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Mastitiden

Wichtige Hinweise

Mastitiden sind zusammen mit Fruchtbarkeitsproblemen die häufigsten Erkrankungen von Milchkühen; sie führen zu beträchtlichen ökonomischen Verlusten durch vorzeitige Ausmerzungen, Milchverlust und erhöhtem Arbeitsaufwand. Sie sind eine der häufigsten Indikationen für den Einsatz von Antibiotika beim Milchvieh.

 
Krankheitsbild / Symptomatik / Risikofaktoren

Hintergrundinformationen

Mastitis ist eine Entzündung des Eutergewebes und steht meist in Verbindung mit einer intramammären Infektion durch Bakterien.

Einteilung der Mastitiden

Tabelle: Einteilung der Mastitisformen nach Sears and McCarthy, 2003

Befund Subklinische Mastitis Klinische Mastitis
Grad 1
Klinische Mastitis
Grad 2
Klinische Mastitis
Grad 3
Allgemeinzustand Ungestört Ungestört Ungestört Deutlich gestört
Innere
Körpertemperatur
Normal Normal Normal oder ggr. erhöht Deutlich erhöht oder Untertemperatur
Grobsinnliche 
Veränderungen der Milch
Keine Vorhanden Vorhanden Vorhanden
Veränderungen am Euter/Viertel Keine Keine Vorhanden Vorhanden
Zellzahl Gemelk >100'000 Zellen/ml >100'000 Zellen/ml >100'000 Zellen/ml >100'000 Zellen/ml
Schalmtest (CMT) ++-+++ +++ +++ +++
Illustration

Kuheigene Faktoren, welche den Behandlungserfolg massgeblich beeinflussen
  • Involvierter Keim: Infektionen mit Staphylococcus aureus, insbesondere Penicillin-resistente Stämme, haben sehr schlechte Heilungstendenz (Internalisierung in Zellen). Viertel, die bereits mit Streptococcus uberis infiziert waren weisen ein deutlich erhöhtes Risiko einer Reinfektion auf insbesondere in chronischen Fällen, dies suggeriert manchmal das Bild eines Rezidivs oder einer ungenügenden Heilung.
  • Alter der Kuh bzw. Laktationsnummer: Bei jungen Kühen (1. und 2. Laktation) ist der Therapieerfolg besser.
  • Verlauf der Mastitis: Je länger Mastitiden insbesondere mit Problemkeimen (Staphylococcus aureus, Streptococcus uberis) bestehen, umso schlechter ist die Heilungstendenz.
  • Mastitisvorgeschichte, Vorbehandlungen: Kühe, die in derselben Laktation bereits eine Mastitis hatten bzw. schon wegen Mastitis behandelt wurden, haben einen deutlich reduzierten Behandlungserfolg.
  • Anzahl infizierte Viertel: Ist nur ein Viertel infiziert, ist der Behandlungserfolg deutlich besser als bei mehr als einem infizierten Viertel.
  • Klinische Befunde am Viertel/Euter: Verhärtungen und Abszesse im betroffenen Viertel haben meist sehr schlechte Heilungstendenz und sprechen für ein chronisches Geschehen.

Gängige Mastitiserreger und ihre Eigenschaften

Die Mastitiserreger werden in der Literatur in sog. «minor mastitis pathogens» und «major mastitis pathogens» eingeteilt. Das Kriterium ist dabei, wie schwergradig die Veränderungen in den Zellzahlen und/oder bei den klinischen Symptomen ausfallen. So gilt z.B. Staphylococcus aureus (S. aureus) als «major» Erreger, da er Zellzahlen von weit über einer Million verursachen kann, obwohl er fast nie klinische Mastitiden verursacht.
Im Gegenzug dazu gelten die non-aureus Staphylokokken (NAS, auch «andere Staphylokokken» genannt) als «minor» Erreger, da sie fast ausnahmslos subklinische Mastitiden mit einer moderaten Zellzahlerhöhung verursachen.
In Tabelle 2 sind alle Erreger mit ihren wichtigsten Eigenschaften zusammengefasst.

Tabelle: Zusammenfassung Mastitiserreger

Erreger Mastitisform Therapieerfolga Major/Minor Reservoir
E. coli Klinisch Gut für Kuh, moderat für Viertel Major Umwelt
Klebsiella spp. Klinisch 30% Erfolg, 30% Überlebende, 30% Abgänge Major Umwelt
Andere Coliforme Klinisch Gut für Kuh, moderat für Viertel Major Umwelt
S. uberis Klinisch / subklinisch Gut bei Neuinfektionen
< 30% bei Rezidiven oder chron. Verläufen
Major Umwelt
S. dysgalactiae
Klinisch / subklinisch Gut Major Intermediär
S. agalactiae Klinisch / subklinisch Gut Major Euter
Streptococcus spp. Klinisch / subklinisch Keine Therapie Minor Umwelt
S. aureus GTB Subklinisch > 80% bei Neuinfektionen
< 30% bei chron. Infektionen
Major Euter
S. aureus andere GT Subklinisch (klinisch) > 80% bei Neuinfektionen
< 30% bei chron. Infektionen
Major Euter und 
Umgebung Kuh
Non-aureus Staphylokokken (NAS, «andere Staphykokokken»), Corynebacterium renale-Komplex
S. xylosus Subklinisch Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung Minor eher Umgebung
S. haemolyticus Subklinisch Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung Minor Umgebung
S. chromogenes Subklinisch Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung Minor eher euterassoziiert
S. simulans   Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung    
S. fleuretii Subklinisch Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung Minor Umgebung
S. sciuri (neu Mammaliicoccus) Subklinisch / klinisch Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung Minor Umgebung
Corynebacterium renale-Komplex Subklinisch (klinisch) Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung Minor Strichkanal
Exoten – seltener vorkommende Mastitiserreger
Trueperella pyogenes Klinisch Grad 1-2 Frühe Therapie möglich
Keine Therapie, wenn abszediert
Major Umwelt
Bacillus cereus Klinisch Grad 3 Meist keine Therapie mehr möglich Major Umwelt
Nocardia asteroides Klinisch Grad 2-3 Keine Therapie möglich Major Umwelt, stehendes Wasser
Atyp. Mykobakterien Klinisch Grad 1-2 Keine Therapie möglich Major Umwelt, Kompost, Biofilme
Hefen Klinisch Grad 1-2 Keine Therapie möglich Major Umwelt
Aspergillen Klinisch Grad 2-3 Keine Therapie möglich Major Umwelt
Prototheca Klinisch Grad 1-2 Keine Therapie möglich Major Umwelt, stehendes Wasser
Mycoplasmopsis (Synonym Mycoplasma) bovis Klinisch Grad 1-2 Keine Therapie möglich Major Kuhassoziiert
Pasteurella spp. Klinisch Grad 1 Therapieerfolg 50-80% Major Umwelt, Mutterkühe und muttergebundene Kälberaufzucht vermehrt
  • a die hier aufgeführten Prozentzahlen sind Schätzungen, welche auf der aktuellen Literatur und der klinischen Erfahrung der Autorin beruhen.
 
Diagnose / Tests

Gängige Methoden

Adspektion und Palpation des Euters, Untersuchung der Milch mittels Schalmtest, Zellzahlmessung. Eine Untersuchung auf Mastitis-Erreger wird in jedem Fall empfohlen (siehe Labordiagnostik). Die meisten Mastitis Erreger lassen sich gut kulturell anzüchten. Sonderfälle (z. B. Verdacht auf atypische Mykobakterien, Hefen, Schimmelpilze, Prototheca spp. und Mycoplasmopsis bovis (Synonym Mycoplasma bovis)) sollten mit dem Labor vorab besprochen werden.

 
Therapieleitlinien

Tabelle für eilige Leserinnen und Leser

Tierkate-​
gorie
Applikation First line Second line Third line Stark eingeschränkter Einsatz no go Bemerkungen
Mastitiden
Kühe
S. uberis
intramammär Benzylpenicillin,
Cephalexin
Amoxicillin   Makrolide   Verlängerte Therapiedauer (5 Tage) bringt eine verbesserte Heilungsrate
S. agalactiae (Gelber Galt)
intramammär Benzylpenicillin          
S. aureus
intramammär Benzylpenicillin + Gentamicin
Benzylpenicillin + Cloxacillin
Cefalexin + Kanamycin   Makrolide (Spiramycin)    
Non-aureus Staphylokokken (andere Staphylokokken)
intramammär Benzylpenicillin + Aminoglykoside Cloxacillin       Keine Laktationstherapie, nur zum Trockenstellen
Corynebacterium renale-Komplex
intramammär Benzylpenicillin Benzylpenicillin + Aminoglykoside       Keine Laktationstherapie, nur zum Trockenstellen
E. coli, Klebsiella spp.
systemisch Sulfonamid + Trimethoprim     Fluorchinolone   Keine wissenschaftliche Evidenz für zusätzliche intramammäre Therapie
Trueperella pyogenes (Weidemastitis, Sommermastitis)
intramammär Benzylpenicillin         Wirkungslos bei bereits abszediertem Geschehen
Mycoplasmen und Mykobakterien
Keine wirksame Therapie
Hefen und Aspergillen
Keine Antibiotikatherapie, begünstigt Pilzwachstum

 

Systematische Vorgehensweise

Vorgehen bei der Evidenz-basierten, selektiven Mastitistherapie: klinische Mastitis

 

Grafik 1: Vorgehen bei der selektiven Therapie von klinischen Mastitiden während der Laktation adaptiert nach DeJong et al. 2023.
(G-, G+ = Gram-negativ bzw. Gram-positiv; W-tum = Wachstum; AB = Antibiotika; NSAID = nicht-steroidale Entzündungshemmer; syst = systemisch; IMM = intramammär)

Vorgehen bei der Evidenz-basierten, selektiven Mastitistherapie: subklinische Mastitis
  • Untenstehendes Schema soll ausschliesslich bei Neuinfektionen angewendet werden!  Chronisch verlaufende, subklinische Infektionen (Kuh hat seit 3 Monaten erhöhte Zellzahlen) sollen aufgrund des geringen Behandlungserfolges NICHT antibiotisch behandelt werden!
  • Verlängerte Therapie bedeutet: 5 Tage antibiotische Versorgung des Viertels, wobei Präparate, welche für die 1 × tägliche Anwendung registriert sind, 1 × täglich verabreicht werden (5 Injektoren/ Viertel) und Präparate, welche für die 2 × täglich Verabreichung registriert sind, 2 × täglich verabreicht werden (10 Injektoren/Viertel). Als Alternative kommt die i.m. Applikation von Penethamaten über 5 Tage (1 Gabe pro Tag) in Frage. Die systemische Verabreichung wird besonders in Betrieben mit automatischen Melksystemen favorisiert, weil der normale Melkablauf dadurch kaum gestört wird.

 

Grafik 2: Vorgehen bei der selektiven Therapie von subklinischen Mastitiden während der Laktation adaptiert nach DeJong et al. 2023 (NAS: non-aureus Staphylokokken, «andere Staphylokokken»; W-tum: Wachstum); Zwischendesinfektion = Zwischendesinfektion der Melkzeuge mit Peressigsäure oder Dampf (Automatische Melksysteme)

Wahl der Wirkstoffe

Grundsätzliches

Applikationsart: Systemische und intramammäre Applikation von Antibiotika haben sich als gleichwertig erwiesen, sofern für die systemische Applikation Wirkstoffe verwendet werden, die sich gut im Euter verteilen (z. B. Penethamate). Die lokale, sprich intramammäre Applikation ist bei subklinischen und klinischen Mastitiden Grad 1 - 2 der systemischen Applikation vorzuziehen. Ausnahme: Penicillin-sensible Erreger können in Betrieben mit automatischen Melksystemen auch mit Penethamaten intramuskulär behandelt werden, damit die Kuh in ihrem Melkrhythmus nicht eingeschränkt werden muss.

Therapiedauer: Eine bessere bakterielle Heilungsrate kann bei Staphylococcus aureus und Streptococcus uberis durch eine Verlängerung der Therapiedauer erreicht werden. Bei den übrigen Keimen scheint eine Verlängerung der Therapiedauer keine Verbesserung des Therapieerfolges zur Folge zu haben.

Erregerspezifische Therapieempfehlungen:

Streptococcus uberis (S. uberis)
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Intramammär
First line
Benzylpenicillin Verlängerte Therapiedauer (5 Tage) bringt eine verbesserte Heilungsrate. Zusätzlich 3 Tage NSAID. (Achtung Absetzfrist)
Empfohlene Dosierung für Penethamate i.m.: Verlängerte Therapie auf 5 Tage (SID) i.m. 1. Tag 10 Mio, 4 Folgetage jeweils 5 Mio.
Cephalexin  
Second line Amoxicillin Amoxicillin in Euterinjektoren in der Schweiz nur in Kombination mit Clavulansäure und Prednisolon erhältlich
Stark eingeschränkter Einsatz Makrolide Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden

 

Streptococcus agalactiae (S. agalactiae, Gelber Galt)
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Intramammär
First line Benzylpenicillin Kaum mehr vorkommend, keine aktuellen Informationen über die Resistenzsituation in der Schweiz.

 

Staphylococcus aureus (S. aureus)
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Intramammär
First line

Benzylpenicillin + Gentamicin Achtung: Häufiges Vorkommen von Penicillinase bildenden S. aureus.
Bisher kaum Resistenzen gegen Aminoglykoside bekannt.
Benzylpenicillin + Cloxacillin
Second line CefalexinKanamycin Als Kombinationspräparat erhältlich
Stark eingeschränkter Einsatz Makrolide (Spiramycin) Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden

 

Non-aureus Staphylokokken («andere Staphylokokken»)
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Intramammär
First line BenzylpenicillinAminoglykoside KEINE Laktationstherapie, nur zum Trockenstellen!
40-72% Penicillin-resistente Stämme (Sommer et al. 2025)
Second line Cloxacillin Rund 2% der Stämme sind Cloxacillin-resistent

 

Corynebacterium renale-Komplex
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Intramammär
First line Benzylpenicillin KEINE Laktationsbehandlung, nur zum Trockenstellen
Momentan nur in Kombination mit Neomycin erhältlich
Second line Benzylpenicillin + Aminoglykoside  

 

E. coli, Klebsiella spp.
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Systemisch
First line Trimethoprim-Sulfonamid Keine wissenschaftliche Evidenz für zusätzlich intramammäre Therapie vorhanden!
Wichtig: Flüssigkeitstherapie (i.v. oder peroral) und Verabreichung von NSAID.
Stark eingeschränkter Einsatz Fluorchinolone Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden

 

Trueperella pyogenes (Weidemastitis, Sommermastitis) *
Priorisierung Antibiotika Bemerkungen
Intramammär
First line Benzylpenicillin Wirkungslos bei bereits abszediertem Geschehen!
Ultraschall des Viertels kann bei der Prognosestellung helfen!

Mycoplasmen und Mykobakterien: Keine wirksame Therapie!

Hefen und Aspergillen: Keine Antibiotikatherapie! Begünstigt Pilzwachstum.
 

Kontrolle Behandlungserfolg

Klinische Heilung: Verschwinden der klinischen Symptome wie Schwellung, Rötung, Schmerzhaftigkeit eines Viertels, Absinken der Körpertemperatur auf Normalwerte. Nach Behandlung einer akuten klinischen Mastitis sollten die Symptome innerhalb von 24 Stunden stark verringert und die Körpertemperatur wieder im Normbereich sein. 
Die Normalisierung des Sekretes kann je nach Schädigung des Eutergewebes auch 2 - 3 Tage dauern. Der Schalmtest bzw. die Zellzahl sollte sich innerhalb einer Woche normalisieren.

Bakteriologische Heilung: Bei Mastitiden, die von Problemkeimen (S. aureus, S. uberis) verursacht werden, sollte der Therapieerfolg mit der Analyse einer Milchprobe innerhalb von ca. 2 - 3 Wochen nach Abschluss der Behandlung erfolgen. Für S. aureus ist die PCR wegen ihrer höheren Sensitivität die Methode der Wahl. Für Herdensanierungen: Fachinformationen RGS.

Troubleshooting

Was tun, wenn eine Kuh mit einer akuten/perakuten klinischen Mastitis nicht auf die Initialbehandlung anspricht?
Zeigt die Kuh ein apathisches Verhalten, Inappetenz, gerötete Schleimhäute und Hypothermie evtl. sogar Durchfall, muss von einer Toxämie ausgegangen werden. Die antibiotische Behandlung des Euters ist sekundär, vielmehr muss die Toxämie mit Flüssigkeit (i. v. oder per Sonde) und mit NSAID aggressiv bekämpft werden. Zur Unterstützung hilft regelmässiges Ausmelken mit Oxytocin. Die Prognose ist für die Kuh ungünstig und für das betroffene Viertel oft infaust.

Was tun, wenn die Kuh zum Zeitpunkt des Trockenstellens eine subklinische Mastitis hat? Soll diese vor der Applikation des Euterschutzes noch behandelt werden?
Die Entnahme einer Milchprobe und die Applikation eines geeigneten Euterschutzes genügen. Die Heilungsraten sind mit einer zusätzlichen Therapie nicht besser.

Wie ist vorzugehen, wenn bei einer Kuh wiederholt Milchprobenresultate mit Mischflora resultieren?
Keinesfalls sollte aufgrund eines solchen Kulturresultates eine Behandlungsempfehlung gemacht werden! Sehr oft betrifft dies Kühe mit verhornten Strichkanalöffnungen. Diese lassen sich oft nicht genügend desinfizieren. Eine Milchprobenentnahme durch einen sterilen Melkkatheter (nach sorgfältiger Desinfektion der Zitzenkuppe) kann in einigen Fällen ein besseres Resultat bringen (Bexiga et al. 2011).

Resistenzlage

Aktuelle Resistenzdaten können über Resistenzdaten Veterinärmedizin - ANRESIS eingesehen werden.

Die Resistenzlage ist oft sehr betriebsspezifisch und steht im Zusammenhang mit dem Antibiotikaverbrauch in der jeweiligen Herde. 

S. agalactiae
Da kaum Vorkommen in der Schweiz, kann über die Schweizer Resistenzsituation keine Aussage gemacht werden.

S. agalactiae Europäische VetPath Studie (El Garch et al 2020)
Keine bis tiefe Resistenzraten Penicillin
Hohe Resistenzraten Erythromycin und Pirlimycin (27.3%)
Sehr hohe Resistenzraten Tetrazyklin (68.2%)

S. aureus
Obwohl in mehreren Schweizer Studien nur bei rund 20 % der Isolate eine in vitro Penicillinresistenz festgestellt wurde, gilt bei diesem Keim eine erhöhte Wachsamkeit, da humane Isolate und Isolate von anderen Tierarten multiple Resistenzen entwickelt haben und vereinzelt in Mastitisproben bzw. in Tankmilch gefunden wurden. Im Sinne einer intensiven Überwachung sollte bei S. aureus deshalb die Resistenzlage regelmässig abgeklärt werden.

S. aureus Tierpathogene CH 2024
Keine Resistenzen Erythromycin
Sehr tiefe Resistenzraten Cefalothin (1%) und Gentamicin (1%)
Mittlere Resistenzraten Penicillin und Ampicillin (je 15%)
Besonderes Es wurde ein Methicillin-resistenter S. aureus (MRSA) nachgewiesen (1%)

E. coli

E. coli Tierpathogene CH 2024
Keine Resistenzen Ceftiofur und Cefoperazone
Sehr tiefe Resistenzraten Ein Isolat war resistent gegenüber Cefalothin und Cefoperazone
Tiefe Resistenzraten Gentamicin (1.8%), Marbofloxacin (1.8%), Ampicillin + Clavulansäure (2.6%)

S. uberis

S. uberis Tierpathogene CH 2021
Keine Resistenzen Ceftiofur
Tiefe Resistenzraten Marbofloxacin (3.9%) Erythromycin (9.4%)
Mittlere Resistenzraten Penicillin (13.3%) steigend; Pirlimicin (10.2%)

Obwohl S. uberis als zunehmend schwierig zu behandeln gilt, ist dies mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht auf eine Antibiotikaresistenz, sondern auf eine Behandlungsresistenz zurückzuführen.

S. dysgalactiae

S. dysgalactiae Tierpathogene CH 2023
Tiefe Resistenzraten Penicillin (2.4%) Ceftiofur (1.2%),
Marbofloxacin (1,2%), Pirlimicin (4.8%)
Mittlere Resistenzraten Erythromycin (10.7%)

Koagulase-negativen Staphylokokken
in mehreren Studien Anteil von Penicillin-resistenten Isolaten von 20 - 38 % nachgewiesen.

S. xylosus, Mammaliicoccus (ehemals S.) sciuri und S. chromogenes

S. xylosus, Mammaliicoccus (ehemals S.) sciuri und S. chromogenes Tierpathogene CH 2024
Keine Resistenzen Marbofloxacin sowie Gentamicin
Tiefe Resistenzraten Cefoperazone (1.8%)
Hohe Resistenzraten Penicillin (35.5%)
Besonderes Es wurde ein Methicillin-resistenter M. sciuri nachgewiesen (0.9%)

T. pyogenes
Im Rahmen der Überwachung von Antibiotikaresistenzen bei tierpathogenen Erregern (Vetpath-Studie) wurden 2023 86 T. pyogenes-Stämme von Milchkühen mit Mastitis untersucht. Generell zeigen sich europäische T. pyogenes Isolate gegenüber Penicillin empfindlich.

Corynebacterium bovis
Für Corynebacterium bovis, isoliert von bovinen Mastitis Fällen, wurden im Rahmen der Europäischen VetPath Studie 2020 insgesamt sehr niedrige MHK-Werte gegenüber Penicillin gemessen.

Prävention

Da bei Mastitis mehrere Faktoren eine Rolle spielen, kann eine Prophylaxe nur erfolgreich sein, wenn die verschiedenen Risikofaktoren in den Bereichen Erreger, Tier und Umwelt beachtet werden. Ziel aller Vorbeugemaßnahmen ist es, sowohl die Infektionsgefahren zu reduzieren als auch die Abwehr der Tiere gegenüber den Mastitiserregern zu verbessern. Neben einer optimalen, hygienischen Melkroutine tragen auch Fütterung und Haltung zur Verbesserung der Körperabwehr und zur Senkung des Infektionsdrucks bei.

Die Unterscheidung zwischen kuh- und umweltassoziierten Erregern ermöglicht die Wahl sinnvoller Prophylaxemassnahmen. Bei den kuhassoziierten Keimen steht die Übertragung während der Melkzeit im Vordergrund. Besonderes Augenmerk liegt hier bei der Melktechnik sowie der Melkhygiene und -arbeit. Bei den Keimen, die vorwiegend aus der Umwelt der Tiere stammen, stehen optimierte Haltungsbedingungen mit einer guten Liege- und Laufflächenhygiene sowie eine angepasste Fütterung im Vordergrund.
 

Unterstützende Massnahmen

Perakute und akute klinische Mastitiden: Symptomatische Therapie (inkl. Analgesie) und das Entfernen von potentiellen Toxinen aus dem Organismus. Dies beinhaltet Ausmelken des betroffenen Viertels mit Oxytocin, Verabreichung von Entzündungshemmern und Flüssigkeitstherapie intravenös und/oder per oral.

Klinische und subklinische Mastitis mit S. uberis: Die Gabe von NSAID über 3 Tage bringt einen Mehrwert für die zelluläre Heilung.

Impfungen sind möglich, siehe hierzu Ausführungen im Impfleitfaden bzw. Vaccinescout (VaccineScout: Rind - Mastitis)

Informationen zum Einsatz der Komplementärmedizin finden sich im «Supplement Komplementärmedizin»

Spezifische Informationen zum Einsatz von Arzneipflanzen finden sich in der CliniPharm CliniTox Sektion «Phytoarzneien / Arzneidrogen»

Weitere Informationen

 
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