Mastitiden sind zusammen mit Fruchtbarkeitsproblemen die häufigsten Erkrankungen von Milchkühen; sie führen zu beträchtlichen ökonomischen Verlusten durch vorzeitige Ausmerzungen, Milchverlust und erhöhtem Arbeitsaufwand. Sie sind eine der häufigsten Indikationen für den Einsatz von Antibiotika beim Milchvieh.
Mastitis ist eine Entzündung des Eutergewebes und steht meist in Verbindung mit einer intramammären Infektion durch Bakterien.
Tabelle: Einteilung der Mastitisformen nach Sears and McCarthy, 2003
| Befund | Subklinische Mastitis | Klinische Mastitis Grad 1 |
Klinische Mastitis Grad 2 |
Klinische Mastitis Grad 3 |
| Allgemeinzustand | Ungestört | Ungestört | Ungestört | Deutlich gestört |
| Innere Körpertemperatur |
Normal | Normal | Normal oder ggr. erhöht | Deutlich erhöht oder Untertemperatur |
| Grobsinnliche Veränderungen der Milch |
Keine | Vorhanden | Vorhanden | Vorhanden |
| Veränderungen am Euter/Viertel | Keine | Keine | Vorhanden | Vorhanden |
| Zellzahl Gemelk | >100'000 Zellen/ml | >100'000 Zellen/ml | >100'000 Zellen/ml | >100'000 Zellen/ml |
| Schalmtest (CMT) | ++-+++ | +++ | +++ | +++ |
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Die Mastitiserreger werden in der Literatur in sog. «minor mastitis pathogens» und «major mastitis pathogens» eingeteilt. Das Kriterium ist dabei, wie schwergradig die Veränderungen in den Zellzahlen und/oder bei den klinischen Symptomen ausfallen. So gilt z.B. Staphylococcus aureus (S. aureus) als «major» Erreger, da er Zellzahlen von weit über einer Million verursachen kann, obwohl er fast nie klinische Mastitiden verursacht.
Im Gegenzug dazu gelten die non-aureus Staphylokokken (NAS, auch «andere Staphylokokken» genannt) als «minor» Erreger, da sie fast ausnahmslos subklinische Mastitiden mit einer moderaten Zellzahlerhöhung verursachen.
In Tabelle 2 sind alle Erreger mit ihren wichtigsten Eigenschaften zusammengefasst.
Tabelle: Zusammenfassung Mastitiserreger
| Erreger | Mastitisform | Therapieerfolga | Major/Minor | Reservoir |
| E. coli | Klinisch | Gut für Kuh, moderat für Viertel | Major | Umwelt |
| Klebsiella spp. | Klinisch | 30% Erfolg, 30% Überlebende, 30% Abgänge | Major | Umwelt |
| Andere Coliforme | Klinisch | Gut für Kuh, moderat für Viertel | Major | Umwelt |
| S. uberis | Klinisch / subklinisch | Gut bei Neuinfektionen < 30% bei Rezidiven oder chron. Verläufen |
Major | Umwelt |
| S. dysgalactiae |
Klinisch / subklinisch | Gut | Major | Intermediär |
| S. agalactiae | Klinisch / subklinisch | Gut | Major | Euter |
| Streptococcus spp. | Klinisch / subklinisch | Keine Therapie | Minor | Umwelt |
| S. aureus GTB | Subklinisch | > 80% bei Neuinfektionen < 30% bei chron. Infektionen |
Major | Euter |
| S. aureus andere GT | Subklinisch (klinisch) | > 80% bei Neuinfektionen < 30% bei chron. Infektionen |
Major | Euter und Umgebung Kuh |
| Non-aureus Staphylokokken (NAS, «andere Staphykokokken»), Corynebacterium renale-Komplex | ||||
| S. xylosus | Subklinisch | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | Minor | eher Umgebung |
| S. haemolyticus | Subklinisch | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | Minor | Umgebung |
| S. chromogenes | Subklinisch | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | Minor | eher euterassoziiert |
| S. simulans | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | |||
| S. fleuretii | Subklinisch | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | Minor | Umgebung |
| S. sciuri (neu Mammaliicoccus) | Subklinisch / klinisch | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | Minor | Umgebung |
| Corynebacterium renale-Komplex | Subklinisch (klinisch) | Keine Laktationstherapie, gute Selbstheilung | Minor | Strichkanal |
| Exoten – seltener vorkommende Mastitiserreger | ||||
| Trueperella pyogenes | Klinisch Grad 1-2 | Frühe Therapie möglich Keine Therapie, wenn abszediert |
Major | Umwelt |
| Bacillus cereus | Klinisch Grad 3 | Meist keine Therapie mehr möglich | Major | Umwelt |
| Nocardia asteroides | Klinisch Grad 2-3 | Keine Therapie möglich | Major | Umwelt, stehendes Wasser |
| Atyp. Mykobakterien | Klinisch Grad 1-2 | Keine Therapie möglich | Major | Umwelt, Kompost, Biofilme |
| Hefen | Klinisch Grad 1-2 | Keine Therapie möglich | Major | Umwelt |
| Aspergillen | Klinisch Grad 2-3 | Keine Therapie möglich | Major | Umwelt |
| Prototheca | Klinisch Grad 1-2 | Keine Therapie möglich | Major | Umwelt, stehendes Wasser |
| Mycoplasmopsis (Synonym Mycoplasma) bovis | Klinisch Grad 1-2 | Keine Therapie möglich | Major | Kuhassoziiert |
| Pasteurella spp. | Klinisch Grad 1 | Therapieerfolg 50-80% | Major | Umwelt, Mutterkühe und muttergebundene Kälberaufzucht vermehrt |
Adspektion und Palpation des Euters, Untersuchung der Milch mittels Schalmtest, Zellzahlmessung. Eine Untersuchung auf Mastitis-Erreger wird in jedem Fall empfohlen (siehe Labordiagnostik). Die meisten Mastitis Erreger lassen sich gut kulturell anzüchten. Sonderfälle (z. B. Verdacht auf atypische Mykobakterien, Hefen, Schimmelpilze, Prototheca spp. und Mycoplasmopsis bovis (Synonym Mycoplasma bovis)) sollten mit dem Labor vorab besprochen werden.
|
Tierkate-
gorie |
Applikation | First line | Second line | Third line | Stark eingeschränkter Einsatz | no go | Bemerkungen |
| Mastitiden | |||||||
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Kühe
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S. uberis | ||||||
| intramammär | Benzylpenicillin, Cephalexin |
Amoxicillin | Makrolide | Verlängerte Therapiedauer (5 Tage) bringt eine verbesserte Heilungsrate | |||
| S. agalactiae (Gelber Galt) | |||||||
| intramammär | Benzylpenicillin | ||||||
| S. aureus | |||||||
| intramammär | Benzylpenicillin + Gentamicin Benzylpenicillin + Cloxacillin |
Cefalexin + Kanamycin | Makrolide (Spiramycin) | ||||
| Non-aureus Staphylokokken (andere Staphylokokken) | |||||||
| intramammär | Benzylpenicillin + Aminoglykoside | Cloxacillin | Keine Laktationstherapie, nur zum Trockenstellen | ||||
| Corynebacterium renale-Komplex | |||||||
| intramammär | Benzylpenicillin | Benzylpenicillin + Aminoglykoside | Keine Laktationstherapie, nur zum Trockenstellen | ||||
| E. coli, Klebsiella spp. | |||||||
| systemisch | Sulfonamid + Trimethoprim | Fluorchinolone | Keine wissenschaftliche Evidenz für zusätzliche intramammäre Therapie | ||||
| Trueperella pyogenes (Weidemastitis, Sommermastitis) | |||||||
| intramammär | Benzylpenicillin | Wirkungslos bei bereits abszediertem Geschehen | |||||
| Mycoplasmen und Mykobakterien | |||||||
| Keine wirksame Therapie | |||||||
| Hefen und Aspergillen | |||||||
| Keine Antibiotikatherapie, begünstigt Pilzwachstum | |||||||
Grafik 1: Vorgehen bei der selektiven Therapie von klinischen Mastitiden während der Laktation adaptiert nach DeJong et al. 2023.
(G-, G+ = Gram-negativ bzw. Gram-positiv; W-tum = Wachstum; AB = Antibiotika; NSAID = nicht-steroidale Entzündungshemmer; syst = systemisch; IMM = intramammär)
Grafik 2: Vorgehen bei der selektiven Therapie von subklinischen Mastitiden während der Laktation adaptiert nach DeJong et al. 2023 (NAS: non-aureus Staphylokokken, «andere Staphylokokken»; W-tum: Wachstum); Zwischendesinfektion = Zwischendesinfektion der Melkzeuge mit Peressigsäure oder Dampf (Automatische Melksysteme)
Applikationsart: Systemische und intramammäre Applikation von Antibiotika haben sich als gleichwertig erwiesen, sofern für die systemische Applikation Wirkstoffe verwendet werden, die sich gut im Euter verteilen (z. B. Penethamate). Die lokale, sprich intramammäre Applikation ist bei subklinischen und klinischen Mastitiden Grad 1 - 2 der systemischen Applikation vorzuziehen. Ausnahme: Penicillin-sensible Erreger können in Betrieben mit automatischen Melksystemen auch mit Penethamaten intramuskulär behandelt werden, damit die Kuh in ihrem Melkrhythmus nicht eingeschränkt werden muss.
Therapiedauer: Eine bessere bakterielle Heilungsrate kann bei Staphylococcus aureus und Streptococcus uberis durch eine Verlängerung der Therapiedauer erreicht werden. Bei den übrigen Keimen scheint eine Verlängerung der Therapiedauer keine Verbesserung des Therapieerfolges zur Folge zu haben.
Erregerspezifische Therapieempfehlungen:
| Streptococcus uberis (S. uberis) | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Intramammär
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First line |
Benzylpenicillin | Verlängerte Therapiedauer (5 Tage) bringt eine verbesserte Heilungsrate. Zusätzlich 3 Tage NSAID. (Achtung Absetzfrist) Empfohlene Dosierung für Penethamate i.m.: Verlängerte Therapie auf 5 Tage (SID) i.m. 1. Tag 10 Mio, 4 Folgetage jeweils 5 Mio. |
| Cephalexin | |||
| Second line | Amoxicillin | Amoxicillin in Euterinjektoren in der Schweiz nur in Kombination mit Clavulansäure und Prednisolon erhältlich | |
| Stark eingeschränkter Einsatz | Makrolide | Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden | |
| Streptococcus agalactiae (S. agalactiae, Gelber Galt) | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
|
Intramammär
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First line | Benzylpenicillin | Kaum mehr vorkommend, keine aktuellen Informationen über die Resistenzsituation in der Schweiz. |
| Staphylococcus aureus (S. aureus) | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Intramammär
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First line |
Benzylpenicillin + Gentamicin | Achtung: Häufiges Vorkommen von Penicillinase bildenden S. aureus. Bisher kaum Resistenzen gegen Aminoglykoside bekannt. |
| Benzylpenicillin + Cloxacillin | |||
| Second line | Cefalexin + Kanamycin | Als Kombinationspräparat erhältlich | |
| Stark eingeschränkter Einsatz | Makrolide (Spiramycin) | Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden | |
| Non-aureus Staphylokokken («andere Staphylokokken») | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Intramammär
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First line | Benzylpenicillin + Aminoglykoside | KEINE Laktationstherapie, nur zum Trockenstellen! 40-72% Penicillin-resistente Stämme (Sommer et al. 2025) |
| Second line | Cloxacillin | Rund 2% der Stämme sind Cloxacillin-resistent | |
| Corynebacterium renale-Komplex | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Intramammär
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First line | Benzylpenicillin | KEINE Laktationsbehandlung, nur zum Trockenstellen Momentan nur in Kombination mit Neomycin erhältlich |
| Second line | Benzylpenicillin + Aminoglykoside | ||
| E. coli, Klebsiella spp. | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Systemisch
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First line | Trimethoprim-Sulfonamid | Keine wissenschaftliche Evidenz für zusätzlich intramammäre Therapie vorhanden! Wichtig: Flüssigkeitstherapie (i.v. oder peroral) und Verabreichung von NSAID. |
| Stark eingeschränkter Einsatz | Fluorchinolone | Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden | |
| Trueperella pyogenes (Weidemastitis, Sommermastitis) * | |||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen | |
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Intramammär
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First line | Benzylpenicillin | Wirkungslos bei bereits abszediertem Geschehen! Ultraschall des Viertels kann bei der Prognosestellung helfen! |
Mycoplasmen und Mykobakterien: Keine wirksame Therapie!
Hefen und Aspergillen: Keine Antibiotikatherapie! Begünstigt Pilzwachstum.
Klinische Heilung: Verschwinden der klinischen Symptome wie Schwellung, Rötung, Schmerzhaftigkeit eines Viertels, Absinken der Körpertemperatur auf Normalwerte. Nach Behandlung einer akuten klinischen Mastitis sollten die Symptome innerhalb von 24 Stunden stark verringert und die Körpertemperatur wieder im Normbereich sein.
Die Normalisierung des Sekretes kann je nach Schädigung des Eutergewebes auch 2 - 3 Tage dauern. Der Schalmtest bzw. die Zellzahl sollte sich innerhalb einer Woche normalisieren.
Bakteriologische Heilung: Bei Mastitiden, die von Problemkeimen (S. aureus, S. uberis) verursacht werden, sollte der Therapieerfolg mit der Analyse einer Milchprobe innerhalb von ca. 2 - 3 Wochen nach Abschluss der Behandlung erfolgen. Für S. aureus ist die PCR wegen ihrer höheren Sensitivität die Methode der Wahl. Für Herdensanierungen: Fachinformationen RGS.
Was tun, wenn eine Kuh mit einer akuten/perakuten klinischen Mastitis nicht auf die Initialbehandlung anspricht?
Zeigt die Kuh ein apathisches Verhalten, Inappetenz, gerötete Schleimhäute und Hypothermie evtl. sogar Durchfall, muss von einer Toxämie ausgegangen werden. Die antibiotische Behandlung des Euters ist sekundär, vielmehr muss die Toxämie mit Flüssigkeit (i. v. oder per Sonde) und mit NSAID aggressiv bekämpft werden. Zur Unterstützung hilft regelmässiges Ausmelken mit Oxytocin. Die Prognose ist für die Kuh ungünstig und für das betroffene Viertel oft infaust.
Was tun, wenn die Kuh zum Zeitpunkt des Trockenstellens eine subklinische Mastitis hat? Soll diese vor der Applikation des Euterschutzes noch behandelt werden?
Die Entnahme einer Milchprobe und die Applikation eines geeigneten Euterschutzes genügen. Die Heilungsraten sind mit einer zusätzlichen Therapie nicht besser.
Wie ist vorzugehen, wenn bei einer Kuh wiederholt Milchprobenresultate mit Mischflora resultieren?
Keinesfalls sollte aufgrund eines solchen Kulturresultates eine Behandlungsempfehlung gemacht werden! Sehr oft betrifft dies Kühe mit verhornten Strichkanalöffnungen. Diese lassen sich oft nicht genügend desinfizieren. Eine Milchprobenentnahme durch einen sterilen Melkkatheter (nach sorgfältiger Desinfektion der Zitzenkuppe) kann in einigen Fällen ein besseres Resultat bringen (Bexiga et al. 2011).
Aktuelle Resistenzdaten können über Resistenzdaten Veterinärmedizin - ANRESIS eingesehen werden.
Die Resistenzlage ist oft sehr betriebsspezifisch und steht im Zusammenhang mit dem Antibiotikaverbrauch in der jeweiligen Herde.
S. agalactiae
Da kaum Vorkommen in der Schweiz, kann über die Schweizer Resistenzsituation keine Aussage gemacht werden.
| S. agalactiae | Europäische VetPath Studie (El Garch et al 2020) |
| Keine bis tiefe Resistenzraten | Penicillin |
| Hohe Resistenzraten | Erythromycin und Pirlimycin (27.3%) |
| Sehr hohe Resistenzraten | Tetrazyklin (68.2%) |
S. aureus
Obwohl in mehreren Schweizer Studien nur bei rund 20 % der Isolate eine in vitro Penicillinresistenz festgestellt wurde, gilt bei diesem Keim eine erhöhte Wachsamkeit, da humane Isolate und Isolate von anderen Tierarten multiple Resistenzen entwickelt haben und vereinzelt in Mastitisproben bzw. in Tankmilch gefunden wurden. Im Sinne einer intensiven Überwachung sollte bei S. aureus deshalb die Resistenzlage regelmässig abgeklärt werden.
| S. aureus | Tierpathogene CH 2024 |
| Keine Resistenzen | Erythromycin |
| Sehr tiefe Resistenzraten | Cefalothin (1%) und Gentamicin (1%) |
| Mittlere Resistenzraten | Penicillin und Ampicillin (je 15%) |
| Besonderes | Es wurde ein Methicillin-resistenter S. aureus (MRSA) nachgewiesen (1%) |
E. coli
| E. coli | Tierpathogene CH 2024 |
| Keine Resistenzen | Ceftiofur und Cefoperazone |
| Sehr tiefe Resistenzraten | Ein Isolat war resistent gegenüber Cefalothin und Cefoperazone |
| Tiefe Resistenzraten | Gentamicin (1.8%), Marbofloxacin (1.8%), Ampicillin + Clavulansäure (2.6%) |
S. uberis
| S. uberis | Tierpathogene CH 2021 |
| Keine Resistenzen | Ceftiofur |
| Tiefe Resistenzraten | Marbofloxacin (3.9%) Erythromycin (9.4%) |
| Mittlere Resistenzraten | Penicillin (13.3%) steigend; Pirlimicin (10.2%) |
Obwohl S. uberis als zunehmend schwierig zu behandeln gilt, ist dies mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht auf eine Antibiotikaresistenz, sondern auf eine Behandlungsresistenz zurückzuführen.
S. dysgalactiae
| S. dysgalactiae | Tierpathogene CH 2023 |
| Tiefe Resistenzraten | Penicillin (2.4%) Ceftiofur (1.2%), Marbofloxacin (1,2%), Pirlimicin (4.8%) |
| Mittlere Resistenzraten | Erythromycin (10.7%) |
Koagulase-negativen Staphylokokken
in mehreren Studien Anteil von Penicillin-resistenten Isolaten von 20 - 38 % nachgewiesen.
S. xylosus, Mammaliicoccus (ehemals S.) sciuri und S. chromogenes
| S. xylosus, Mammaliicoccus (ehemals S.) sciuri und S. chromogenes | Tierpathogene CH 2024 |
| Keine Resistenzen | Marbofloxacin sowie Gentamicin |
| Tiefe Resistenzraten | Cefoperazone (1.8%) |
| Hohe Resistenzraten | Penicillin (35.5%) |
| Besonderes | Es wurde ein Methicillin-resistenter M. sciuri nachgewiesen (0.9%) |
T. pyogenes
Im Rahmen der Überwachung von Antibiotikaresistenzen bei tierpathogenen Erregern (Vetpath-Studie) wurden 2023 86 T. pyogenes-Stämme von Milchkühen mit Mastitis untersucht. Generell zeigen sich europäische T. pyogenes Isolate gegenüber Penicillin empfindlich.
Corynebacterium bovis
Für Corynebacterium bovis, isoliert von bovinen Mastitis Fällen, wurden im Rahmen der Europäischen VetPath Studie 2020 insgesamt sehr niedrige MHK-Werte gegenüber Penicillin gemessen.
Da bei Mastitis mehrere Faktoren eine Rolle spielen, kann eine Prophylaxe nur erfolgreich sein, wenn die verschiedenen Risikofaktoren in den Bereichen Erreger, Tier und Umwelt beachtet werden. Ziel aller Vorbeugemaßnahmen ist es, sowohl die Infektionsgefahren zu reduzieren als auch die Abwehr der Tiere gegenüber den Mastitiserregern zu verbessern. Neben einer optimalen, hygienischen Melkroutine tragen auch Fütterung und Haltung zur Verbesserung der Körperabwehr und zur Senkung des Infektionsdrucks bei.
Die Unterscheidung zwischen kuh- und umweltassoziierten Erregern ermöglicht die Wahl sinnvoller Prophylaxemassnahmen. Bei den kuhassoziierten Keimen steht die Übertragung während der Melkzeit im Vordergrund. Besonderes Augenmerk liegt hier bei der Melktechnik sowie der Melkhygiene und -arbeit. Bei den Keimen, die vorwiegend aus der Umwelt der Tiere stammen, stehen optimierte Haltungsbedingungen mit einer guten Liege- und Laufflächenhygiene sowie eine angepasste Fütterung im Vordergrund.
Perakute und akute klinische Mastitiden: Symptomatische Therapie (inkl. Analgesie) und das Entfernen von potentiellen Toxinen aus dem Organismus. Dies beinhaltet Ausmelken des betroffenen Viertels mit Oxytocin, Verabreichung von Entzündungshemmern und Flüssigkeitstherapie intravenös und/oder per oral.
Klinische und subklinische Mastitis mit S. uberis: Die Gabe von NSAID über 3 Tage bringt einen Mehrwert für die zelluläre Heilung.
Impfungen sind möglich, siehe hierzu Ausführungen im Impfleitfaden bzw. Vaccinescout (VaccineScout: Rind - Mastitis)
Informationen zum Einsatz der Komplementärmedizin finden sich im «Supplement Komplementärmedizin»
Spezifische Informationen zum Einsatz von Arzneipflanzen finden sich in der CliniPharm CliniTox Sektion «Phytoarzneien / Arzneidrogen»
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