Caninsulin® ad us. vet., Injektionssuspension
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

MSD Animal Health GmbH

Antidiabetikum für Hunde und Katzen

ATCvet: QA10AC03

 

Zusammensetzung

-Wirkstoff: Insulinum suis amorphum zinci 30% et Insulinum suis cristallinum zinci 70% corresp. 40 U.I.
-Hilfsstoffe: Conserv.: E 218 1.0 mg; Natrii acetas trihydricus, Natrii chloridum, aqua ad iniectabilia q.s. ad susp. pro 1 ml
-galenische Form: wässrige Injektionssuspension
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Insulin
 

Eigenschaften / Wirkungen

Caninsulin® ad us. vet. enthält als Wirkstoff hochgereinigtes Schweineinsulin, ein natürlich vorkommendes Hormon, das durch die β-Zellen der Langerhans'schen Inseln des Pankreas produziert wird. Insulin bewirkt eine anabole Stoffwechsellage, indem es die Glukoseaufnahme der Zellen erleichtert und intrazelluläre Enzyme aktiviert, die bei der Speicherung von Glukose, Aminosäuren und Fettsäuren mitwirken. Diabetes mellitus ist charakterisiert durch einen absoluten oder relativen Insulinmangel, der zu persistierender Hyperglykämie führt. Durch Bestimmung der Blutglukose-Konzentration (Tagesprofil) und durch die genaue Beobachtung erkrankter Tiere durch die Besitzer kann die Wirkung von verabreichtem Insulin überwacht werden. Bei diabetischen Hunden erreicht die Wirkung von Caninsulin® auf die Blutglukose-Konzentration ihr Maximum 4 - 8 Stunden nach der Injektion und dauert 14 - 24 Stunden an. Bei diabetischen Katzen wird die maximale Wirkung auf den Blutglukosespiegel 4 - 6 Stunden nach der Injektion erzielt und hält 8 - 12 Stunden an.
 

Pharmakokinetik

Caninsulin® ad us vet. ist ein Intermediärinsulin, das sowohl amorphes als auch kristallines Insulin vom Schwein im Verhältnis 3:7 enthält. Bei diabetischen Hunden wird der maximale Insulinspiegel im Plasma ca. 2 - 6 Stunden nach subkutaner Injektion erreicht und bleibt für ca. 14 bis 24 Stunden auf höheren Werten als vor Verabreichung. Bei diabetischen Katzen wird die maximale Insulinkonzentration im Plasma ca. 1.5 Stunden nach subkutaner Injektion erreicht und bleibt für ca. 5 bis 12 Stunden auf höheren Werten als vor Verabreichung.
 

Indikationen

Caninsulin® ad us. vet. ist angezeigt zur Behandlung von Diabetes mellitus (absolutem und relativem Insulinmangel) bei Hunden und Katzen.
 

Dosierung / Anwendung   

Das Fläschchen oder die Patrone kräftig schütteln (max. 60 Sek.), bis die Injektionssuspension homogen und gleichmässig milchig erscheint. Durch das Schütteln entstandener Schaum auf der Suspension sollte vor der Anwendung wieder aufgelöst sein. Sofern erforderlich nochmals sanft schwenken bis eine homogene, gleichmässig milchige Suspension ohne Schaum vorliegt. In Insulinsuspensionen können Agglomerate entstehen: das Produkt nicht anwenden, wenn sichtbare Agglomerate auch nach kräftigem Schütteln bestehen bleiben. Caninsulin® wird durch subkutane Injektion verabreicht. Dazu sind für die Fläschchen Insulinspritzen zu verwenden, die für die Dosierungsstärke 40 I.U./ml kalibriert sind (z.B. Caninsulin® Spritzen, U40) oder für die Patronen der automatische Insulin Pen (VetPen). Die Patrone ist nur zusammen mit dem VetPen zu benützen. Eine detaillierte Gebrauchsanweisung ist dem VetPen beigelegt.
 

1. Einstellungsphase

Hunde

Die Insulintherapie muss bei den meisten Hunden zweimal täglich erfolgen, um den Blutglukosespiegel zu stabilisieren. Klinische Studien haben gezeigt, dass 25 - 33% der Hunde mit einer einmaligen Insulindosis pro Tag stabilisiert werden können. Die Dosis hängt davon ab, wie stark die körpereigene Insulinproduktion beeinträchtigt ist.
Die Insulintherapie wird mit einer Dosis von 0.25 bis 0.5 I.U./kg Körpergewicht zweimal täglich begonnen, jeweils aufgerundet auf die nächste halbe Einheit. Die beiden Dosen sollten im Abstand von 12 Stunden verabreicht werden. Die folgende Tabelle zeigt einige Beispiele für die Dosis 0.3 I.U./kg KGW:
 
KörpergewichtAnfangsdosis pro Hund
5 kg1.5 I.U. zweimal täglich
10 kg3 I.U. zweimal täglich
15 kg4.5 I.U. zweimal täglich
20 kg6 I.U. zweimal täglich
 
Dosisanpassungen sollen im Allgemeinen schrittweise erfolgen und nicht häufiger als alle 3 oder 4 Tage vorgenommen werden. Dabei soll die Tagesdosis in Schritten von ca. 10% erhöht oder erniedrigt werden, abhängig von den Messwerten des Blutglukosespiegels. Die Wirkungsdauer des Insulins kann variieren, sodass es bei einigen Individuen nur einmal täglich verabreicht werden muss. Muss Insulin nur einmal täglich verabreicht werden, beträgt die Dosis der Einzelinjektion 0.5 I.U./kg Körpergewicht. Dosisanpassungen erfolgen auch hier fortlaufend wie oben beschrieben.
Um ein Gleichgewicht zwischen Glukosebildung und Insulin-Wirkung zu erzielen, muss die Fütterung mit dem Behandlungsschema abgestimmt werden und die tägliche Ration soll auf 2 gleich grosse Fütterungen aufgeteilt werden. Zusammensetzung und Futtermengen der täglichen Mahlzeiten sollen konstant bleiben und die Fütterungszeiten sollen genau eingehalten werden. Bei Hunden mit zweimal täglicher Insulingabe erfolgen die Fütterungen jeweils unmittelbar vor dem Zeitpunkt der Caninsulin®-Verabreichung. Die Fütterungen sollten immer zur gleichen Zeit erfolgen. Bei Hunden, die eine einzelne Caninsulin® Dosis pro Tag benötigen, soll die Injektion unmittelbar nach der ersten Mahlzeit gegeben werden; die zweite Hälfte der Tagesration soll ca. 7.5 Stunden später verfüttert werden (z.B. 08:30 und 16:00).
 

Katzen

Bei Katzen soll Caninsulin® 2 mal täglich im Abstand von 12 Stunden verabreicht werden. Die Zusammensetzung und Menge der Futterration soll konstant gehalten werden. Die Insulin-Dosis ist für jede Katze unterschiedlich und hängt davon ab, wie stark ihre körpereigene Insulin-Produktion vermindert ist. Diese muss durch eine Messreihe des Blutglukosespiegels individuell bestimmt werden. Wenn die basale Blutglukose-Konzentration bei 20 mmol/l liegt (dies entspricht 3.6 g/l oder 360 mg/dl) oder höher ist, beträgt die Initialdosis 2 I.U. 2 mal täglich pro Katze. Bei einer basalen Konzentration unter 20 mmol/l beträgt die Initialdosis 1 I.U. 2 mal täglich pro Katze im Abstand von 12 Stunden.
 
Blutglukose-KonzentrationCaninsulin®-Dosis
pro Katze
< 20 mmol/l oder < 3.6 g/l
(< 360 mg/dl)
1 I.U. 2x täg­lich
≥ 20 mmol/l oder ≥ 3.6 g/l
(≥ 360 mg/dl)
2 I.U. 2x täg­lich
 
Spätere Do­sis­an­pas­sungen zur Bestimmung der Erhaltungsdosis sollen durch Erhöhen oder Herabsetzen der täglichen Dosis gemäss Resultaten der Messreihe des Blutglukosespiegels erfolgen. Dosisanpassungen sollten nicht häufiger als alle 1 bis 3 Wochen vorgenommen werden. Es wird empfohlen, die Dosis um 1 I.U. pro Injektion zu verändern. Idealerweise sollten nicht mehr als 2 I.U. pro Injektion in den ersten 3 Wochen Behandlung verabreicht werden. Wegen des von Tag zu Tag variierenden Ansprechens des Blutglukosespiegels auf die Insulin-Injektion sind höhere oder häufigere Dosisanpassungen nicht zu empfehlen.
 

2. Erhaltungsphase

Ist die Erhaltungsdosis bestimmt und sind Hund oder Katze stabilisiert, soll das Langzeit-Management erarbeitet werden. Dazu ist es erforderlich, durch intensive Überwachung eine eventuelle Über- oder Unterdosierung von Insulin zu erfassen und gegebenenfalls Dosisanpassungen vorzunehmen. Die sorgfältige Stabilisierung und umfassende Überwachung in der Erhaltungsphase trägt dazu bei, die Begleiterscheinungen des chronischen Diabetes (Katarakt bei Hunden, Leberverfettung bei Katzen und Hunden etc.) in Grenzen zu halten. Das Ziel des Langzeit-Managements diabetischer Tiere besteht darin, die klinischen Anzeichen des Diabetes mellitus zu reduzieren oder zu verhindern und dabei das Auftreten einer Hypoglykämie, vor allem bei Katzen zu vermeiden. Blutglukosespiegel soll im Bereich 5 -17 mmol/l über 24 Stunden (entspricht 1 - 3 g/l oder 100 - 300 mg/dl) stabilisiert werden, das normale Körpergewicht des Tieres soll erreicht oder gehalten werden. Polydipsie, Polyurie und gegebenenfalls Polyphagie sollen verringert oder verhindert werden. Bei Katzen kann klinischer Diabetes mellitus reversibel sein. Dem Tierhalter wird empfohlen, den Gesundheitszustand (Wohlbefinden, Flüssigkeits- und Futteraufnahme) des Tieres zu überwachen und den Blutglukosespiegel zu bestimmen wann immer der Tierarzt dies für erforderlich hält. Alle 3 - 6 Monate (oder häufiger, falls Probleme auftauchen) untersucht der Tierarzt den Gesundheitszustand des Tieres, misst den Blutglukosespiegel (Tagesprofile) und überprüft die Aufzeichnungen des Tierhalters. Auch die Messung der Fruktosamin-Konzentration kann hilfreich sein, da sie die Glykämie der vorangegangenen 1 bis 2 Wochen wiederspiegelt. Gegebenenfalls muss der Tierarzt die Insulin-Dosis aufgrund der klinischen Befunde und der Laborergebnisse anpassen. Um während der Erhaltungsphase eine angemessene Überwachung zu gewährleisten, muss der Tierhalter die klinischen Auswirkungen von Hypo- oder Hyperglykämie erkennen können. Polyurie, Polydipsie und Polyphagie, kombiniert mit Gewichtsabnahme, schlechtes Allgemeinbefinden, Haarausfall oder stumpfes, schütteres Haarkleid und Müdigkeit sind die häufigsten klinischen Anzeichen bei Hyperglykämie.
 

Überdosierung

Die Überdosierung von Insulin führt zu Hypoglykämie, bei der Hunger, Unruhe, Bewegungsstörungen, Muskelzittern, Stolpern oder Einknicken in der Hinterhand und Orientierungslosigkeit beobachtet werden können. Diesfalls muss dem Tier umgehend Glukose-Lösung (Traubenzucker, Honig) und/oder Futter verabreicht werden. Bei Bewusstlosigkeit ist sofort der Tierarzt aufzusuchen. Der "Somogyi Overswing" (posthypoglykämische Hyperglykämie) ist eine physiologische Reaktion auf Hypoglykämie. Bei beginnender Hypoglykämie wird eine hormonelle Reaktion ausgelöst, die zu Glukosefreisetzung aus den hepatischen Speichern führt. So entsteht eine Hyperglykämie, die auch zu Glukosurie führen kann. In diesem Fall muss die Insulin-Dosis trotz der Hyperglykämie und damit einhergehenden klinischen Symptomen (Polydipsie, Polyurie) gesenkt werden.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Caninsulin® darf nicht zur Initialbehandlung von Tieren mit hochgradigem akutem Diabetes mellitus mit Keto-Azidose eingesetzt werden. Nicht intravenös verabreichen.
 

Vorsichtsmassnahmen

Die Verabreichung von Caninsulin® ad us. vet. darf nur von erwachsenen Tierhaltern durchgeführt werden, die vom Tierarzt sorgfältig instruiert wurden.
Ein regelmässiger Fütterungsplan ist einzuhalten. Die Tierhalter sollen angewiesen werden, zu Hause Traubenzucker oder Honig aufzubewahren. Der Tierhalter muss das Tier gut beobachten und ihm bei Anzeichen von Hunger, Unruhe, Bewegungsstörungen, unsicherem Gang und Bewusstseinsstörungen, die auf Hypoglykämie hinweisen, Traubenzucker-Lösung oder Futter verabreichen. Futterumstellungen oder Abweichungen im Bewegungsprogramm können den Insulinbedarf verändern.
Nur die Bestimmung des Blut-Glukosespiegels mittels eines Tagesprofils ermöglicht eine optimale Überwachung der Insulinaktivitat während der Einstellungsphase. Normale Blutglukose-Kon­zen­tra­tio­nen lie­gen beim nüchternen Tier bei 4 - 6 mmol/l. Die Messung des Glukosespiegels im Urin erfasst abnorme Anstiege des Blutglukosespiegels unterhalb der Nierenschwelle nicht. Glucosurie tritt erst bei Überschreiten des Schwellenwertes für den Blutglukosespiegel von 10 mmol/I auf. Da Messungen des Glukosegehalts im Urin die durchschnittliche Blutglukose-Konzentration während der vorangegangenen 5 - 8 Stunden widerspiegeln, werden auch Schwankungen des Blutglukosespiegels nur ungenügend erfasst. Daneben lässt sich auch Hypoglykämie nicht über die Glukosebestimmung im Urin erfassen.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Sehr selten sind Fälle von lokalen unerwünschten Wirkungen nach Verabreichung von porcinem Insulin an Hunde und Katzen berichtet worden. Diese Nebenwirkungen sind normalerweise mild und vorübergehend. In sehr seltenen Fällen wurden allergische Reaktionen auf porcines Insulin festgestellt.
 

Wechselwirkungen

Schwankungen des Insulin-Bedarfs können durch die Verabreichung von Arzneimitteln bewirkt werden, welche die Glukosetoleranz verändern wie z.B. Glukocorticoide, Alpha-2-Agonisten (z.B. Medetomidin, Dexmedetomidin, Xylazin), Amitraz oder Gestagene. Blutglukosemessungen (Tagesprofile) sollten zur Anpassung der Insulin-Dosis durchgeführt werden. Gestagen-Verabreichung an diabetische Patienten ist zu vermeiden und bei unkastrierten Hündinnen sollte unbedingt eine Ovario-Hysterektomie in Betracht gezogen werden. Das Präparat darf keinesfalls mit anderen Arzneimitteln, insbesondere mit anderen Insulin-Präparaten, gemischt werden.
 

Sonstige Hinweise

Bei der subkutanen Verabreichung durch den Tierhalter ist Vorsicht geboten, da eine versehentliche Selbstinjektion beim Menschen Symptome der Hypoglykämie hervorrufen kann. Diese kann durch Aufnahme von Traubenzucker oder Würfelzucker behandelt werden, auf jeden Fall muss sofort ein Arzt konsultiert werden. Auch allergische Reaktionen (lokal und systemisch) können bei sensibilisierten Individuen durch versehentliche Selbstinjektion auftreten.
 

Besondere Lagerungshinweise:

Arzneimittel, für Kinder unerreichbar aufbewahren. Im Kühlschrank (bei 2 - 8°C) und vor Licht geschützt aufbewahren. Nicht einfrieren.
Fläschchen müssen aufrecht stehend gelagert werden.
VetPen Patronen müssen aufrecht stehend gelagert werden. Aufbrauchfrist nach erster Entnahme: 42 Tage für die Lagerung nicht über 25°C.
 

Packungen

10 × 2.5 ml Injektionssuspension in Fläschchen
10 × 2.7 ml Injektionssuspension in VetPen Patronen

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 51'445

Informationsstand: 09/2013

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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