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Eigenschaften

Oxyclozanid gehört zur Gruppe der Salicylsäureanilide (Richter 2016a; Richter 2014b). Diese zeichnen sich durch eine hohe Verträglichkeit und eine gute fasziolizide sowie auch teils nematozide Wirksamkeit aus (Richter 2016a; Richter 2014b).

Der Wirkstoff wird in erster Linie als Anthelminthikum eingesetzt. Es besitzt gute Resorptionseigenschaften, geringe Nebenwirkungen und kurze Absetzzeiten (Richter 2014b). Bei Fasciola hepatica besteht eine altersabhängige Wirkung; wobei nur die adulten Leberegelstadien (> 10 Wochen) in den Gallengängen erfasst werden (Richter 2014b). Zum jetzigen Zeitpunkt (2023) sind keine Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff bekannt (Richter 2014b; BfArM 2021b). 

Zudem weist Oxyclozanid in niedrigen Dosierungen und in vitro hervorragende antibakterielle, antifungale (Pic 2019a; Rajamuthiah 2015a) und antivirale Eigenschaften auf (Marrugal-Lorenzo 2019a). So ist es gegen klinisch resistente Staphylococcus aureus wirksam (Rajamuthiah 2015a; Maiden 2019a) und hemmt das Wachstum von Enterococcus faecium (Rajamuthiah 2015a). Der Wirkstoff besitzt auch gegen Biofilme von Pseudomonas aeruginosa eine schwache Wirkung (Maiden 2019a) und inhibiert das Wachstum von Clostridium difficile (Gooyit 2016a). Bei MRSA-Biofilmen besteht mit einer 90%igen Abtötung des Bakterienstamms eine gute Wirkung (Maiden 2019a), wobei keine Zelllyse ausgelöst wird (Rajamuthiah 2015a). Bei Versuchen mit Bakterienstämmen aus der Veterinärmedizin bestand eine gute Wirkung gegen Methicillin-resistente S. pseudintermedius (Levinson 2019a). Des Weiteren verstärkt Oxyclozanid die Wirkung von Aminoglykosiden und Tetracyclin gegen Pseudomonas aeruginosa Biofilme (Maiden 2019a). Der Wirkstoff besitzt auch eine antifungale, wachstumshemmende Wirkung bei Candida albicans Isolaten (Pic 2019a) und eine antivirale Wirkung bei Adenoviren (Marrugal-Lorenzo 2019a). Aufgrund dieser antibakteriellen und antifugalen Eigenschaften kann Oxyclozanid-haltiger Kot die Anzahl der Weideorganismen reduzieren, die natürliche Zersetzung des Kots beeinträchtigen und im Boden persistieren (BfArM 2021b).

Wirkungsort

Der Wirkort ist die innere Membran der Mitochondrien (Nolfi-Donegan 2020a; Mitchell 1961a) bzw. die Zellwand bei Bakterien (Rajamuthiah 2015a; Maiden 2019a).

Wirkmechanismus

Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung

Salicylsäureanilide bewirken als Protonen-Ionophore eine Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung (BfArM 2021b; Richter 2014b). Darauf beruht auch der Wirkmechanismus des Oxyclozanids (Richter 2014b; Swan 1999a; Pic 2019a). Durch die Translokation der Protonen durch die innere mitochondriale Membran wird der Protonengradient (Mitchell 1961a) und somit das mitochondriale Membranpotential gestört (Pic 2019a). Der Protonengradient fungiert als Energiequelle der ATP-Synthase, auf der die Phosphorylierung von Adenosindiphosphat (ADP) zu Adenosintriphosphat (ATP) beruht (Branitzki-Heinemann 2020a). 

Bei Parasiten führt dieser Mechanismus zu einer Beeinträchtigung des Stoffwechsels (BfArM 2021b). Bei F. hepatica verursacht der Wirkstoff eine rasch einsetzende spastische Lähmung, wobei der zugrunde liegende Wirkmechanismus umstritten ist (Fairweather 1984a) und neben der Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung eventuell auf einen neurotoxischen Effekt zurückzuführen ist (Edwards 1981a). Im Rasterelektronenmikroskop konnte histopathologisch bei der Tegumentoberfläche eine Bildung von ausgedehnten Rissen, zahlreichen Vakuolen und Schwellungen, sowie das Ablösen des Teguments um die Stacheln und ein Ablösen der Stacheln selbst beobachtet werden (Hasan 2022a). 

Bei Bakterien bewirkt Oxyclozanid eine Permeabilisierung der Zellmembran (Rajamuthiah 2015a; Maiden 2019a) und eine Reduktion des Membranpotentials (Maiden 2019a; Gooyit 2016a). Da der bakterizide Wirkmechanismus somit auf die Zellwand dieser Bakterien gerichtet ist, wird hypothetisiert, dass dadurch die Neigung zu einer Resistenzentwicklung heruntergesetzt sei (Rajamuthiah 2015a). In einer weiteren Studie wurde gezeigt, dass Oxyclozanid über die Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung in Mäusen die Zellproliferation von Kolonkrebszellen inhibiert und diverse anabolische Prozesse hemmt (Alasadi 2018a).

Hemmung der frühen E1A-Gentranskription

Bei in vitro Adenovirus-Infektionen greift Oxyclozanid hemmend in die frühe E1A-Gentranskription ein (Marrugal-Lorenzo 2019a).

© {{ new Date().getFullYear() }} - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie

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