Voren® ad us. vet.[E], Glukokortikoid
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz

Boehringer Ingelheim (Schweiz) GmbH

HINWEIS: Exportspezialität (Nur für den Vertrieb im Ausland zugelassen)!

Injektionssuspension für Hunde, Katzen, Schweine, Rinder und Pferde.

ATCvet-Code: QH02AB02

 

Zusammensetzung

Dexamethasonum 0,8 mg ut Dexamethasoni-21-isonicotinas, Excipiens: Conserv.: Methylis parahydroxybenzoas (E218) 1,35 mg, Propylis parahydroxybenzoas (E216) 0,15 mg; Polysorbatum 80, Natrii chloridum, Aqua ad iniectabilia pro 1 ml.
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Dexamethason
 

Eigenschaften / Wirkungen

Dexamethason (9α-Fluor-­16α-Methylprednisolon) ist ein stark wirksames Kortikosteroid mit langer Wirkungsdauer. Dexamethason hat eine 30fach stärkere glukokortikoide Wirkung als Cortisol, während die mineralokortikoide Wirkung zu vernachlässigen ist.
Der freie Wirkstoff ist kaum löslich (weder in Wasser noch in Alkohol).
Voren® enthält den gut wasserlöslichen und leicht spaltbaren Dexamethasonester-21-Isonicotinat. Nach i.v. Injektion von Voren® ist mit einem schnellen Wirkungseintritt zu rechnen. Dagegen ist die Absorption von der i.m. Injektionsstelle langsam, was auf die mikrokristalline Aufbereitung mit 95% der Partikel kleiner als 12 Mikrometer zurückzuführen ist.
Die schnellen Effekte wie Membranstabilisierung (z.B. von Mastzellen und basophilen Granulozyten) und die Erniedrigung der Gefässpermeabilität werden durch bisher kaum bekannte Mechanismen bewirkt (membranständige Rezeptoren, direkte Interaktion mit der Lipidmembran).
Gut erforscht ist dagegen der Eingriff in die Regulation der Genexpression. Die intrazellulären Rezeptoren sind Teil eines Proteinkomplexes. Durch die Bindung des Steroids lösen sich diese aus dem Komplex und gelangen in den Zellkern, wo sie mit spezifischen DNS-Sequenzen der regulatorischen Region beeinflussbarer Gene interagieren. Die Folge ist, je nach Gen, eine Aktivierung oder Hemmung der Transkription. Stimuliert wird die Synthese kataboler Enzyme und hemmender Proteine (u.a. des Lipokortins, das die Phospholipase A2 und damit die Synthese von Prostaglandinen, Thromboxanen und Leukotrienen hemmt). Die Transkription der Gene vieler Zytokine (z.B. Interleukine, tumor necrosis factor, Interferon γ), der Corticotropin-Releasing-Hormone (wichtig im Feedback-Mechanismus des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Regelkreises) und verschiedener Enzyme (z.B. Kollagenasen) wird dagegen gehemmt.
Aufgrund dieses Reaktionsablaufs treten die typischen glukokortikoiden Effekte und die damit zusammenhängenden Wirkungen erst nach einer Latenzzeit auf und bleiben über das Veschwinden des Glukokortikoids aus der Blutbahn hinaus bestehen, solange sich im Zellkern noch Rezeptor-Glukokortikoid-Komplexe befinden.
Die auf molekularer Ebene beschriebenen Wirkungen führen zu einer Vielzahl physiologischer Effekte, die stets alle auftreten. Einige davon werden therapeutisch genützt, die anderen müssen dabei in Kauf genommen und gebührend beachtet werden.
Die resultierenden physiologischen Effekte betreffen hauptsächlich:
 
-den Stoffwechsel: katabole Stoffwechsellage mit vermehrter Proteolyse, Lipolyse (die Adipozyten verschiedener Körperregionen reagieren dabei unterschiedlich, was zu einer charakteristischen Fettumverteilung führt) und Glukoneogenese (Erhöhung der Blutglukosekonzentration). Die Erhöhung des Blutzuckerspiegels kann eine Appetitanregung bewirken.
  
-das Immunsystem und entzündliche Prozesse: Glukokortikoide weisen eine ausgeprägte antiinflammatorische Wirkung auf, durch die es zu einer Unterdrückung der Symptome akuter und chronischer, immunogener und nicht immunogener Entzündungen kommt.
    -schnell einsetzender Membran-stabilisierender Effekt, der sich auf praktisch alle biologischen Membranen erstreckt. Dadurch wird z.B. die Degranulation und Ausschüttung von Entzündungsmediatoren verhindert und ferner die Kapillarpermeabilität und damit exsudative Prozesse herabgesetzt.
    -rasch eintretende Hemmung der Cyclooxygenase und damit der Prostaglandinsynthese.
    -eine mit einer Latenz von einigen Stunden eintretende zusätzliche Blockade der Arachidonsäurekaskade. Durch den frühen Eingriff in die Arachidonsäurekaskade wird nicht nur die Bildung von Prostaglandinen, sondern auch von Leukotrienen unterdrückt. Letztere spielen wegen ihrer bronchokonstriktiven Wirkung bei obstruktiven, allergischen Atemwegserkrankungen eine wichtige Rolle.
    -antiproliferative Wirkung durch Hemmung mesenchymaler Prozesse.
 
-das Endokrinum:
    -die permissive Wirkung auf β-adrenerge Rezeptoren ist ein bedeutsamer Effekt bei Bronchialasthma.
    -der Antagonismus mit Vitamin D3 führt zusammen mit der vermehrten Ausscheidung durch die Niere zu einer Erniedrigung der Konzentration von ionisiertem Kalzium im Blut.
    -der Hypothalamus-­Hypophysen-Neben­nieren­rinden-Regel­kreis wird durch den negativen Rückkopplungsmechanismus gehemmt.
 
-das zentrale Nervensystem: die Steigerung von Aufmerksamkeit, Erregbarkeit und Wohlbefinden erfolgt einerseits direkt durch noch wenig bekannte Mechanismen und andererseits indirekt durch die Erhöhung des Blutdruckes und der Blutglukosekonzentration.
 

Pharmakokinetik

Der zeitliche Verlauf der Blutplasmakonzentration von Dexamethason ist nicht identisch mit dem Wirkungsverlauf. Für den unveresterten Wirkstoff und gut wasserlösliche Ester liegt die Halbwertszeit bei 2 - 5 Stunden für die Plasmakonzentration, für biologische Wirkungen aber im Bereich von 24 Stunden.
Im Plasma ist Dexamethason zu ca. 80% proteingebunden. Das freie Molekül passiert die Blut-Hirn-, die Blut-Milch- und die Plazentaschranke.
Wie alle Glukokortikoide wird Dexamethason in der Leber - wenn auch langsamer als die natürlichen Hormone - metabolisch inaktiviert und durch Koppelung an Glukuronid und zu einem geringen Teil an Sulfat wasserlöslich gemacht. Die resultierenden Ester werden hauptsächlich renal ausgeschieden.
Wie für alle Wirkstoffe ist die Kinetik vom Präparat, von der Applikationsart und von der Spezies abhängig. Die bisher publizierten Daten sind lückenhaft und z.T. widersprüchlich. So findet man z.B. für freies Dexamethason beim Pferd Halbwertszeiten von weniger als einer Stunde bis mehr als zehn Stunden.
Soweit untersucht, scheint der Wirkungsverlauf weniger variabel zu sein. Besondere Beachtung ist den Tatsachen zu schenken, dass die Resorption bei allen Applikationsarten (auch lokal) relativ schnell in beträchtlichem Ausmasse erfolgt und dass bei Kris­tall­sus­pen­sionen der Wirkungseintritt verzögert und die Wirkungsdauer markant verlängert ist (die Unterdrückung der endogenen Kortisolbildung hält beim Rind nach einmaliger Applikation bis zu 45 Tage lang an).
 

Indikationen

Voren® hat glukoneogenetische, antiinflammatorische und antiallergische Wirkungen. Anwendungsgebiete bei Hund, Katze, Schwein, Rind und Pferd:
-aseptische Entzündungen des Bewegungsapparates
-allergische Erkrankungen der Haut, Juckreiz, Bronchialasthma, Autoimmunkrankheiten und rheumatoide Erkrankungen bei Hunden und Katzen
-Hufrehe der Pferde im frühen exsudativen Stadium
-primäre Ketose des Rindes
-Mastitis-Metritis-Agalaktie-Syndrom der Mutterschweine (MMA)
 
Die Suspension ist vor jeder Anwendung gut aufzuschütteln.
-Hund und Katze:
Zur einmaligen intramuskulären oder subkutanen Injektion:
  
Antiinflammatorisch, antiallergisch:
0,1 - 0,5 mg/kg (= 0,1 - 0,6 ml/kg)
  
Immunsuppressiv:
0,25 - 0,5 mg/kg (= 0,3 - 0,6 ml/kg)
  
-Schwein, Rind und Pferd:
Zur einmaligen intramuskulären Injektion:
0,010 - 0,030 mg/kg (= 0,01 - 0,03 ml/kg = 1 - 3 ml/100kg)
 
Im Allgemeinen ist eine einmalige Verabreichung ausreichend. Falls erforderlich, kann die Behandlung frühestens 4 - 5 Tage nach der ersten Anwendung wiederholt werden.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Letztes Drittel der Trächtigkeit bei Wiederkäuern, Diabetes mellitus, Magen-Darm-Ulcera, Osteoporose, aktive Immunisierung, akute bakterielle und virale Infektionen (ausser in lebensbedrohlichen Situationen), Systemmykosen, septische Prozesse.
 

Vorsichtsmassnahmen

In sehr seltenen Fällen können anaphylaktische Reaktionen auftreten, die fatal sein können.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Die Liste der möglichen Nebenwirkungen umfasst alle Effekte der Glukokortikoide. Häufigkeit und Ausmass des Auftretens ist ausser von individuellen Faktoren des Patienten von der Dosierung und der Therapiedauer abhängig. Besonders bei langer Therapiedauer und bei Verwendung von Depotpräparaten können folgende Wirkungen ausgeprägt auftreten:
-erhöhtes Infektionsrisiko
-verzögerte Wundheilung
-Magen-Darm-Ulcera
-Osteoporose, Arthropathie, Hautatrophie, Muskelschwund
-Geburtsauslösung bei Wiederkäuern im letzten Drittel der Trächtigkeit
-verminderte Glucosetoleranz
-Erniedrigung der Krampfschwelle
-ACTH-Suppression, NNR-Inaktivitätsatrophie
-verminderte Milchleistung (ausser nach Anwendung bei primärer Ketose)
 
Essbare Gewebe:
Rind, Pferd, Schwein:42 Tage
Milch:2,5 Tage
 

Wechselwirkungen

Der Kaliumverlust durch bestimmte Diuretika (Schleifendiuretika und Thiazide) wird erhöht. Daraus resultiert eine verminderte Herzglykosidtoleranz. Kombination mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) erhöht die Gefahr gastrointestinaler Ulzerationen. Der Insulinbedarf bei Diabetes kann erhöht sein. Pharmaka, die die Leberenzyme induzieren, vermindern die Wirkung.
 

Sonstige Hinweise

Vor Gebrauch schütteln.
Haltbarkeit
Nicht über 25°C lagern. Vor Frost schützen.
Das Präparat darf nur bis zu dem auf der Packung mit "EXP" bezeichneten Datum verwendet werden.
Aufbrauchfrist nach erster Entnahme: 28 Tage.
Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
 

Packungen

Nur für den Vertrieb im Ausland bestimmt

Exportspezialität: Vertrieb in der Schweiz nicht zugelassen!

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 33'875

Informationsstand: 03/2011

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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