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Partydrogen

I. Allgemeine Toxikologie

1. Chemisch-physikalische Eigenschaften

Zu den Partydrogen zählen die psychoaktive Substanz MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin, Ecstasy), die neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), die synthetischen Cathinone Methylon (3,4-Methylendioxy-N-methylcathinon, MDMC, bk-MDMA, Explosion, Ease, M1, Mina, Top Cat), Mephedron (4-Methylmethcathinon, 4-MMC, M-Cat, Meph, Mephe, Mephi, Meow Meow), MDPV (3,4-Methylendioxypyrovaleron, Flex, Cloud Nine, Monkey Dust, Peevee), α-PVP (α-Pyrrolidinovalerophenon, Flakka) u.a., die als "Badesalz" in kristalliner oder Pulverform (Mephedron, Metaphedron) verkauft werden, sowie GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure, Liquid Ecstasy) und Flunitrazepam (Rohypnol®, Narcozep®, Ruppies, Ruffies, R2). Cathinon kommt natürlicherweise in den Blättern der Khat-Pflanze (Catha edulis) vor. Die Wirkung der synthetischen Cathinone variiert von Substanz zu Substanz, ist aber im Allgemeinen der von MDMA, Amphetamin oder Kokain ähnlich. Die Symptome sind eher amphetamin-ähnlich, wenn die Substanzen stärker auf die Dopaminrezeptoren wirken (z.B. 3-MMC), bei stärkerer Wirkung auf die Serotoninrezeptoren eher empathogen (z.B. 4-MMC, 4-CMC). Die Pyrovalerone oder "Pyros" (α-PVP, α-PHP, α-PiHP, MDPHP, MDPV) sollen 10- bis 100-mal stärker als Kokain wirken. Die Partydrogen unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG). Oft enthalten sie auch zusätzliche, nicht bekannte Wirkstoffe.
 

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2. Quellen

Flunitrazepam ist ein Wirkstoff aus der Humanmedizin.
 

3. Kinetik

-Diese psychoaktiven Substanzen werden leicht und schnell aus dem Magen-Darm-Trakt und via Insufflation resorbiert, die klinischen Symptome treten innerhalb von 30-45 Minuten auf.
-MDMA passiert die Blut-Hirn-Schranke, wird in der Leber metabolisiert und über die Nieren ausgeschieden. Die klinischen Symptome dauern 6-8 Stunden.
-Synthetische Cathinone (NPS): Der Metabolismus variiert je nach Verbindung. Sie werden über den Urin ausgeschieden. Die klinischen Symptome dauern in der Regel einige Stunden, können aber auch mehrere Tage anhalten. Mepherdron (4-MMC) und Metaphedron (3-MMC) haben eine kurze Wirkdauer, Methylon (MDMC) wirkt länger. Die Wirkung von MDPV hält etwa 3-4 Stunden an.
-GHB ist sehr lipophil, verteilt sich über die Blut-Hirn-Schranke und im ganzen Körper, wird schnell metabolisiert und als Kohlendioxid über die Atemwege ausgeschieden. Die klinischen Symptome klingen in der Regel innerhalb von 7 Stunden ab.
-Flunitrazepam breitet sich aufgrund seiner Lipophilie weit aus, wird in der Leber zu zwei Wirkstoffen metabolisiert und über die Nieren ausgeschieden. Nacfh der oralen Verabreichung von 6 mg/kg Körpergewicht wird der maximale Plasmapeak nach 1-2 Stunden gemessen. Die klinischen Symptome können 8-12 Stunden andauern.
 

4. Toxisches Prinzip

-MDMA hat eine sympathomimetische Wirkung, es erhöht die Ausschüttung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, blockiert die Wiederaufnahme von Serotonin und hemmt die Monoaminooxidase (MAO).
-Viele synthetische Cathinone (NPS) haben eine sympathomimetische Wirkung, erhöhen die Freisetzung von Neurotransmittern, wobei die primäre Art des Neurotransmitters je nach Verbindung variiert, und hemmen die Monoamin-Aufnahmetransporter. Mephedron (4-MMC) hat ein ähnliches Wirkspektrum wie Amphetamin und MDMA und besitzt sowohl stimulierende als auch empathogene Effekte. Metaphedron (3-MMC) ist Mephedron sehr ähnlich. Methylon (MDMC) ist ein psychoaktives Stimulans mit ähnlicher Wirkung wie Mephedron und MDMA. α-PVP hat eine sehr stark stimulierende Wirkung. MDPV ist strukturell mit α-PVP verwandt und die Wirkung ist Methamphetamin-ähnlich. Auch Methcathinon hat eine Methamphetamin-ähnliche Wirkung.
-GHB ist ein Vorläufer und Metabolit des Neurotransmitters GABA und wirkt, da es natürlich im Körper vorkommt, auf seine eigenen Rezeptoren. GHB kann GABA, Glutamat und Dopamin freisetzen.
-Flunitrazepam bindet an GABA-Rezeptoren und verringert die neuronale Übertragung, indem es die Chloridionenkanäle beeinflusst. Es kann auf die GABA-vermittelte Regulation der Freisetzung von Monoamin-Neurotransmittern wirken.
 

5. Toxizität bei Labortieren

Akute orale LD50 (in mg/kg Körpergewicht):

 MausRatte
Flunitrazepam1200415
MDMA 160-325
 

II. Spezielle Toxikologie - Kleintier

1. Toxizität

-Hunde sind aufgrund ihres Fressverhaltens am ehesten betroffen.
Akute Toxizität, Hund oral:
-MDMA (Ecstasy): 3 mg/kg Körpergewicht führen zu Hyperaktivität und Mydriasis; 9 mg/kg Körpergewicht führen zu Hypersalivation und Kreisen; 15 mg/kg Körpergewicht führen zu schweren klinischen Symptomen und Tod.
-NPS: keine Daten vorhanden; sie enthalten oft mehrere und unterschiedliche Verbindungen.
-GHB (Liquid Ecstasy): Dosen > 50 mg/kg Körpergewicht wurden mit Todesfällen in Verbindung gebracht.
-Flunitrazepam: keine Daten vorhanden.
Verabreichte Dosen in einer Studie zur Messung der Abängigkeit betrugen 7.6 mg/kg Körpergewicht/Tag über 4-7 Wochen.
 

2. Latenz

-Die Symptome treten innerhalb von 30-45 Minuten nach der Einnahme auf und können 8-12 Stunden andauern.
 

3. Symptome

3.1Allgemeinzustand, Verhalten
MDMA, NPS: Hyperaktivität, Erregung, Euphorie, Verwirrung, Halluzinationen, Tod; Hyperthermie
GHB, Flunitrazepam: Apathie, Lethargie, Verwirrtheit, Bewusstseinsverlust/Koma, Gedächtnishemmung; Hypothermie
  
3.2Nervensystem
MDMA, NPS, GHB: Tremor, Krampfanfälle
MDMA: Serotonin-Syndrom
GHB, Flunitrazepam: Muskelschwäche, Muskelrelaxation
  
3.3Oberer Gastrointestinaltrakt
MDMA, NPS: Vomitus, Hypersalivation
  
3.4Unterer Gastrointestinaltrakt
Keine Symptome
  
3.5Respirationstrakt
MDMA, NPS: Tachypnoe
GHB, Flunitrazepam: Atemdepression
  
3.6Herz, Kreislauf
MDMA, NPS: Tachykardie, Herzrhythmusstörungen
GHB, Flunitrazepam: Bradykardie, Veränderungen der Herzfrequenz
  
3.7Bewegungsapparat
Keine Symptome
  
3.8Augen, Augenlider
MDMA, NPS: Mydriasis
  
3.9Harntrakt
MDMA, NPS: Nierenversagen (als Folge von Hyperthermie und Rhabdomyolyse möglich)
  
3.10Fell, Haut, Schleimhäute
Keine Symptome
  
3.11Blut, Blutbildung
MDMA, NPS: Hyponatriämie
MDMA: Leberversagen
  
3.12Fruchtbarkeit, Jungtiere, Laktation
Keine Symptome
 

4. Sektionsbefunde

-MDMA: Ikterus, petechiale und ekchymotische Blutungen, dunkles, teerartiges Material im Magen (post mortem) und Leberschäden (post mortem). Histopathologie: Lebernekrosen und Anzeichen einer generalisierten hämorrhagischen Erkrankung.
 

5. Weiterführende Diagnostik

-MDMA: Blutchemie: Hyponatriämie, erhöhte Leber werte infolge Leberversagen.
-NPS: Blutchemie: Hyponatriämie, erhöhte Kreatinkinase, Elektrolytstörungen, Nierenversagen.
-EKG: Überwachung auf Herzrhythmusstörungen.
-Nachweis: GHB wird zu schnell metabolisiert, um mit Tests nachgewiesen werden zu können, ist natürlicherweise im Körper vorhanden. MDMA, Flunitrazepam und NPS: Nachweis im Urin möglich.
 

6. Differentialdiagnosen

MDMA, NPS:
-Andere Stimulanzien: Amphetamine und Methamphetamin.
-Diätpillen und Nahrungsergänzungsmittel für den Muskelaufbau/Bodybuilding.
-Abschwellende Mittel.
-Andere illegale Drogen: Kokain.
-Andere toxische Ursachen für neurologische und kardiovaskuläre Stimulation (einschliesslich Tremor/Krämpfe).
-Methylxanthine.
-Tremorgene Mykotoxine.
-Rodentizide: Strychnin, Bromethalin, Zinkphosphid.
-Insektizide: Metaldehyd, Pyrethroide.
GHB, Flunitrazepam
-Andere zentral dämpfende Medikamente: andere Benzodiazepine, Baclofen, Barbiturate, Opioide.
-Andere toxische Ursachen für neurologische Depressionen: Marihuana/Cannabis, Ethanol.
-Andere Krankheitsprozesse, die zu Veränderungen des ZNS führen können: Thrombogenes Ereignis, Neoplasie, Meningitis oder Meningoenzephalitis, Hepatoenzephalopathie.
 

7. Therapie

7.1Notfallmassnahmen
-Kreislauf stabilisieren
-Atmung stabilisieren
-Krämpfe kontrollieren
 
7.2Dekontamination und Elimination
-Provozierte Emesis: bei grossen Mengen, innerhalb von 30 Minuten nach der Exposition, sofern das Tier symptomfrei ist.
-Verabreichung von Aktivkohle mit einem Laxans, z.B. Carbodote, Trinklösung (24 g Carbo activatus/100 ml) oder Carbovit® (15 g Carbo activatus/100 ml): einmalige Gabe, nur bei gutem Schluckreflex.
-Magenspülung: Sedierter und intubierter Patient (Endotrachealtubus mit Cuff), bei kürzlich erfolgter, groser Einnahme, danach Aktivkohle-Gabe.
 
7.3Extrakorporale Elimination
-Keine Angaben.
 
7.4Antidot
-Flunitrazepam: Flumazenil (Benzodiazepin-Antagonist): 0.01 mg/kg Körpergewicht i.v., bei Bedarf wiederholen (Halbwertszeit ca. 1 Stunde).
-MDMA, GHB und NPS: keine Antidot verfügbar.
 
7.5Weitere symptomatische Massnahmen
-Intravenöse Kristalloide: nach Bedarf zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks.
-EKG: zur Überwachung.
Antiemetikum, zur Verhinderung einer Aspiration
-Maropitant: 1 mg/kg Körpergewicht i.v. oder s.c., alle 24 Stunden.
-Ondansetron: Hund: 0.5-1 mg/kg Körpergewicht i.v. (langsam), alle 12 Stunden; Katze: 0.1-1 mg/kg Körpergewicht i.v. (langsam), s.c. oder i.m., alle 6-12 Stunden.
Temperatur-Kontrolle
-Hyperthermie (MDMA, NPS): bei Bedarf physiologische Kühlung mit kaltem Wasser, Eis, oder Isopropanol, bis 39.4-39.7°C erreicht sind.
-Hypothermie (GHB, Flunitrazepam): bei Bedarf wärmen.
Atemwege freihalten
-Atmung und SpO2 überwachen.
-Bei Bedarf intubieren und beatmen (GHB und Flunitrazepam).
Mentalen Status überwachen
-Zusätzliche Stimulation des ZNS vermeiden (MDMA und NPS): ruhiger, abgedunkelter Raum.
-Auf Anzeichen einer übermässigen ZNS-Depression achten.
MDMA, NPS:
ZNS-Erregung, Tachykardie
-Acepromazin: 0.05-0.1 mg/kg Körpergewicht i.v., i.m. oder s.c., bei Bedarf wiederholen.
-Chlorpromazin: 0.5-1 mg/kg Körpergewicht i.v. oder i.m., bei Bedarf wiederholen.
Serotonin-Syndrom
-Cyproheptadin: 1.1 mg/kg Körpergewicht p.o. oder rektal (als Suspension), alle 4-6 Stunden, nach Bedarf.
Muskel-Tremor
-Methocarbamol: 55-220 mg/kg Körpergewicht, bei Bedarf wiederholen.
Zentrale Krampfanfälle
-Phenobarbital: 12-20 mg/kg Körpergewicht i.v., einmalig ODER 2 mg/kg Körpergewicht i.v., alle 20-30 Minuten bis zur Wirkung, mit einer maximalen 24-Stunden-Dosis von 24 mg/kg Körpergewicht.
-Levetiracetam: Hund: 30-60 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten; Katze: 20 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten.
-Propofol: 6 mg/kg Körpergewicht i.v. als Bolus, gefolgt von 0.1-0.6 mg/kg Körpergewicht/min als Dauerinfusion.
GHB:
Zentrale Krampfanfälle
-Diazepam: 0.5-2 mg/kg Körpergewicht i.v. oder Midazolam: 0.5-1 mg/kg Körpergewicht i.v.
-Phenobarbital: 12-20 mg/kg Körpergewicht i.v., einmalig ODER 2 mg/kg Körpergewicht i.v., alle 20-30 Minuten bis zur Wirkung, mit einer maximalen 24-Stunden-Dosis von 24 mg/kg Körpergewicht.
-Levetiracetam: Hund: 30-60 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten; Katze: 20 mg/kg Körpergewicht i.v. als langsamer Bolus über 5-15 Minuten.
Flunitrazepam
-Flumazenil: 0.01 mg/kg Körpergewicht i.v., bei Bedarf wiederholen (Halbwertszeit ca. 1 Stunde).
 
7.6Vorsichtsmassnahmen/Interaktionen
-Benzodiazepine (Diazepam/Midazolam) sollten bei Kontakt mit MDMA und NPS vermieden werden, da es zu einer paradoxen Verschlimmerung der ZNS-Stimulation kommen kann.
-Zusätzliche Benzodiazepine (Diazepam/Midazolam) sollten nicht zusammen mit Flunitrazepam verabreicht werden, da dies die klinischen Symptome verschlimmern kann.
 

8. Verlauf

8.1Erwarteter Verlauf und Prognose
-Hängt von der Menge und Mischung der Drogen sowie vom Zeitpunkt der Therapie ab.
-Bei niedrigeren Dosen sind die Chancen auf eine vollständige Genesung gut.
 
8.2Komplikationen
-Verunreinigungen oder absichtliche Verfälschungen der Drogenmischung, unbekannte Drogen, die zusätzlich zu den bekannten Drogen eingenommen wurden.
 

9. Literatur

Bischoff K (2012) Toxicity of drugs of abuse: MDMA. In: Veterinary toxicology (second edition). https://www.sciencedirect.com/topics/pharmacology-toxicology-and-pharmaceutical-science/mdma (erfasst am 8.12.2025)
 
Katan D (2024) Club drugs (MDMA, GHB, Flunitrazepam, bath salts). In: Blackwell's five-minute veterinary consult clinical companion: small animal toxicology, 3rd edition. Eds. Hovda LR, Brutlag AG, Poppenga RH & Epstein SE. Wiley Blackwell, pp 226-232
 
Marthaler M, Infodrog (2025) Synthetische Cathinone, Faktenblatt. https://www.infodrog.ch/files/content/factsheets/2025_Faktenblatt_Synthetische-Cathinone.pdf (erfasst am 9.12.2025)
 
PubChem (2025) https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Flunitrazepam#section=Non-Human-Toxicity-Excerpts (erfasst am 8.12.2025)
 
Sloan JW, Martin WR & Wala EP (1991) A comparison of the physical dependence inducing properties of flunitrazepam and diazepam. Pharmacol Biochem Behav 39(2), 395-405
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