Sedalin® Gel ad us. vet., Oraldoser
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

Vetoquinol AG

Orales Sedativum für Pferd und Hund

ATCvet-Code: QN05AA04

 

Zusammensetzung

1 ml Gel im Oraldoser enthält
Acepromazinum (ut A. maleinicum) 35 mg
Conserv.: E216, E218, Aromatica: Cyclamas
Excip. ad gelatum
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Acepromazin
 

Eigenschaften / Wirkungen

SEDALIN enthält das klinisch bestens bewährte, sehr gut verträgliche Phenothiazin-Derivat Acepromazin. Durch seine zentral psychomotorische Hemmung führt es zur verminderten Erregbarkeit (Sedation) und verminderten Motorik (Hypokinese) mit Erschlaffung der Muskulatur, wobei das Bewusstsein nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Dieser Zustand der relativen Indifferenz gegenüber der Umwelt führt zur teilnahmslosen Gleichgültigkeit mit reduzierter Schmerzempfindung, so dass Manipulationen an dem und mit dem Tier mühelos möglich sind. Die psychische Erregbarkeit, Aggressionen, Angst und Abwehrreaktionen werden gehemmt.
Die Wirkung zusätzlich applizierter zentraler oder peripherer Analgetika (Barbiturate, Morphinderivate, Lokalanästhetika) wird durch Acepromazin potenziert und kann zur Neuroleptanalgesie genutzt werden.
Infolge der dämpfenden Wirkung auf das autonome Nervensystem beugt SEDALIN möglichem Erbrechen in der Narkose vor. Es kann auch als Antiemetikum angewendet werden.
Von besonderem Vorteil ist die gute Applizierbarkeit des Sedalin Gels. Die benötigte Dosis ist klein und das Präparat kann oral verabreicht werden.
 

Pharmakokinetik

Die Wirkung tritt nach der Verabreichung rasch ein:
Grosstiere 30 - 60 min., Kleintiere 15 - 20 min.
Die Dauer der Wirkung beträgt bei der angegebenen Dosierung durchschnittlich 6 - 12 Stun­den.
Die angegebene Dosierung kann je nach gewünschter Wirkung variiert werden. Eine Erhöhung ist aufgrund der geringen Toxizität von Acepromazin möglich, führt jedoch nicht immer zu verstärkter Sedation.
 

Indikationen

Ruhigstellung von Pferden und Hunden
Ausschaltung von Abwehrreaktionen bei Fixationsmassnahmen und bei Untersuchungen
Prämedikation vor Allgemeinnarkosen
Sedation bei Nervosität, Muskelkontrakturen (Tetanie, Lumbago), Stress-Situationen, Transporten
Symptomatische Therapie bei Erbrechen, Reisekrankheit
 
1 Oraldoser enthält 10 Oraldosen = 10 Teilstriche (T.S.)
 
  Richtdosis
Acepromazin
mg/kg
   
Pferd  
   
Leichte
Sedation
2 - 3 T.S.0,1 - 0,2
   
Stärkere
Sedation,
4 - 6 T.S.0,3 - 0,4
Prämedikation(2 Std. vor
Operationen)
 
   
Fohlen  
   
Leichte
Sedation
1 - 1½ T.S.0,3 - 0,5
   
Stärkere
Sedation,
2 - 3 T.S.0,7 - 1,0
Prämedikation(2 Std. vor
Operationen)
 
   
Hund  
   
Stärkere½ - 1 T.S.1,0 - 2,0
Sedationpro 20 kg KGW 
 
Das geschmacklich gut abgestimmte Gel wird den Tieren direkt in die Mundhöhle (Backe, Zungengrund) verabreicht.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen:

Nicht anwenden bei Hunden mit einem Körpergewicht von weniger als 17,5 kg.
Nicht anwenden bei Anämie, posttraumatischem Schock, starker psychischer Erregung, bei bestehender Krampfneigung, Status epilepticus.
Nicht anwenden bei trächtigen oder säugenden Stuten.
Nicht anwenden bei Hypovolämie, Hypothermie, Herzerkrankungen, Leberschäden, Blutgerinnungsstörungen.
Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile.
Da Acepromazin den Sympathikotonus senkt, sollte es nicht gleichzeitig mit blutdrucksenkenden Mitteln angewendet werden.
 

Vorsichtsmassnahmen:

Acepromazin hat, wenn überhaupt, nur eine geringe schmerzstillende Wirkung, so dass bei alleiniger Anwendung keine schmerzhaften Maßnahmen durchgeführt werden dürfen.
Sedierte Tiere sollten an einem ruhigen Platz untergebracht und sensorische Reize soweit wie möglich vermieden werden.
Hund: Windhunde und sehr große Hunderassen können überempfindlich auf Acepromazin reagieren, so dass bei diesen Tieren die mögliche Mindestdosis verabreicht werden sollte.
Bei bestimmten Rassen und deren Kreuzungen (Collie, Sheltie, Australian Shepherd, Bobtail und andere) konnte eine Genmutation nachgewiesen werden, die für die Überempfindlichkeit gegenüber Acepromazin verantwortlich ist. Bei diesen Rassen sollte die Dosierung auf die Hälfte der Normaldosis reduziert werden.
Bei brachycephalen Rassen (bes. beim Boxer) kann es zu Synkopen mit nachfolgender Bradykardie kommen. Dies kann durch eine Verringerung der Dosis von Acepromazin und gleichzeitiger Gabe eines Anticholinergikums wie Atropin verhindert werden.
Nach der Eingabe sollte das Tier bis zum Wirkungseintritt in einer ruhigen Umgebung platziert werden, um einen maximalen sedativen Effekt zu ermöglichen. Sedierte Tiere sollten bei gleich bleibender Umgebungstemperatur sowohl während des Eingriffs/der Untersuchung als auch während der Aufwachphase warm gehalten werden.
Pferd: Nicht bei Kolik anwenden, da keine Schmerzreduktion erreicht wird und die sedative Wirkung möglicherweise die Koliksymptome verschleiert. Ausserdem kann Acepromazin einen Blutdruckabfall verursachen.
Eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen und schnellen Bewegungen kann eine Unterbrechung der Sedierung zur Folge haben.
Nach der Anwendung des Tierarzneimittels bei Pferden sollte eine Ruhepause von 36 h eingehalten werden.
Die Anwendung des Tierarzneimittels kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.
Aufgrund der Relaxation des Musculus retractor penis kann es zum Penisvorfall kommen. Daher ist bei Hengsten der niedrigste Dosisbereich indiziert, um das Risiko eines Prolaps des Penis zu minimieren. Wenn der physiologische Zustand nach 2 bis 3 Stunden nicht wiederhergestellt ist, sollte eine Therapie eingeleitet werden. Gelegentlich kann Acepromazin Paraphimose oder Priapismus verursachen.
Trächtigkeit: Da keine spezifischen Untersuchungen der teratogenen Wirkung vorliegen, wird von der Verabreichung von Acepromazin während der Trächtigkeit abgeraten. Sie sollte nur nach einer entsprechenden Nutzen-Risiko-Bewertung durch den behandelnden Tierarzt erfolgen. Da Acepromazin auch über die Milch ausgeschieden werden kann, sollte die Anwendung während der Laktation ebenfalls nur nach entsprechender Nutzen-Risiko-Bewertung durch den Tierarzt erfolgen.
Es muss davon ausgegangen werden, dass Acepromazin zu einer verlängerten Sedation beim Neugeborenen führt, wenn es als Prämedikation vor einem Kaiserschnitt bei der Mutter angewendet wird.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Abnahme der Atemfrequenz, Zunahme der Herzfrequenz, vorübergehender Blutdruckabfall, Hemmung der Temperaturregulation, paradoxe Erregungserscheinungen.
Abnahme der Erythrozytenzahl und der Hämoglobinkonzentration sowie der Thrombozyten- und Leukozytenzahl.
Über eine gesteigerte Prolactinfreisetzung kann es nach Verabreichung von Acepromazin zu Störungen des Fruchtbarkeitsgeschehens kommen.
Seltene Fälle von paradoxen Erregungsreaktionen.
Unterschiedliche klinische Anzeichen von Aggressivität und generalisierter ZNS-Stimulation. Prolaps der Nickhaut.
 
Bei Pferden, die zur Schlachtung bestimmt sind, ist nach der letztmaligen Behandlung eine Absetzfrist von 6 Monaten für essbares Gewebe und Milch einzuhalten. Für die Arzneimittelbehandlung besteht eine Dokumentationspflicht.
Bei Pferden, die gemäss Pferdepass zeitlebens als Heimtiere deklariert sind, entfallen die Angaben zur Absetzfrist.
 

Wechselwirkungen

Acepromazin potenziert die Wirkung von zentral dämpfenden Pharmaka. Die gleichzeitige Anwendung von organischen Phosphorsäureestern (z.B. Anthelminthika) erhöht die Toxizität von Acepromazin.
 

Sonstige Hinweise

Bei Raumtemperatur (15 - 25°C) lagern!
Medikament zum Schutz der Kinder sicher aufbewahren!
 
Besondere Vorsichtsmaßnahmen für den Anwender:
Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Acepromazin oder anderen Phenothiazinen sollten den direkten Hautkontakt mit dem Tierarzneimittel unbedingt vermeiden. Personen mit empfindlicher Haut oder solche, die in ständigem Kontakt mit dem Tierarzneimittel sind, wird empfohlen, undurchlässige Handschuhe zu tragen.
Nach der Anwendung Hände waschen. Bei versehentlichem Hautkontakt sofort die exponierte Haut mit viel Wasser waschen. Kontakt mit den Augen vermeiden. Bei versehentlichem Augenkontakt die Augen vorsichtig 15  Minuten lang mit fliessendem Wasser ausspülen und bei anhaltender Reizung ärztlichen Hilfe aufsuchen.
Ein anderer Arzneistoff aus der Gruppe der Phenothiazine, das Chlorpromazin, verursacht bei manchen Menschen eine Lichtüberempfindlichkeit (Photoallergie). Acepromazin kann bei diesen Patienten infolge einer Kreuzallergie Hautreaktionen hervorrufen.
Im Falle einer versehentlichen Einnahme ist sofort ein Arzt aufzusuchen und diesem die Packungsbeilage oder Etikett zu zeigen. Nicht selbst Auto fahren, da Sedation und Blutdruckveränderungen auftreten können.
 

Packungen

Oraldoser (10 ml) mit 10 Oraldosen = 10 Teilstriche (T.S.)

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 42'760

Informationsstand: 12/2015

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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