Vital TSS 96 ad us. vet., Arzneimittelvormischung
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz

Vital AG

Arzneimittelvormischung für Schweine und Kälber

ATCvet-Code: QJ01EW30

 

Zusammensetzung

1 kg enthält:
 
Wirkstoff:
Trimethoprim16 g
Sulfadimidin40 g
Sulfathiazol40 g
 
Hilfsstoffe: Aromatica: Vanillinum et alia, Süssstoffe: Saccharinum et alia, Paraffinöl (staubbindender Stoff)
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Sulfadimidin - Sulfathiazol - Trimethoprim
 

Eigenschaften / Wirkungen

Die Kombination von Trimethoprim mit Sulfonamiden ergibt eine breite synergistische Wirkung gegen eine Vielzahl grampositiver und gramnegativer Bakterien. Der Wirkungsmechanismus beruht auf einer Blockade des Folsäurestoffwechsels der Bakterien, wobei durch die kombinierte Anwendung der Wirkstoffe eine überadditive Wirkungssteigerung erzielt wird. Durch die Kombination von Trimethoprim mit Sulfonamiden wird die für die Bakterien essentielle Folsäuresynthese an zwei verschiedenen Stellen blockiert. Dies verunmöglicht Bakterien die Purin- und als Folge die DNS- und RNS-Synthese. Das Resultat ist eine synergistische bakterizide Wirkung gegen eine Vielzahl grampositiver und gramnegativer Bakterien. Das Wirkungsspektrum umfasst in-vitro grampositive und gramnegative Bakterien, deren MIC-Werte teils deutlich unter 0.5 µg Trimethoprim und 9.5 µg Sulfonamid pro ml liegen. Dazu gehören Staphylokokken, Streptokokken, Pasteurellen, Bordetellen, Mannheimia haemolytica, Haemophilus parasuis, Histophilus somnus, E. coli, Salmonellen und Kokzidien. Bei resistenten Keimen sind die MIC-Werte höher. Die aktuelle Resistenzlage gegenüber der Sulfonamid-Trimethoprim-Kombination kann insgesamt als relativ günstig eingestuft werden. Bei einigen grundsätzlich empfindlichen Erregern wie Pasteurellen, Bordetellen, Enterobakterien (E. coli, Salmonellen) und Kokzidien können jedoch vermehrt Stämme mit Resistenz (z.T. plasmidgebunden) auftreten, insbesondere in Betrieben mit hohem Selektionsdruck. Sulfonamide und Trimethoprim sind nicht wirksam gegen Mykoplasmen, Lawsonien und Brachyspiren, wenig empfindlich bis resistent erweisen sich Rotlaufbakterien, Pseudomonas aeruginosa und Tuberkelbakterien.
Die enthaltenen Aroma- und Süssstoffe erleichtern die Aufnahme des Medikamentes über Futter und Tränke. Ein weiterer Hilfsstoff schränkt die Staubbildung ein.
 

Pharmakokinetik

Der prinzipielle Vorteil der Kombination besteht neben der Wirkungsverstärkung in einer gleichzeitigen Dosisverminderung der Einzelwirkstoffe gegenüber einer Monotherapie mit diesen. Die Wirkstoffe Trimethoprim, Sulfadimidin und Sulfathiazol werden nach oraler Verabreichung aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Zur Erreichung eines wirksamen Trimethoprim - Blutspiegels ist beim Kalb die Verabreichung über die Tränke und ein funktionierender Schlundrinnenreflex erforderlich. Beide Sulfonamide verteilen sich über alle Körpergewebe und -flüssigkeiten und werden sowohl unverändert als auch metabolisiert durch Glukuronidierung über die Niere ausgeschieden. Trimethoprim wird überwiegend unverändert renal ausgeschieden. Im Vergleich mit den Sulfonamiden wird Trimethoprim nach Resorption schneller eliminiert. Die Halbwertszeit von Sulfadimidin ist von der Tierart abhängig, aber generell lang (ca. 4 - 6 Stunden beim Kalb und ca. 9 - 16 Stunden beim Schwein), jene von Sulfathiazol beträgt beim Schwein ca. 1.5 Stunden. Die Halbwertzeit von Trimethoprim beträgt beim Kalb abhängig vom Alter ca. 1 Stunde, beim Schwein etwa 2.5 Stunden. Die orale Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe ist hoch. Sie beträgt beim Schwein für Trimethoprim ca. 70 - 80%. Beim Kalb ist Trimethoprim nur bei funktionierendem Schlundrinnenreflex im Plasma nachweisbar. Bei Sulfathiazol und Sulfadimidin kann, je nach Fütterungsart, mit 60 - 85% gerechnet werden.
 

Indikationen

Prophylaxe und Therapie von primären und sekundären bakteriellen Infektionen, falls die beteiligten Bakterien auf die Kombination Sulfonamid/Trimethoprim empfindlich sind. Insbesondere:
Kälber: Darmerkrankungen verursacht durch Salmonellen und Kokzidien, Atemwegsinfektionen verursacht durch Pasteurellen, Mannheimia haemolytica, Histophilus somnus.
Schweine: Darminfektionen verursacht durch E. coli, Salmonellose. Rhinitis atrophicans (Pasteurella multocida, Bordetella bronchiseptica), Pneumonien verursacht durch Sekundärinfektionen mit Pasteurella multocida. Haemophilus parasuis. Infektionen der Gelenke (z.B. verursacht durch Hämophilus parasuis oder Streptokokken), MMA-Komplex der Muttersauen.
 

Schweine und Kälber:

50 g Vital TSS 96 pro 100 kg KGW täglich (morgens und abends je 25 g) während 5 - 10 Tagen, dies entspricht 20 mg Sulfadimidin, 20 mg Sulfathiazol und 8 mg Trimethoprim pro kg KGW und Tag.
Bei Kälbern soll die Verabreichung nur bei funktionierendem Schlundrinnenreflex und ausschliesslich über die Milch oder Milchersatztränke erfolgen. In den 1 kg Dosen ist ein Messlöffel enthalten, der gestrichen voll etwa 20 g fasst.
 

Anleitung zur Herstellung eines Fütterungsarzneimittels

Vital TSS 96 ist geeignet für die Verabreichung über mehlförmiges Futter, Milchpulver/ Milchaustauscher, Pellets, Flüssigfutter und über Milch und Trinkwasser.
 
Vital TSS 96 sorgfältig mit dem Futtermehl oder mit Milchaustauscher vermischen. Aufgrund der Stabilität der Wirksubstanzen lassen sich die Fütterungsarzneimittel bei Temperaturen bis 75°C pelletieren.
 
Flüssiges Futter:
Das Präparat kann auch in Flüssigfutter wie beispielsweise Schotte oder Futtersuppe eingemischt werden. Vor dem Einmischen ist die Temperatur der Futtersuppe zu kontrollieren. Sie muss im Bereich von 25 - 40°C liegen. Der pH-Wert der Futtersuppe ist auf einen Bereich zwischen 4 und 7 einzustellen. Die Futtersuppe muss unmittelbar nach dem Einmischen von Vital TSS 96 verabreicht werden.
 
Vital TSS 96 kann bis zu einer Konzentration von 5 g/Liter auch über Milch, Milchersatztränke und Trinkwasser verabreicht werden. Nach Zugabe der Arzneimittelvormischung sind Milch- und Milchersatztränken lang und kräftig zu rühren. Trinkwasser ist so lange zu rühren, bis sich die Arzneimittelvormischung vollständig gelöst hat.
Achtung: Bei Temperaturen unterhalb 40°C kann das Präparat aufgrund der schlechten Wasserlöslichkeit von Trimethoprim selbst nach längerem Rühren (10 bis 15 Minuten) insbesondere in Trinkwasser, aber auch in Milch, nur schwerlich gelöst werden. Medizierte Milch, Milchersatztränken und mediziertes Trinkwasser müssen täglich mehrmals frisch zubereitet und unmittelbar nach dem Auflösen von Vital TSS 96 verabreicht werden.
Schweine spielen mit Tränkenippeln. Dies kann zu grossen Trinkwasserverlusten führen. Falls Vital TSS 96 über das Trinkwasser verabreicht wird, muss ein Tränkesystem zur Verfügung stehen, das lediglich zu kleinen Wasserverlusten führt.
 

Dosierungsrichtgrössen zur Herstellung eines Fütterungsarzneimittels

Die Einmischrate von Vital TSS 96 entsprechend dem Körpergewicht und der Futter- bzw. Trinkwasseraufnahme kann nach folgender Formel ermittelt werden:
 
  A × B
–––––––  =kg AMV pro t Futter
 C × 100(resp. g AMV pro l Wasser)
 
A = Erforderliche Dosierung in g AMV pro 100 kg KGW pro Tag
B = Mittleres KGW der zu behandelnden Tiere in kg
C = Mittlere tägliche Menge Fütterungsarzneimittel in kg resp. mediziertes Trinkwasser in l pro Tier
 
Achtung: Die Futter- bzw. Trinkwasseraufnahme kann je nach Alter und Gesundheitszustand der Tiere, der Art des Futters und den klimatischen Bedingungen erheblich variieren.
 

Beispiele

Schweine:
Gemäss oben genannter Formel ist Vital TSS 96 wie folgt in ein mehlförmiges Alleinfuttermittel einzumischen:
 
-Ferkel mit 10 kg KGW bei täglichem Futterverzehr von 250 g: 20 kg Vital TSS 96 pro Tonne.
-Ferkel mit 20 kg KGW bei täglichem Futterverzehr von 800 g: 12.5 kg Vital TSS 96 pro Tonne.
-Schwein mit 50 kg KGW bei täglichem Futterverzehr von 1.8 kg: 14 kg Vital TSS 96 pro Tonne.
 
Bei einem Fütterungsarzneimittel für Galtsauen oder für früh abgesetzte Ferkel kann die Konzentration im Futter aufgrund des geringeren Futterverzehrs deutlich höher liegen.
 
Trinkwasser:
Als Richtdosierung gilt für Ferkel und Mastschweine bei einer durchschnittlichen täglichen Wasseraufnahme von 10% des Körpergewichtes ca. 5 g Vital TSS 96 pro Liter Trinkwasser.
 
Kälber:
Gemäss oben genannter Formel ist Vital TSS 96 wie folgt in ein Alleinfuttermittel einzumischen:
Milch oder Milchersatztränke:
Kälber mit 50 kg KGW bei täglicher Aufnahme von 6 l Milch oder Milchersatztränke: 4.2 g Vital TSS 96 pro Liter Tränke oder Milch
 
Einmischen in einen Milchaustauscher:
Die Menge der aufgenommenen Tränke bzw. des Milchaustauschers schwankt sehr stark in Abhängigkeit des Fütterungsregimes, der Haltung und dem Bestand. Die Konzentration soll entsprechend der oben genannten Formel angepasst werden.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Vital TSS 96 soll nicht angewendet werden bei Sulfonamidüberempfindlichkeit, bei schweren Leber- und Nierenschäden sowie bei Störungen des Blutbildes.
 

Vorsichtsmassnahmen

Vital TSS 96 soll nur nach bakteriologischer Sicherung der Diagnose und Sensitivitätsprüfung der beteiligten Erreger angewendet werden. Bei Ausbleiben einer deutlichen Besserung ist nach 3 Tagen eine erneute Sensitivitätsprüfung oder ein Therapiewechsel angezeigt. Bei Tieren mit deutlich gestörtem Allgemeinbefinden und bei Tieren mit Inappetenz muss eine parenterale Therapie erfolgen. Nach Beendigung der Behandlung ist die Fütterungseinrichtung in geeigneter Weise gründlich zu reinigen, um Restmengen der eingesetzten Antibiotika zu beseitigen.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Beim Tier eher selten. Nierenschädigung durch Kristallbildung.
 
Essbare Gewebe: Schweine, Kälber: 10 Tage
 

Wechselwirkungen

Keine bekannt
 

Sonstige Hinweise

Lagerungshinweise:

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren. Trocken und unterhalb von 25°C lagern. Nach Anbruch die Packung wieder gut verschliessen und vor Feuchtigkeit schützen.
 

Haltbarkeit nach Herstellung eines Fütterungsarzneimittels:

Futtermehl für Schweine: max. 12 Wochen
Futterpellets: max. 4 Wochen
Milchpulver: max. 12 Wochen
Medizierte Milch/angerührte Milchtränke: unmittelbar nach Beimischen verabreichen
Futtersuppe: unmittelbar nach Beimischen verabreichen
Mediziertes Trinkwasser: unmittelbar nach Beimischen verabreichen
 

Anwenderhinweise:

Beim Umgang mit Vital TSS 96 direkte Berührung mit Haut und Schleimhäuten vermeiden. Aufgrund des Hilfsstoffes Paraffinöl ist die Staubentwicklung von Vital TSS 96 minimal. Das Tragen einer Schutzausrüstung bestehend aus Schutzbekleidung, Handschuhen, Atemschutz und Schutzbrille wird aber dennoch empfohlen. Während der Handhabung weder rauchen, essen noch trinken.
 

Packungen

1 kg-Dosen (mit Messlöffel), 5 kg- und 25 kg-Säcke (ohne Messlöffel)

Abgabekategorie: A

Swissmedic Nr. 47'470

Informationsstand: 10/2007

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
©2019 - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie, Winterthurerstrasse 260, 8057 Zürich, Schweiz
Es kann keinerlei Haftung für Ansprüche übernommen werden, die aus dieser Webseite erwachsen könnten.