Klassifizierung:   Biologische ProduktePflanzenPflanzenöle
StoffwechselParenterale ErnährungFettemulsionen
Vergiftungen (Dekontamination & Antidote)Forcierte AusscheidungLipophile Substanzen
 
Synonyme:Intravenöse Fettemulsion: Übersicht; Intralipid®; Liposyn III®; Lipoven®; Lipofundin-MCT®; Structolipid®; Omegaven®; Lipoplus®; Clinoleic®; SMOFLipid®
Englisch:Intravenous lipid emulsion: Overview
Französisch:Émulsion lipidique intraveineuse: Généralités
Italienisch:Emulsione di grasso intravenoso: Riepilogo
 

Eigenschaften

Lipidinfusionen sind sterile, nichtpyrogene, homogene Öl-in-Wasser-Emulsionen zur intravenösen Applikation (Haworth 2012). Sie bestehen aus Pflanzen- und/oder Fischölen, welche reich an essentiellen Fettsäuren sind, diese enthalten mittel- und/oder langkettige Triglyceride in einer Konzentration von 10% oder 20% (bis 30%) sowie Eilecithin (Phospholipide aus Ei) und Glycerin (Schaefer 2013; Kaplan 2012; Gwaltney-Brant 2012). Die langkettigen Triglyceride setzen sich aus freien Fettsäuren wie Oleat, Linolenat, Palmitat, Stearat und Linoleat zusammen (Saqib 2016). Bei den pharmazeutisch eingesetzten intravenösen Lipidinfusionen handelt es sich meistens um 20%-ige Fettemulsionen. Aufgrund der durchschnittlichen Tröpfchen-Grösse (mean droplet size; MDS) unterscheidet man drei Kategorien: Makro-Emulsionen (MDS > 1,0 μm), Mini-Emulsionen (MDS < 1,0 μm) und Mikro-Emulsionen (MDS < 0,1 μm). Makro- und Mini-Emulsionen erscheinen trüb und für deren Zubereitung wird Energie benötigt. Mikro-Emulsionen sind thermodynamisch stabil. Die für die parenterale Ernährung und zur Therapie von Intoxikationen eingesetzten Emulsionen gehören zu den Mini-Emulsionen (Fernandez 2011).
 
Öle und deren Anteil in verschiedenen kommerziell erhältlichen Lipidemulsionen:
 
- Intralipid®:100% Sojabohnenöl
- Liposyn III®:100% Sojabohnenöl
- Lipoven®:100% Sojabohnenöl
- Lipofundin-MCT®:50% Kokosnussöl & 50% Sojabohnenöl
- Structolipid®:36% Kokosnussöl & 64% Sojabohnenöl
- Omegaven®:100% Fischöl
- Lipoplus®:50% Kokosnussöl & 40% Sojabohnenöl & 10% Fischöl
- Clinoleic®:80% Olivenöl & 20% Sojabohnenöl
- SMOFLipid®:30% Kokosnussöl & 30% Sojabohnenöl & 25% Olivenöl & 15% Fischöl (Fernandez 2011)
 

Lagerung / Stabilität

Die Lipidemulsionen sollten in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Ungeöffnet beträgt die Haltbarkeit bis zu 2 Jahre. Aufgrund des Risikos einer mikrobiellen Kontamination ist die Emulsion nach dem Öffnen sofort zu verwenden und angebrochene, nichtgebrauchte Ampullen müssen gekühlt, bei 2 - 8°C aufbewahrt und innerhalb von 24 Stunden verbraucht oder entsorgt werden. Sollte die Therapiedauer 24 Stunden überschreiten, ist der Behälter zu erneuern. Eine Emulsions-Flasche, die an der Oberfläche eine ölige, durchsichtige Phase oder Öltropfen aufweist, darf nicht mehr verwendet werden (Schaefer 2013). Der pH-Wert einer Fettemulsion sollte zwischen 6,0 und 9,0 gehalten werden, da am Ende der Haltbarkeitsdauer die Hydrolyse der Triglyceride zu freien Fettsäuren den pH-Wert senkt. Zudem ist beim Umgang mit der Emulsion strikt aseptisch vorzugehen um das Risiko einer bakteriellen Kontamination zu minimieren und eine Destabilisierung der Fettemulsion zu vermeiden (Fernandez 2011; Gwaltney-Brant 2012).
 

Kompatibilität

Lipidemulsionen dienen u.a. als Trägerstoff für hydrophobe Substanzen wie z.B. Propofol (O'Brien 2010; Williams 2015; Fernandez 2011; Bolfer 2014; Hamann 2010). Sie sind nur zu verwenden, wenn sie homogen sind, und dürfen nicht mit anderen Infusionslösungen und Arzneimitteln unkontrolliert vermischt werden, da eine ausreichende Stabilität dann nicht mehr gewährleistet ist. Es dürfen nur Arzneimittellösungen zugesetzt werden, deren Kompatibilität dokumentiert wurde (Schaefer 2013). Bei der Zubereitung einer total parenteralen Ernährung (total parenteral nutrition, TPN) sollte, aufgrund der unterschiedlichen pH-Werte zuerst die 50%-ige Dextrose- und die 10%-ige Aminosäurelösung zusammen vermischt und erst danach die Lipidemulsion hinzugegeben werden um ein Ausfällen zu Vermeiden (Bercier 2003).
 
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