Delvosteron® ad us. vet., wässrige Injektionssuspension
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

MSD Animal Health GmbH

Progestagen für Hunde, Katzen und Frettchen

ATCvet: QG03DA90

 

Zusammensetzung

-Wirkstoff: Proligestonum 100 mg
-Hilfsstoffe: Lecithinum, Sorbitani palmitas, Polysorbatum 40, Natrii citras dihydricus, Kalii dihydrogenphosphas, Macrogolum 3350, Conserv.: E 216 0.12 mg, E 218 1.02 mg, Aqua ad iniect. pro 1 ml
-galenische Form: wässrige Injektionssuspension
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Proligeston
 

Eigenschaften / Wirkungen

Proligeston, der Wirkstoff von Delvosteron®, ist ein langwirkendes synthetisches Gestagen mit antigonodotropher Wirkung und deutlicher Progestagen-Aktivität. Proligeston hat nur eine sehr geringe Östrogenwirkung und keine androgene Wirkung, die corticosteroidale Wirkung ist vernachlässigbar. Es kann sowohl im Anöstrus als auch im Met-/Proöstrus verabreicht werden, wobei das Risiko einer unerwünschten Wirkung auf das Endometrium und die Ovarien minimal ist. Delvosteron® kann auch bei Zuchttieren verwendet werden, da die Fruchtbarkeit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Das Präparat kann auch bei Hündinnen eingesetzt werden, die anamnestisch abnorme Zyklen oder urogenitale Störungen hatten.
Allergische Hautkrankheiten, insbes. Flohallergien von Hunden reagieren gut auf eine Einzeldosis von Delvosteron®.
Delvosteron® scheint die Spitzenleistungen von Windhunden nicht negativ zu beeinflussen.
 

Pharmakokinetik

Bei subkutaner Verabreichung wird das Konzen­tra­tions­maximum nach 24 h erreicht. Die Elimination erfolgt vorwiegend über die Faeces.
 

Indikationen

Östrusregulation

1. Hündinnen

-permanente Verschiebung der Läufigkeit (wie­derh­olte Injektionen während Anöstrus)
-temporäre Verschiebung der Läufigkeit (einmalige Injektion während Anöstrus)
-Unterdrückung der Läufigkeit (einmalige Injektion zu Beginn des Proöstrus)
 

2. Kätzinnen

-permanente Verschiebung der Rolligkeit (wiederholte Injektionen während Anöstrus / Diöstrus)
-temporäre Verschiebung der Rolligkeit (einmalige Injektion während Diöstrus oder Anöstrus)
-Unterdrückung der Rolligkeit (einmalige Injektion zu Beginn der Rolligkeit)
 

3. Frettchen

-Östruskontrolle
-Zur Verhinderung von Störungen wie Infektionen der Vagina oder des Uterus und von Knochenmarksdepression, die mit verlängertem Östrus und dauerhaft erhöhten Östrogenspiegeln einhergehen.
 

Verhinderung und Behandlung der Scheinträchtigkeit

Bei den meisten Hündinnen wird mit einer einmaligen Injektion von Delvosteron® eine deutliche Besserung sowohl der nervösen Störungen als auch der mit Scheinträchtigkeit einhergehenden Milch­sekre­tion erzielt. Nach Anwendung von Delvosteron® ist das Auftreten von Scheinträchtigkeit deutlich reduziert, auch bei Hündinnen, die anamnestisch häufig davon betroffen waren.
 

Feline miliare Dermatitis (miliares Ekzem)

Behandlung und Verhinderung von Hauterkrankungen, die durch Störungen des Hormonhaushalts hervorgerufen werden.
 

Hypersexualität bei Rüden und Katern

Benigne circumanale Tumoren

 

Dosierung / Anwendung   

Delvosteron® ist subcutan zu injizieren.
 
Hund:
Richtdosis: 10 - 33 mg/kg KGW
Folgende Dosierungen werden empfohlen:
Körpergewichtml s.c.mg/kg KGW
< 5 kg1 - 1.5 ml33
5 - 10 kg1.5 - 2.5 ml30 - 25
10 - 20 kg2.5 - 3.5 ml25 - 17.5
20 - 30 kg3.5 - 4.5 ml17.5 - 15
30 - 45 kg4.5 - 5.5 ml15 - 12
45 - 60 kg5.5 - 6 ml12 - 10
> 60 kg1 ml/10 kg10
 
Katze:
Östrusregulation und Hypersexualität:
< 5 kg KGW1 - 1.5 ml/Tier
5 - 10 kg KGW1.5 - 2.5 ml/Tier
 
Feline miliare Dermatitis:
33 - 50 mg/kg KGW
 
Frettchen:
0.5 ml pro Fähe
 

Anwendungshinweise

Dosierungsschema Östrusregulation

1. Hündinnen
-permanente Verschiebung der Läufigkeit
erste Injektionim Anöstrus oder im frühen Proöstrus
zweite Injektion3 Monate nach der 1. Injektion
dritte Injektion4 Monate nach der 2. Injektion
ab vierter Injektion  jeweils 5 Monate nach der vorhergehenden Injektion
 
Wird der Anöstrus während dieses Injektionsschemas durchbrochen und tritt ein Proöstrus auf, soll unverzüglich eine Injektion verabreicht werden. Anschliessend gemäss Schema weiterbehandeln, wobei einen Injektionsschritt vor dem zuletzt beachteten Intervall wieder begonnen wird.
Bei Gruppenhaltung kann sich das Östrusintervall verkürzen. Deshalb wird empfohlen, in solchen Fällen nach der dritten Injektion im Abstand von 4 Monaten weiter zu behandeln.
Nach Beendigung der Progestagentherapie tritt der Östrus gewöhnlich innerhalb von 6 bis 7 Monaten wieder auf. Bis zu 3% der Hündinnen, bei welchen eine permanente Östrusunterdrückung angestrebt wurde, werden nach Therapieende jedoch nicht mehr läufig.
 
-temporäre Verschiebung der Läufigkeit
Zu jedem Zeitpunkt des Anöstrus kann eine Einzelinjektion verabreicht werden, jedoch vorzugsweise nicht früher als 1 Monat vor dem gewünschten Wirkungseintritt. Der folgende Östrus tritt durchschnittlich nach 6 Monaten auf.
 
-Unterdrückung der Läufigkeit
Eine einzelne Injektion zur Unterdrückung einer Läufigkeit sollte sofort nach den ersten Anzeichen des Proöstrus verabreicht werden. Die Östrussymptome (Blutung, Vaginalschwellung und Attraktivität für Rüden) verschwinden innerhalb von 5 - 7 Tagen. Die nächste Läufigkeit tritt im Durchschnitt nach 5 - 6 Monaten ein. Bei Verabreichung im späteren Proöstrus nimmt die Wirksamkeit von Delvosteron® ab.
 
2. Kätzinnen
Für permanente und temporäre Verschiebung der Rolligkeit und Unterdrückung der Rolligkeit gilt grundsätzlich dasselbe Dosierungsschema wie für Hündinnen, mit der Ausnahme, dass bei temporärer Verschiebung der Rolligkeit die Einzelinjektion entweder im Diöstrus oder Anöstrus verabreicht werden soll. Nach einer Einzelinjektion zu Beginn der Rolligkeit verschwinden die Symptome meist innerhalb von 1 - 4 Tagen. Der Eintritt der nächsten Läufigkeit ist saisonal abhängig.
 
Hündinnen und Kätzinnen, welche im Proöstrus behandelt wurden, können trotz abklingender Östrussymptome noch 1 Woche fertil bleiben.
 
Bei Tieren, die mit anderen Gestagenen vorbehandelt sind, soll die nächste Läufigkeit abgewartet werden und dann im Anöstrus oder Proöstrus nach oben angegebenem Schema mit der Delvosteron® Behandlung begonnen werden.
 
3. Frettchen
Der Östrus kann während der Zuchtsaison unterdrückt oder verschoben werden. Nach Verabreichung zu Unterdrückung hören die Östruserscheinungen nach 10 - 11 Tagen auf. Östrusverschiebung: bei Einzelinjektion unmittelbar vor Beginn oder während der Zuchtsaison (März bis Oktober) bleibt die Fähe im Allgemeinen im Anöstrus.
Bei Bedarf kann die Injektion wiederholt werden.
 

Scheinträchtigkeit

Zur Verhinderung der Scheinträchtigkeit ist das Dosierungsschema zur permanenten Verschiebung der Läufigkeit anzuwenden.
Zur Behandlung der Scheinträchtigkeit soll bereits bei den ersten Anzeichen eine Einzelinjektion verabreicht werden. In den meisten Fällen verschwinden die nervösen Symptome innerhalb von 6 Tagen, innerhalb von 9 Tagen versiegt die Milch­produktion oder geht stark zurück.
 

Feline Miliare Dermatitis

Eine Einzelinjektion ist im Allgemeinen ausreichend, es kann bei Bedarf eine 2. Injektion nach 14 Tagen verabreicht werden. Weitere Injektionen sollen alle 4 Monate, oder, falls nötig, auch häufiger erfolgen.
Die Injektionsstelle bei jeder Wiederholung wechseln. Das Medikament soll nicht intradermal oder in ein subkutanes Fettpolster oder in Narbengewebe injiziert werden. Das Massieren der Injektionsstelle nach Verabreichung fördert die Verteilung des Präparates.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Delvosteron® darf nicht während der Trächtigkeit verabreicht werden.
Da der erste Östrus auf unterschiedlichen Altersstufen eintreten kann, empfiehlt es sich, diesen abzuwarten und Delvosteron® erst im folgenden Anöstrus zu verabreichen.
 

Vorsichtsmassnahmen

Bei diabetischen Tieren kann die Delvosteron®-Therapie zu erhöhtem Insulinbedarf führen. In diesen Fällen wird eine regelmässige Blutglukosekontrolle und Messung der Glukose im Urin während eines Monats nach Beginn der Therapie empfohlen. Bei diabetischen Tieren sollte daher die Kastration erwogen werden.
Wenn es bei der Behandlung der Scheinträchtigkeit nach der 2. Dosis Delvosteron® zu einem Rückfall kommt, wird empfohlen, die Therapie konservativ weiterzuführen (Beschränkung der Wasseraufnahme, kohlenhydratarme Diät, mehr Bewegung) und keine weiteren Hormone zu verabreichen.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
Unmittelbar nach der Injektion kann eine kurz dauernde Schmerzreaktion auftreten.
In Einzelfällen kann es zu Haarausfall und Verfärbung der Haare an der Injektionsstelle kommen. Bei Ausstellungs­tieren wird deshalb empfohlen, die subkutane Injektion in der Flankenfalte vorzunehmen. Bei den selten auftretenden systemischen allergischen Reaktionen/Anaphylaxien ist umgehend die Behandlung mit Corticosteroiden, Antihistaminika oder Adrenalin einzuleiten.
Vorübergehend gesteigerter Appetit, Lethargie und Gewichtszunahme sind selten zu beobachten.
Wie bei allen Progestagenen ist eine Suppression der Nebenniererinde in seltenen Fällen möglich. Daher kann in Stress Situationen, bei Traumen oder vor grösseren chirurgischen Eingriffen ein Corticosteroid an Tiere verabreicht werden, die Delvosteron® zur permanenten Läufigkeitsverschiebung erhalten.
Sehr selten kann sich infolge der Behandlung mit Delvosteron® bei Hündinnen eine Endometritis oder Pyometra entwickeln. Deren Inzidenz ist höher, wenn die vor der Behandlung mit Delvosteron® verabreichten Präparate Medroxy-Progesteronacetat enthielten.
 

Wechselwirkungen

Hündinnen, die wegen Scheinträchtigkeit bereits Östrogene oder andere Progestagene erhalten haben, sollten nicht mit Delvosteron® behandelt werden.
 

Sonstige Hinweise

Vor Gebrauch gut schütteln.
Bei Raumtemperatur (15° - 25°C) lagern. Nicht einfrieren.
Aufbrauchfrist: Nach erster Entnahme Produkt sofort verwenden, Rest verwerfen.
Arzneimittel, für Kinder unerreichbar aufbewahren.
 

Packungen

Injektionssuspension 20 ml

Abgabekategorie: B

Swissmedic Nr. 42'336

Informationsstand: 10/2011

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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