aktivität der Typ II Pneumozyten und erhöhen die Freisetzung und Synthese von Surfactant (
Takeda 1983b).
Bei einer niedrigen Dosierung erhöht Bromhexin die Frequenz und Amplitude der ziliären Schläge. Dies wird durch die Lyse des Schleims und durch die erhöhte Schleimproduktion ausgelöst (
Yanaura 1981a).
Weitere Effekte
Antiinflammatorisch und bakterizid
Bromhexin, in einer Dosierung von i.v. 4 und 8 mg/kg, verstärkt die Sekretion von Lysozym und IgA im Speichel und in den Tränen, was zu einer entzündungshemmenden und bakteriziden Wirkung führt (
Misawa 1985a). Die Menge der Speichelproduktion bleibt bei einer Dosis von p.o. 20 und 40 mg/kg jedoch unverändert (
Misawa 1985a).
Kombination mit Antibiotika
Bei gleichzeitiger Applikation mit Bromhexin werden die Antibiotika- und Sulfonamidspiegel im Bronchialsekret erhöht und zudem wird auch der erhöhte Gammaglobulinspiegel im Bronchialsekret als gesteigerte Infektionsabwehr bewertet (
Eichler 1975a).