Wirkmechanismus
Wirkstoffe aus der Gruppe der 5-Nitroimidazole werden zur Behandlung von Infektionen mit anaeroben Bakterien und Protozoen eingesetzt. Die Substanzen werden in den Erregern in spezifischer Weise reduziert. Dabei entstehen sehr reaktionsfähige Zwischenprodukte (Radikale), die zu einer Schädigung von Makromolekülen und Membranstrukturen führen (
Plumb 1999a;
Longhofer 1988a).
Wirkung auf Bakterien
Durch Reduktion der Nitrogruppe (in Position 5 am Ring) durch bakterielle Nitroreduktasen werden reaktive Produkte gebildet, die Schädigungen von insbesondere anaeroben Erregern auslösen (
Kroker 1999b). Die hoch zytotoxischen Derivate der Muttersubstanz zerstören bakterielle DNA (
Rosenblatt 1987a;
Lamp 1999a), hemmen die Reparatur, stören die Transkription, und es kommt zum Zelltod (
Lamp 1999a).
Wirkung auf Protozoen
Durch die Reduktion von Metronidazol sinkt die intrazelluläre Konzentration von ungeladenem Metronidazol, dadurch wird ein Gradient aufrecht erhalten, der zur Aufnahme und Erzeugung von Verbindungen führt, die toxisch sind für die Protozoen. Die kurzlebigen Zwischenprodukte (freie Radikale) verursachen Schäden, indem sie auf die DNA und andere Moleküle wirken. Die zytotoxischen Zwischenprodukte zerfallen zu nichttoxischen und inaktiven Verbindungen, wie Azetamid und 2-Hydroxethyloxamidsäure (
Lindsay 1995a).
Wirkung auf den Säugetierorganismus
Durch die Reduktion durch bakterielle Nitroreduktasen und durch reduzierende Enzyme im Säugtierorganismus entstehen reaktive Stoffwechselprodukte, wodurch der Verdacht mutagener und kanzerogener Wirkung dieser Substanz zu erklären ist (
Kroker 1999b).
MIC
Sofern Metronidazol i.v. oder p.o. in der empfohlenen Dosierung verabreicht wird, liegt die Konzentration für die meisten empfindlichen Mikroorganismen über der minimalen Hemmkonzentration (
Lau 1992b).
Resistenz
Die meisten Stämme von Aktinomyces (
Plumb 1999a;
Rosenblatt 1987a), Arachnia und Propionibakterien sind resistent. Zudem werden einige Metronidazol resistente Bacteroides sp. beschrieben (
Rosenblatt 1987a). Metronidazolresistente Trichomonas vaginalis bei Rindern scheinen die Resistenz zu übertragen (
Yule 1989a).