Estrumate® ad us. vet., Injektions­lösung
Tierarzneimittel
Kompendium
der Schweiz
 

MSD Animal Health GmbH

Synthetische Prostaglandin-Injektionslösung für Rinder, Pferde, Schweine, Schafe und Ziegen

ATCvet: QG02AD90

 

Zusammensetzung

-Wirkstoff: Cloprostenolum (ut Cloprostenolum natricum) 0,25 mg
-Hilfsstoffe: Conserv.: Alcohol benzylicus 20 mg, Acidum citricum, Natrii citras dihydricus, Natrii chloridum, Aqua ad iniect. q.s. ad solutionem pro 1 ml
-galenische Form: Injektionslösung
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

Cloprostenol
 

Eigenschaften / Wirkungen

Estrumate® enthält den Wirkstoff Cloprostenol, ein synthetisch hergestelltes Prostaglandin F2α. Cloprostenol wirkt luteolytisch und induziert eine Kontrak­tion der glatten Muskulatur (Uterus, Gastro-Intestinaltrakt, Respirationstrakt, Gefäss-System). Eine Luteolyse führt zur Aufhebung des negativen Rückkopplungsmechanismus von Progesteron und damit bei Tieren mit zyklischer Ovarialfunktion zu einem vorzeitigen Eintreten der Brunst und Ovula­tion. Cloprostenol zeichnet sich gegenüber Prostaglandin F2α durch höhere, spezifisch luteolytische Eigenschaften aus, während die direkte Wirkung von Cloprostenol auf die glatte Muskulatur ungefähr derjenigen von Prostaglandin F2α entspricht.
 

Pharmakokinetik

Bei Rind und Schwein zeigen sich nach intramuskulärer Injektion von Cloprostenol innerhalb von 15 Minuten bis 2 Stunden Gipfelwerte im Plasma. Die danach auftretende Phase der schnellen Elimination ist durch eine Halbwertszeit von 1 bis 3 Stunden gekennzeichnet. Für die sich anschlies­sende Phase der langsamen Elimination über einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden gilt eine Halbwertszeit von ca. 28 Stunden. Die Ausscheidung erfolgt etwa zu gleichen Teilen über Kot und Urin. Beim Rind werden über die Milch weniger als 0,4% der verabreichten Dosis eliminiert; Konzentrationsmaxima werden hier nach zirka 4 Stunden nach der Behandlung gemessen. Cloprostenol verteilt sich gleichmäs­sig im Gewebe. Nach der Verabreichung der vorgesehenen therapeutischen Richtdosis von 0,175 respektive 0,5 mg können beim Schwein nach 24 Stunden und beim Rind nach 72 Stunden in der Körpermuskulatur ausserhalb der Injektionsstelle keine Rückstände mehr nachgewiesen werden.
 

Indikationen

Rinder

Brunstinduktion bei Stillbrünstigkeit und Anöstrie
Eine Wirksamkeit der Prostaglandine ist nur bei Vorhandensein eines Corpus luteum zwischen dem 5. bis 16. Zyklustag gewährleistet. Tiere mit rektal palpierbarem C.l. werden nach Verabreichung von Estrumate® beim Auftreten von Brunstsymptomen besamt. Treten bis zum 11. Tag nach der Injektion keine Brunstsymptome auf, so ist eine zweite Injektion 11 Tage nach der ersten notwendig. Die Besamung erfolgt 72 und 96 Stunden p. inj., unabhängig vom Auftreten äusserer Brunstsymptome.
Endometritis und Pyometra
Auf die Estrumate®-Injektion folgt innerhalb von 1 bis 2 Tagen die Sekretentleerung und in den meisten Fällen der Wiedereintritt des Zyklus. Bei Rezidivbildung kann die Behandlung nach 2 Wochen wiederholt werden.
Corpus-luteum-Zysten und Follikel-Lutein-Zysten
Die Verabreichung von Estrumate® bewirkt eine Rückbildung der Zysten mit Eintreten der Brunst innerhalb weniger Tage p. inj. und Wiedereinsetzen des Zyklus.
Aborteinleitung bis zum 150. Trächtigkeitstag
Estrumate® muss zwischen dem 5. und 150. Trächtigkeitstag verabreicht werden. Der Abort erfolgt in der Regel nach 24 bis 48 Stunden.
Steinfrucht
Die Austreibung von Steinfrüchten mit Estrumate® ist in jedem Trächtigkeitsstadium möglich. Eine manuelle Entfernung der Feten aus der Scheide ist in den meisten Fällen notwendig. Die normale Zyklusaktivität wird wieder hergestellt.
Eihautwassersucht
Die Behandlung der Eihautwassersucht mit Estrumate® ist in jedem Trächtigkeitsstadium möglich.
Geburtseinleitung
Die Geburtseinleitung ist ab dem 250. bis 260. Tag der Trächtigkeit möglich, sollte aber wegen der erhöhten Gefahr der Nachgeburtsverhaltung und wegen der besseren Lebensfähigkeit der Kälber erst ab dem 275. Trächtigkeitstag vorgenommen werden. Die Geburt erfolgt im allgemeinen 24 bis 48 Stunden nach der Verabreichung von Estrumate®.
Primäre Wehenschwäche
Einige Minuten nach der Verabreichung von Estrumate® setzen die Wehen ein; der Geburtsvorgang ist normalerweise nach 1 bis 2 Stunden beendet.
Brunstsynchronisation
Mit zwei Estrumate®-Injektionen im Abstand von 11 Tagen ist es möglich, den Brunstzyklus bei geschlechtsgesunden Tieren einer Herde wirksam und einheitlich zu steuern, wobei die individuelle Brunstbeobachtung entfällt. Der Besamungszeitpunkt liegt bei 72 bis 96 Stunden nach der zweiten Injektion.
Verkürzung der Rastzeit
Estrumate® verkürzt die Zwischenkalbezeit, wenn alle Kühe, die 60 Tage nach der Geburt noch nicht sichtbar gerindert haben, einmal, oder - falls keine Brunstsymptome auftreten - nach 11 Tagen nochmals mit Estrumate® behandelt und 72 bis 96 Stunden p. inj. besamt werden.
 

Pferde

Rosseeinleitung
Bei frühembryonalem Tod, persistierendem Diöstrus, Pseudogravidität, Laktationsanaphrodisie und bei güsten oder virginen Stuten tritt nach Verabreichung von Estrumate® die Rosse im allgemeinen nach durchschnittlich 5 (3 bis 10) Tagen und die Ovulation 2 bis 3 Tage später ein.
Aborteinleitung
Die Aborteinleitung mit Estrumate® ist bis zum 45. Trächtigkeitstag möglich, danach ist der Erfolg unsicher.
Geburtseinleitung
Die Geburt kann mit Estrumate ab dem 320. bis 340. Trächtigkeitstag eingeleitet werden. Sie erfolgt etwa 2 bis 4 Stunden nach der Injektion.
 

Schweine

Geburtseinleitung
Estrumate® sollte ab dem 111. Trächtigkeitstag verabreicht werden. Die Geburt tritt im allgemeinen nach 24 bis 36 Stunden ein.
 

Schafe, Ziegen

Brunstinduktion, Brunstsynchronisation
Zur Brunstinduktion wird Estrumate® einmal, zur Brunstsynchronisation zweimal im Abstand von 11 Tagen verabreicht. Bei künstlicher Besamung liegt der optimale Besamungszeitpunkt bei 48 bis 64 Stunden p. inj.
 
Rinder2 ml subkutan oder intramuskulär; 1 ml intravenös. In einzelnen Fällen ist eine Wiederholung der Applikation angezeigt (siehe Indikationen: Brunstinduktion bei Stillbrünstigkeit und Anöstrie, Endometritis und Pyometra).
Pferde1 ml intramuskulär.
Ponys0,5 ml intramuskulär.
Schweine0,7 ml intramuskulär.
Schafe, Ziegen0,5 ml subkutan oder intramuskulär.
 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Trächtigkeit, ausgenommen bei Anwendung zur Abort- und Geburtseinleitung.
PferdeAkute oder subakute Störungen des Magen-Darm-Traktes oder des Atmungsapparates.
SchweineEstrumate® ist nur bei bekanntem Decktermin anzuwenden; die Injektion soll frühestens am 111. Trächtigkeitstag erfolgen. Wenn die Injektion mehr als 2 Tage vor Ablauf der mittleren Tragezeit (115 Tage) erfolgt, kann die Lebensfähigkeit der Ferkel beeinträchtigt werden.
 

Vorsichtsmassnahmen

Die üblichen aseptischen Kautelen sind zu beachten: Mit dem Auftreten von Anaerobier-Infektionen ist zu rechnen, wenn Keime mit der Injektion in das Gewebe eingebracht werden. Das gilt insbesondere für die i.m.-Injektion.
 

Unerwünschte Wirkungen

VetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
 
RinderNach Geburtseinleitung mit Estrumate® ist ein vermehrtes Auftreten von Nachgeburtsverhalten zu verzeichnen.
PferdeLeichtes Schwitzen und Durchfall können auftreten, besonders, wenn die angegebene Dosierung um ein Mehrfaches überschritten wird.
 
Essbares Gewebe: 24 Stunden.
Milch: Keine
 

Wechselwirkungen

Keine bekannt.
 

Sonstige Hinweise

Schwangeren, Asthmatikern und Personen mit anderen Erkrankungen der Atemwege ist Vorsicht beim Umgang mit Cloprostenol nahezulegen. Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Bei eventueller Kontamination der Haut sollte diese sofort mit Wasser und Seife gereinigt werden. Unter 30°C und vor Licht geschützt aufbewahren. Auf jeder Packung ist das Verfalldatum angegeben; das Präparat soll nicht über dieses Datum hinaus verwendet werden. Aufbrauchsfrist für die angebrochene Packung: 28 Tage.
 

Packungen

Flacon zu 20 ml

Abgabekategorie: A

Swissmedic Nr. 40'806

Informationsstand: 06/2015

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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