Halocur ad us. vet., orale Lösung
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

MSD Animal Health GmbH

Zur Vorbeugung und Verminderung von Durchfall, verursacht durch diagnostizierten Befall mit Cryptosporidium parvum bei neugeborenen Kälbern

ATCvet: QP51AX08

 

Zusammensetzung

-Wirkstoff: Halofuginon Base (ad Halofuginon Laktat) 0.50 mg
-Hilfsstoffe: Conserv.: Acidum benzoicum; Excip., Aqua purificata ad 1 ml
-galenische Form: orale Lösung
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Halofuginon
 

Eigenschaften / Wirkungen

Halocur® enthält Halofuginon-Laktat, die Laktatform des Antiprotozoikums Halofuginon aus der Gruppe der Quinazolinon-Derivate. Die antiprotozoische Wirkung von Halofuginon-Laktat gegen Cryptosporidium parvum ist sowohl durch in vitro Studien als auch bei experimentellen und natürlichen Infektionen nachgewiesen. Cryptosporidium parvum ist ein 2-6 µm grosses Coccidium, das im Wirtsorganismus intrazellulär, aber extra-zytoplasmatisch in Vakuolen auf Höhe des epithelialen Zell-Mikrovillisaums hauptsächlich des Dünndarms lebt. Es reproduziert sich ohne Passagen ausserhalb des Wirtsorganismus (Phänomen der Retroinfektion und Autoinfektion). Cryptosporidiose befällt Kälber ab dem 4. Lebenstag bis zum Alter von 4 Wochen.
Heftige Durchfälle und die damit einhergehende massive Ausscheidung der Oozysten treten ab dem 7. Lebenstag, meist ab der 2. Lebenswoche auf und persistieren 5 bis 14 Tage. Durch Ausscheidung der sporulierten Oozysten, die bei Ingestion direkt infektiös sind, kommt es zu Verbreitung des Parasiten in ganzen Beständen. Zur Bekämpfung der Cryptosporidiose muss die Übertragung von Oozysten vermindert werden um den Infektionsdruck zu senken. Halofuginon hat eine cryptosporidiostatische Wirkung auf den Erreger und wirkt vor allem auf die freien Stadien des Parasiten (Sporozoiten, Merozoiten) im Darmlumen. Bei bereits infizierten Kälbern wird die Ausscheidung von Oozysten reduziert und bei kontaminierten, jedoch noch nicht infizierten Tieren wird die parasitäre Entwicklung und somit auch die Ausscheidung von Oozysten stark vermindert. In vitro Tests haben ergeben, dass bei einer Konzentration von 4.5 µg Halofuginon pro ml 90% der Parasiten gehemmt werden (IC90 4.5 µg/ml). Bei 7-tägiger Anwendung bei einer Dosierung von 100 µg Halofuginon Base/kg KGW/Tag vermindert Halocur® die Oozystenausscheidung der Kälber. Nur in der empfohlenen Dosierung wird das Präparat gut vertragen.
 

Pharmakokinetik

Bei jungen Kälbern ist die Bioverfügbarkeit von Halofuginon Laktat bei einmaliger oraler Aufnahme hoch und beträgt durchschnittlich 81%. Der Wirkstoff wird reversibel an Darminhalt im Darmlumen gebunden und erreicht so auch freie Parasitenstadien. Die maximale Plasmakonzentration nach oraler Verabreichung beträgt 4 ng/ml und wird nach ca. 11 Stunden erreicht. Bei mehrmaliger Verabreichung kommt es nicht zur Akkumulation des Wirkstoffes. Im Gewebe werden höhere Konzentrationen von Halofuginon erreicht als im Plasma, hohe Spiegel werden vor allem in Leber und Niere gemessen. Die Eliminationshalbwertszeit nach oraler Verabreichung beträgt ca. 30 Stunden. Halofuginon wird hauptsächlich über den Urin ausgeschieden.
 

Indikationen

Halocur® ist bei neugeborenen Kälbern indiziert zur:
-Vorbeugung von Durchfall verursacht durch Befall mit Cryptosporidium parvum in Beständen mit diagnostiziertem Cryptosporidiose-Befall
Die Behandlung sollte in den ersten 24 bis 48 Lebensstunden beginnen.
-Verminderung von Durchfall hervorgerufen durch diagnostizierten Befall mit Cryptosporidium parvum. Die Behandlung muss innerhalb von 24 Stunden nach Einsetzen des Durchfalls beginnen. Für beide Anwendungsgebiete wurde eine Verminderung der Oozysten-Ausscheidung nachgewiesen.
 

Dosierung / Anwendung   

Zur oralen Verabreichung nach der Fütterung.
Richtdosis: 100 µg Halofuginon Base pro kg KGW einmal täglich während 7 aufeinanderfolgenden Tagen. Dies entspricht 2 ml Halocur® pro 10 kg KGW
einmal täglich während 7 aufeinanderfolgenden Tagen.
Für die Praxis ergibt sich daraus folgendes vereinfachtes Dosierungsschema:
-Kälber mit einem Gewicht zwischen 35 kg und 45 kg: 8 ml Halocur® einmal täglich an 7 aufeinanderfolgenden Tagen
-Kälber mit einem Gewicht zwischen 45 kg und 60 kg: 12 ml Halocur® einmal täglich an 7 aufeinanderfolgenden Tagen
Wichtig: Um eine Über- oder Unterdosierung zu vermeiden, muss bei niedrigerem oder höherem Körpergewicht wegen der geringen therapeutischen Breite eine Dosisberechnung vorgenommen werden. Um die korrekte Dosierung sicherzustellen, ist die Verwendung einer Spritze oder des mitgelieferten Dosier-Applikators notwendig.
Die Folgebehandlungen sollten immer zur gleichen Tageszeit erfolgen.
Solange das Risiko des Auftretens von durch Cryptosporidium parvum verursachten Durchfällen besteht, wird empfohlen, alle neugeborenen Kälber des Bestandes systematisch zu behandeln.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Nicht auf leeren Magen verabreichen. Nicht bei Kälbern, die seit mehr als 24 Stunden Durchfall haben und nicht bei geschwächten Tieren anwenden.
 

Vorsichtsmassnahmen

Halocur® darf nur nach der Aufnahme von Kolostrum, Milch oder Milchaustauscher oral verabreicht werden. Dazu ist eine Spritze oder der mitgelieferte Dosier-Applikator zu verwenden. Für die Behandlung anorektischer Kälber sollte Halocur® in 12 Liter Elektrolyt-Lösung verabreicht werden. Die Tiere sollten ausreichend Kolostrum erhalten gemäss einer guten Aufzucht-Praxis.
 
Da insbesondere hygienische Faktoren die Entstehung und den Verlauf dieser Parasitose beeinflussen können, müssen auch präventive Massnahmen wie die regelmässige Reinigung und Desinfektion der Abkalbungsplätze und Kälberboxen in den Massnahmenkatalog mit einbezogen werden.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Unter Beachtung der exakten Dosierung sind keine zu erwarten.
 

Überdosierung

Vergiftungserscheinungen können nach Überdosierung mit der 2-fachen therapeutischen Dosis auftreten. Die empfohlene Dosierung ist daher genau einzuhalten. Vergiftungserscheinungen schliessen Durchfall, Blut in den Faeces, Rückgang der Futteraufnahme, Dehydratation, Apathie und Entkräftung ein. Sollten klinische Anzeichen einer Überdosierung auftreten, muss die Behandlung sofort abgebrochen werden. Das betroffene Tier ist (ohne Zusatz des Medikaments) mit Milch oder Milchaustauscher zu tränken. Gegebenenfalls kann eine Rehydratation erforderlich sein.
 

Absetzfristen   

Die Absetzfrist für essbares Gewebe beträgt 13 Tage.
 

Wechselwirkungen

Keine bekannt.
 

Sonstige Hinweise

Arzneimittel, für Kinder unerreichbar aufbewahren. Nicht über 25°C aufbewahren. Vor Frost schützen.
Angebrochene Mehrdosenbehälter nicht länger als 6 Monate verwenden. Die Kontamination des Inhalts angebrochener Behälter ist zu vermeiden.
Wiederholter Kontakt mit dem Produkt kann zu Hautallergien führen. Nicht mit Haut und Augen in Berührung bringen. Sollte Halocur® auf die Haut oder in die Augen gelangen, sofort mit reichlich Wasser spülen. Bei anhaltender Irritation der Augen sollte ein Arzt konsultiert werden. Beim Umgang mit dem Produkt sind Schutzhandschuhe zu tragen. Nach der Anwendung sind die Hände zu waschen.
Das Produkt kann für Fische und Wasserorganismen gefährlich sein, nicht in offene Gewässer einleiten. Produktreste und leere Behältnisse sind unschädlich zu beseitigen.
 

Packungen

Flasche mit 490 ml Lösung und Dosier-Applikator.

Abgabekategorie: B

 

Hersteller

Intervet

Swissmedic Nr. 56'299

Informationsstand: 01/2003

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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