Leventa® ad us. vet., orale Lösung
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

MSD Animal Health GmbH

Zur Behandlung der Hypothyreose bei Hunden

ATCvet: QH03AA01

 

Zusammensetzung

-Wirkstoff: Levothyroxinum natricum 1 mg
-Hilfsstoffe: excip. ad solut. pro 1 ml
-galenische Form: orale Lösung
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Levothyroxin
 

Eigenschaften / Wirkungen

L-Thyroxin, der Wirkstoff von Leventa® ist in Struktur und Wirkmechanismus identisch mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4), das bei Säugetieren mit normal funktionierender Schilddrüse vorkommt und physiologisch sezerniert wird. Thyroxin wird hauptsächlich zu Tri-Iodthyronin (T3) metabolisiert. T4 und T3 haben eine Vielzahl von biologischen Wirkungen im Körper. Beide Schilddrüsenhormone sind es­sen­tiell für Grundumsatz, Herzfunktion, Durchblutung, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Sie sind auch essentiell für normales Wachstum und die Entwicklung des Nerven- und Skelettsystems.
 

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik variiert erheblich zwischen einzelnen Hunden. Nach oraler Verabreichung erfolgt beim euthyreoten, nüchternen Hund eine Resorption mit tmax von 2.5 - 3 Stunden. Die Halbwertzeit von L-Thyroxin im Serum liegt bei rund 7 Stunden. Die Bioverfügbarkeit nach oraler Verabreichung beträgt 22%. Bei wiederholter oraler Verabreichung einer Dosis von 40 µg/kg KGW pro Tag über 14 aufeinanderfolgende Tage kommt es zu keiner Akkumulation von L-Thyroxin im Serum. Bei gleichzeitiger Verabreichung von Leventa® und Futter wird die Resorption von L-Thyroxin verzögert und die gesamte Aufnahme aus dem Magen-Darmtrakt um ca. 50% verringert. L-Thyroxin zeigt eine starke Proteinbindung.
T4 wird hauptsächlich in der Leber metabolisiert. Hauptweg des Metabolismus von T4 ist die Umwandlung durch Deiodierung zum aktiven Metaboliten T3. Weitere Deiodierung von T4 und T3 führt zur Produktion von inaktiven Metaboliten. Die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich über den Stuhl und in geringerem Ausmass über den Urin.
 

Indikationen

Zur Behandlung der Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse) und von hypothyreose-assoziierten klinischen Symptomen bei Hunden.
 
Zur oralen Verabreichung. Beiliegende 1 ml Dosierspritze benutzen. Bei der Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie mit L-Thyroxin müssen die Dosierung und das Behandlungsschema für jeden Hund individuell festgestellt werden. Es wird empfohlen, mit einer Dosis von 20 µg/kg Körpergewicht einmal täglich zu beginnen, d.h. 0.1 ml/5 kg KGW.
Nach vier Wochen kann die Dosis aufgrund des klinischen Ansprechens und der Messung des Hormonspiegels angepasst werden. Die Bestimmung des Hormonspiegels sollte 4 - 6 Stunden nach Verabreichung von Leventa® durchgeführt werden. Weitere Bestimmungen und Dosisanpassungen können, sofern erforderlich, alle 4 Wochen erfolgen. Eine Erhaltungsdosis zwischen 10 und 40 µg/kg Körpergewicht einmal täglich ist in der Regel geeignet, die klinischen Symptome der Hypothyreose zu kontrollieren und die Schilddrüsenhormone im Referenzbereich für normale Hunde zu halten. Abhängig von der Dosis und dem Körpergewicht des Hundes kann das täglich zu verabreichende Volumen (in ml) Leventa® anhand nachfolgender Tabelle ermittelt werden:
 
Körpergewicht (kg)Dosierung (µg/kg)
 10203040
 Volumen Leventa® (ml)
50.050.100.150.20
100.100.200.300.40
150.150.300.450.60
200.200.400.600.80
250.250.500.751.00
300.300.600.901.20
350.350.701.051.40
400.400.801.201.60
450.450.901.351.80
500.501.001.502.00
 
Wenn die individuelle Dosierung und ein geeignetes Behandlungsschema bestimmt wurden, ist es empfehlenswert die Thyroidhormone alle 6 Monate zu bestimmen. Nach Beginn der Behandlung mit Leventa® erfolgt eine schrittweise Besserung der klinischen Symptome. Während die Besserung der metabolischen Symptome (Lethargie, Belastbarkeit, Aktivität etc.) bereits innerhalb der ersten 2 Wochen nach Therapiebeginn eintritt können 6 und mehr Wochen Therapie verstreichen, bis eine Besserung dermatologischer Symptome erkennbar wird. Leventa® sollte immer zur gleichen Tageszeit verabreicht werden. Die Resorption von L-Thyroxin wird durch Fütterung beeinflusst. Daher sollte L-Thyroxin bevorzugt immer 2 bis 3 Stunden vor der Fütterung verabreicht werden. Andernfalls sollte stets die gleiche Futterart und -menge gefüttert werden.
 

Hinweise für die richtige Anwendung:

Leventa®-Flasche öffnen. Die Dosierspritze mit sanftem Druck auf die Öffnung der Flasche setzen. Die Flasche mit der verbundenen Spritze umdrehen und die Lösung durch Ziehen des Spritzenstempels soweit in die Spritze ziehen, bis das Ende des Stempels an der Markierung für das gewünschte Volumen bzw. Körpergewicht steht. Flasche mit Spritze wieder umdrehen und die Spritze abnehmen. Nach Verabreichung des Tierarzneimittels die Spritze mit sauberem Wasser reinigen und Lufttrocknen lassen.
 
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Anwendung während Trächtigkeit und Laktation:

Die Anwendung während der Trächtigkeit ist bei Hündinnen nicht untersucht worden, jedoch ist Thyroxin essentiell für die normale foetale Entwicklung. Hypothyreose während der Trächtigkeit führt zu Störungen der geistigen Entwicklung und erhöhter foetaler Mortalität. Während der Trächtigkeit kann auch der maternale Bedarf an Schilddrüsenhormonen steigen. Es wird daher empfohlen, die Substitution von L-Thyroxin bei hypothyreoten Hündinnen während der Trächtigkeit fortzusetzen und bei Bedarf auch zu erhöhen, um Wachstum und normale intrauterine Entwicklung der Foeten zu gewährleisten. Bei trächtigen hypothyreoten Hündinnen, die mit exogenem L-Thyroxin supplementiert werden, ist daher eine regelmässige Kontrolle des Thyroidhormon-Spiegels erforderlich, um die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Referenzbereich für normothyreote Hunde zu halten. Die Verträglichkeit während der Laktation wurde nicht untersucht.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen:

Nicht bei Hunden mit Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüsen) oder unbehandeltem Hypoadrenocortizismus (Unterfunktion der Nebennierenrinde) anwenden. Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber L-Thyroxin oder einem Hilfsstoff.
 

Vorsichtsmassnahmen:

Leventa® sollte bei Hunden mit signifikanten Herzerkrankungen, Diabetes mellitus oder behandeltem Hypoadrenocortizismus (Nebennierenrindeinsuffizienz) mit Vorsicht angewendet werden. Bei solchen Hunden sollte die L-Thyroxin-Behandlung allmählich eingeleitet werden und mit 25% der normalen Dosis begonnen werden, die in Abständen von vierzehn Tagen um jeweils 25% erhöht wird, bis eine optimale Stabilisierung erreicht ist.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Bei Überdosierung können klinische Symptome auftreten, die den pharmakologischen Wirkungen eines zu hohen Thyroxin-Spiegels bei Hyperthyreose entsprechen. Dazu gehören Gewichtsverlust, Hyperaktivität, Tachykardie, Polydipsie, Polyurie, Polyphagie, Erbrechen und Durchfall. Diese Wirkungen sind mild und vollständig reversibel. Vorübergehende, selbstheilende Hautreaktionen wie milde bis mässige Schuppenbildung können auftreten. Eine Überdosierung kann auch verschiedene Blutwerte beeinflussen.
 

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Antazida (z.B. Aluminium- oder Magnesiumsalze, Kalziumcarbonat, Eisensulfat oder Sucralfat) vermindert sich die Resorption von L-Thyroxin im Magen-Darmtrakt. Daher sollte die gleichzeitige Verabreichung von Leventa® und den erwähnten Substanzen vermieden werden. Nach der Verabreichung von Leventa® sollte mindestens 2 Stunden gewartet werden, ehe dem Hund Antazida verabreicht werden. Die therapeutische Wirkung von Leventa kann durch alle Substanzen, die den Stoffwechsel oder die Verteilung von Schilddrüsenhormonen beeinflussen, verändert sein (z.B. Arzneimittel, die Proteinbindungsstellen besetzen, die die Konzentration an thyroxinbindendem Globulin im Serum, den hepatischen Thyroxinabbau oder den peripheren Umbau von Thyroxin in Triiodthyronin beeinflussen). Deshalb wird empfohlen, bei gleichzeitiger Anwendung von Leventa® mit Arzneimitteln, die eine der o. g. Eigenschaften aufweisen, wiederholt zu prüfen, ob die Schilddrüsenhormonkonzentration ausreichend ist und ggf. die Dosis von Leventa® anzupassen. Umgkehrt kann die Verabreichung von L-Thyroxin auch die Pharmakokinetik und Wirksamkeit anderer zeitgleicher Therapien beeinflussen. Bei mit Insulin behandelten diabetischen Hunden, kann die Substitution mit L-Thyroxin den Insulinbedarf verändern. Bei herzinsuffizienten Hunden kann die therapeutische Wirkung von Herzglykosiden durch eine Substitution mit L-Thyroxin verringert sein. Deshalb sollten Hunde, die mit einem dieser Arzneimittel behandelt werden, zu Beginn einer Leventa®-Behandlung sorgfältig überwacht werden.
 

Sonstige Hinweise

Personen, die das Präparat verabreichen sollten damit vorsichtig umgehen. Im Falle einer unbeabsichtigten Aufnahme ist unverzüglich ärztlicher Rat zu suchen und dem Arzt die Arzneimittelinformation zu zeigen. Zur Beachtung: Dieses Tierarzneimittel enthält ein hohe Konzentration an L-Thyroxin-Natrium und kann bei Aufnahme ein Risiko für den Menschen darstellen. Bei versehentlichem Augenkontakt sofort mit reichlich Wasser spülen. Nach der Anwendung Hände waschen. Arzneimittel, ausser Reichweite von Kindern aufbewahren. Im Kühlschrank (2 - 8° C) lagern. Präparat im Original-Behältnis aufbewahren. Nach Öffnung im Kühlschrank (2 - 8° C) aufbewahren und Inhalt innerhalb von 6 Monaten aufbrauchen.
 

Packungen

Packung mit 1 Flasche à 30 ml mit 1 Dosierspritze
Packung mit 6 Flaschen à 30 ml mit 6 Dosierspritzen
Packung mit 12 Flaschen à 30 ml mit 12 Dosier­spritzen

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 58'128

Informationsstand: 03/2011

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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