Konstigmin® ad us. vet., Injektionslösung
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz

Vetoquinol AG

Peristaltikum für Wiederkäuer, Pferde, Schweine, Hunde und Katzen

ATCvet-Code: QA03AB93

 

Zusammensetzung

1 ml Injektionslösung enthält:
Neostigminium bromatum 2,5 mg
Conserv.: Alcohol benzylicus15,0 mg
Natrii chloridum, Natrii acetas trihydricum, Aqua ad injectabilia
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Neostigmin
 

Eigenschaften / Wirkungen

Konstigmin ist ein Parasympathomimetikum, dessen pharmakologische Wirkung in der Hemmung der enzymatischen Hydrolyse des Acetylcholins durch die Cholinesterase beruht. Damit wird die physiologische Überträgersubstanz im parasympatischen Nervensystem und an der motorischen Endplatte des Skelettmuskels, das Acetylcholin, stabilisiert und akkumuliert und so seine Wirkung verlängert und verstärkt.
Aufgrund dieser Wirkungsweise führt Konstigmin an den Organen mit glatter Muskulatur, wie dem Magen-Darm-Trakt und dem Urogenitalsystem zu Kontraktionen mit Tonussteigerung und erhöhter Peristaltik und damit zur Darmentleerung und zum Harnabsatz. Die Aktivität der glatten Muskulatur wird dabei physiologisch ausgelöst und kann durch Dosisvariation der notwendigen therapeutischen Einflussnahme angepasst werden. Ein Einfluss auf den trächtigen Uterus ist nicht oder nur geringgradig vorhanden.
Infolge der Acetylcholin-Stabilisierung wirkt Konstigmin dem Leistungsabfall der Skelettmuskulatur bei Myasthenia gravis des Hundes entgegen. Es kann dabei diagnostisch und therapeutisch eingesetzt werden und führt nach wenigen Minuten durch Aufhebung der raschen Erschöpfbarkeit des Muskels für mehrere Stunden zur normalen Muskeltätigkeit.
 

Pharmakokinetik

Neostigmin wird nach subkutaner Gabe rasch resorbiert. Die Resorption nach oraler Aufnahme beträgt nur etwa 14% der verabreichten Menge. Eine Passage der Blut-Hirn-Schranke findet nicht statt. Neostigmin wird aus dem Plasma schnell eliminiert; etwa 20 - 30 Minuten nach intravenöser Gabe ist es im Plasma nicht mehr nachweisbar. Eine Speicherung von Neostigmin erfolgt nicht.
Neostigmin wird fast vollständig metabolisiert und hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. Beim Hund werden ca. 9% als unverändertes Neostigmin ausgeschieden. Ein Teil der Metaboliten wird auch über die Galle eliminiert.
 

Indikationen

Bei atonischem, aber nachgewiesenermassen durchgängigem Darm: Anregung der Peristaltik
Futterintoxikationen und Vergiftungen zur raschen Darmentleerung
Paralytischer Ileus beim Rind
Myasthenia gravis beim Hund
In der Anästhesie: Antidot zu Curare und curareähnlichen, nichtdepolarisierenden Muskelrelaxantien
 

Dosierung / Anwendung

Pferd, Rind8-10 ml einmal pro Tag oder 3‑5 ml im Abstand von 30 Minuten
Schwein1-5 ml
Schaf, Ziege0,5-1,5 ml
Hund0,1-0,3 ml (bei Myasthenia gravis auch höhere Dosis je nach Krankheitsgrad)
Katze0,05 ml
 
Zur Dosierung kleiner Mengen eignet sich die Verdünnung (1:10) mit isotonischer Kochsalzlösung.
Konstigmin wird subkutan injiziert. Die Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein.
Beim Pferd empfiehlt sich in vielen Fällen die fraktionierte Applikation, da es bei Koliken je nach Reaktionslage verschieden stark anspricht. Die Gesamtdosis kann injiziert werden, wenn eine kräftige Anregung der Peristaltik erwünscht ist.
Bei den übrigen Tieren wird die Gesamtsdosis im allgemeinen auf einmal injiziert. In schweren Fällen mit Allgemeinstörungen ist auch hier die fraktionierte Applikation indiziert.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Lungenerkrankungen, traumatische Gastritis
Konstigmin sollte bei Vagotonie mit Bradykardie und Hypotonie und bei Bronchospasmus vorsichtig angewendet werden.
Mechanischer Ileus jeder Art, schwerer Meteorismus
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Die Anregung der Schweiss- und Speichelsekretion ist sehr gering. Bei Überdosierung treten Unruhe, motorische Aktivität mit Muskelzuckungen, erhöhte Schweiss- und Speichelsekretion, Tachykardie und Hypotonie auf. Als Antidot kann Atropinsulfat als kompetitiver Hemmstoff des Acetylcholins und gegebenenfalls ein Barbiturat gegen die Muskelkontraktionen appliziert werden.
 
Keine
 

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung mit anderen Parasympathomimetika ist wegen der Gefahr einer unkontrollierbaren Wirkungsverstärkung zu vermeiden. Neostigmin soll nicht gemeinsam mit depolarisierenden Muskelrelaxanzien und Narkotika mit blutdrucksenkender Wirkung gegeben werden.
Phenobarbital-Vorbehandlung kann zu einer Verkürzung der Wirkungsdauer von Neostigmin führen.
 

Sonstige Hinweise

Aufbrauchsfrist nach 1. Entnahme: 4 Wochen
Lagerung: Raumtemperatur (15 - 25°C)
Medikament zum Schutz der Kinder sicher aufbewahren!
 

Packungen

Schachtel mit 5 Stechampullen zu 10 ml

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 43'619

Informationsstand: 06/2006

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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